
Manchmal werden noch Adventslieder gesungen. Vor allem aber scheint der Adventskranz – trotz elterlicher Verbote – bei vielen kleinen Deutschen die Lust zum Kokeln zu wecken. Sie verbrennen Tannennadeln oder halten Mandarinenschalen in die Flammen, das riecht so gut. Früher wurde der Adventskranz meist mit dicken Bändern an der Decke aufgehängt. Heute stellt man ihn in der Regel mitten auf den Tisch, manchmal auf einen Ständer. Anders als erwartet hat der Adventskranz keine lange Tradition. Er geht auf Pastor Johann Hinrich Wichern zurück, der 1833 bei Hamburg ein Heim für Waisenkinder in Not, "das Rauhe Haus" gründete.
Das Heim gibt es übrigens heute noch. Der Pastor hatte die Idee, ein grosses Holzrad aufzuhängen, mit 20 kleinen roten Kerzen für die Wochentage und 4 grossen weissen Kerzen für die Sonntage. Jeden Tag im Advent zündete man eine weitere Kerze an. Nach und nach wurde der Adventskranz von der evangelischen und gegen 1925 auch von der katholischen Kirche übernommen. Und schliesslich wurde das schlichtere Modell mit vier Kerzen in den deutschen Haushalten heimisch. In der Antike war der Lorbeerkranz das Symbol des Sieges; der Adventskranz, der das Warten auf die Geburt Jesu begleitet, ist ein Symbol für den Sieg Christi über die Finsternis und die Kräfte des Bösen. Seit ein paar Jahren erobert der Adventskranz – in rein dekorativer Form – Frankreich, auch wenn die Franzosen bislang keine Ahnung von seiner Bedeutung hatten. Jetzt ist die Sache also etwas klarer.







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