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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 2. Januar 2005 - 02/01/05

das Ritual: das Neujahrsgeld

Aller guten Dinge sind drei. Noch ein Ritual, französisch und gar nicht komisch, vorgestellt von Jeanne Desto.

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Ich möchte Ihnen eine Art Fieber beschreiben, das am Jahresende in ganz Frankreich wütet: "les étrennes" - das Neujahrsgeld.

Fangen wir mal mit den Müllmännern an. Es ist Ende November. Sie sind gerade von den Arbeit nach Hause gekommen. Jemand klingelt an der Haustür: "Ich komme für das Neujahrsgeld für die Müllmänner."

Da kommt also ein Mann von der Müllabfuhr und überreicht Ihnen einen winzigen Pappkalender. Die große Frage ist natürlich, wieviel soll man geben? Man will nicht knickrig erscheinen, sich aber auch nicht ruinieren. Man wüsste gerne, was der Nachbar gibt:  5 Euro, 10 Euro? Weniger? Mehr?

Letztes Jahr kam der Müllmänner-Neujahrsgeld-Einsammler Ende November. Zwei Wochen später klingelt es wieder. Aus der Sprechanlange erklingt: "Die Müllmänner, für das Neujahrsgeld!"  Ich  protestiere: "Einer Ihrer Kollegen war schon im November da." "Das war kein echter Müllmann!" sagt der echte  Müllmann. Die echten Müllmänner sind meistens schüchtern, oft sind es Ausländer, die nicht so gut französisch sprechen, da hat man ein bisschen Mitleid: also gibt man noch mal Neujahrsgeld für die angeblich echten Müllmänner.

Die  Müllmänner, vor allem in Paris, haben ein Problem: die meisten Häuser sind mit Sprechanlagen ausgerüstet oder mit geheimen "Digitalcodes", die das Hereinkommen erschweren.

Die Briefträger haben dieses Problem nicht. Um Zugang zu den Briefkästen zu haben, besitzen sie einen Generalschlüssel. Man kann ihnen also nicht entkommen : sie klingeln direkt an der Wohnungstür, schließlich ist das ihr gutes Recht und Privileg. Der Briefträger ist auch nicht so anonym wie der Müllmann. Er kennt Ihren Namen, Ihren Briefkasten und außerdem kann er stolz seinen Trumpf präsentieren: den Postkalender. Ein nützliches, unverzichtbares Utensil, das man in vielen französischen Küchen findet.

Es gibt Ihnen das ganze Jahr lang wichtige Informationen, z. B. wann genau der Mond auf – oder untergeht, den Heiligenkalender, die Liste der französischen Départements und so weiter. Vorallem aber besticht der Postkalender mit einem wunderschönen Foto auf der ersten Seite: man hat die Qual der Wahl zwischen einem reizenden Kätzchen, Sonnenuntergang auf den Bahamas oder Gebirge im Schnee. Das gibt Ihnen etwas Zeit zum Nachdenken : wieviel habe ich wohl letztes Jahr gegeben? Der Briefträger verschanzt sich hinter einem breiten Lächeln: "Man gibt, was man will, Madame".

Dann gibt es noch die Feuerwehrleute und Kanalarbeiter, vor allem aber das Neujahrsgeld für die "Concierge". Da wird es heikel, denn es geht um den Haussegen des kommenden Jahres. Die Höhe des Neujahrsgeldes beeinflusst den guten Willen der "Concierge" oder des Hausmeisters bei diversen kleinen Gefälligkeiten : den Mann von den Stromwerken beim Zählerablesen begleiten, Einschreibebriefe entgegennehmen, dem kleinen Neffen, wenn Sie noch bei der Arbeit sind, den Schlüssel geben, die Fenster bei Gewitter schließen, Blumen gießen im Sommer.

Der gute Wille hat seinen Preis: 100, 200 Euro? All das kommt zu den Weihnachtsgeschenken hinzu. Kein Wunder, dass Franzosen im Januar den Gürtel enger schnallen.

Erstellt: 27-12-04
Letzte Änderung: 23-12-11


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