Am letzten Donnerstag sind Millionen kleine Deutsche freudig aus ihren Betten gehüpft haben und sich auf ihren Adventskalender gestürzt. Endlich durften sie das erste Fensterchen aufmachen. Der schöne Brauch hat sich in den letzten Jahren auch in Frankreich verbreitet, Adventskalender findet man inzwischen auch dort in jedem Supermarkt. Ursprünglich ist es eine deutsche Tradition, evangelisch oder katholisch, gleichermassen.Angeblich um die ewige Fragerei: "Mama, wann ist endlich Weihnachten?" zu beenden, entstand der Brauch, am ersten Dezember mit Kreide 24 Striche an die Haustür zu malen. Jeden Tag wischten die Kinder einen weg, bis das Christkind kam. Oder: Die Kinder legten jeden Tag einen Strohhalm in die Krippe. Die 24 Strohhalme bildeten auf diese Weise ein sanftes Lager für das neugeborene Christkind.
In Maulbronn in Süddeutschland hatte schliesslich die erfindungsreiche Frau eines Pastors die Idee, für ihre Kinder 24 Kästchen auf einen Pappkarton zu zeichnen. Auf jedes Kästchen war ein "Wibele", ein kleines schwäbisches Gebäck, genäht. Ein paar Jahre später verwandelte ihr Sohn Gerhard Lang diese mütterliche Geste in klingende Münze. Im Jahre 1908 brachte er in München den ersten "Weihnachtskalender" auf den Markt. So nannte er das damals. Der Einfachheit halber setzte er dann an die Stelle der kleinen Süßigkeiten schöne bunte Bilder.
Der Erfolg war umwerfend. Als guter Geschäftsmann brachte Gerhand Lang dann jedes Jahr neue Modelle heraus, mit Bildern, die man ausschneiden und aufkleben konnte, mit Fensterchen, die man öffnet, mit Figürchen darin, usw. usw. Die Konkurrenz wurde immer lebhafter. Die Kalender wurden immer bunter, immer glitzernder und allmählich tauchten auch nicht-religiöse Motive auf, wie man hier sieht. Zwar bastelt man heute in Deutschland den Adventskalender gerne selbst - indem man zum Beispiel 24 kleine Überraschungspakete quer durchs Wohnzimmer hängt. Trotzdem bleibt der traditionelle Adventskalender in Deutschland sehr beliebt. Die meisten Kinder haben sogar 2 oder 3. Klar, der traditionelle Adventskalender, bei dem man "nur etwas sieht" wurde durch den "essbaren" verdrängt. Die Exemplare, die hinter jedem Türchen ein Stück Schokolade verbergen, verkaufen sich am besten ..Seitdem erfüllt der Adventskalender eine wichtige pädagogische Funktion: Er vermittelt, dass das Warten noch schöner sein kann als die sofortige Lustbefriedigung. Denn welches Kind ist nicht irgendwann einmal der Versuchung erlegen, ein weiteres Fenster zu öffnen, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt, und noch eines, nur eines noch ….bis es dann – pappsatt und verlegen vor seinen vorwurfsvoll dreinblickenden Eltern steht…







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