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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 4. September 2005 - 04/09/05

das Ritual: die "rentrée"

die "rentrée"


Unser deutscher Journalist Hajo Kruse schmunzelt gern über französische Sitten. Heute erklärt er seinen Landsleuten, was es mit dem französischen Ritual der "rentrée" auf sich hat.


Jetzt sind wir also im September. Für Franzosen ist der September der Monat  der "rentrée", eine französische Spezialität, die mit einer unbeschreiblichen Betriebsamkeit verbunden ist. Rentrée bedeutet auf deutsch – Rückkehr, oder Heimkehr. Die Franzosen kommen also zurück. Alle auf einmal. Denn in Frankreich gibt es keine zeitliche Staffelung der Ferien. Alle Schulen sind zwei volle Monate geschlossen: im Juli und August: man nennt das zu Recht: die Großen Ferien.

Franzosen verbringen offenbar gerne ihre Ferien gemeinsam auf überfüllten Stränden, auf vollen Campingplätzen oder Wanderwegen mit Betrieb wie auf der Autobahn. Die Hauptstadt Paris ist in diesen Sommerwochen den Touristen überlassen. In den Städten, vor allem in Norden des Landes, läuft fast nichts. Im August irgendwo ein Baguette kaufen? Ein Abenteuer! Und sollten Sie versuchen, einen Klempner oder das Finanzamt zu erreichen, dann erreichen Sie – bestenfalls- einen Telefonbeantworter, der Ihnen freundlich rät, es im September wieder zu versuchen. In Frankreich machen viele Behörden und Betriebe im August einfach dicht.

Aber am 31. August ist damit Schluss. Die rentrée beginnt und zwar unweigerlich mit Riesenstaus auf Straßen und Autobahnen: das übliche Verkehrschaos der rentrée. Die Kinder bereiten sich auf das neue Schuljahr vor: die Rückkehr in die Schulen. Sie müssen selbstverständlich Schulranzen, Federmäppchen und Kleidung erneuern: Alle Familien werden von einer Art rentrée-Kaufrausch erfasst, den die Geschäfte mit rentrée-Sonderangeboten anheizen.

Aber nicht nur die Schüler kommen zurück: Die Regierung macht ihre rentrée, die Politiker haben ihre "politische" rentrée, die Gewerkschaften versprechen eine möglichst "heiße" rentrée mit vielen Streiks, die Fernsehsender stellen die Wiederholungen der Sommerpause ein und die Rentrée-Programme vor, Frauenzeitschriften zeigen die Modetendenzen der rentrée, die Verlage bringen die Romane der Literatur-rentrée heraus. So leben die Franzosen mit zwei verschiedenen Kalendern, was etwas verwirrend ist. Wenn ein Franzose sagt: Das machen wir dann "à la rentrée", dann heisst das nicht etwa: im neuen Jahr, Anfang Januar, nein, er meint diesen anderen Jahresanfang, den es nur in Frankreich gibt: das ist der 1.September.
Text: Hajo Kruse
Bild: Claude Delafosse

Erstellt: 02-09-05
Letzte Änderung: 10-09-09


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