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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 25. Juni 2006 - 25/04/04

das Archiv

die Fussballweltmeisterschaft


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Tor, Tor, Tor, Tor – Sie kennen alle dieses grandiose Ereignis unserer Geschichte. Die Franzosen nicht. Elsa Clairon holt dieses Versäumnis nach.

foot.jpg.imageDataWir sind im Jahr 1954, genauer am 4. Juli 1954, in der Schweiz, im Stadion von Wankdorf bei . Es regnet in Strömen. In wenigen Augenblicken beginnt das Endspiel der Fussballweltmeisterschaft. Auf der einen Seite, die Ungarn, seit  mehreren Jahren ungeschlagen, die Favoriten. Auf der anderen Seite, die deutsche Mannschaft, sie gilt als Aussenseiter. Sie  wurde  erst vor kurzem in die FIFA aufgenommen. Niemand hatte erwartet, dass sie ins Endspiel käme.

1954 hatten nur ganz wenige Deutsche einen Fernseher, man  verfolgte das Spiel also im Radio. Der Reporter wurde  per Los  bestimmt, Herbert Zimmermann bekam die ehrenvolle Aufgabe.

« Deutschland im Endspiel der Fussballweltmeisterschaft. Das ist eine Riesensensation, das ist ein echtes Fussballwunder ! »

Seine Stimme und seine Worte fangen die Atmosphäre ein:
Der Anstoss wird gegeben und gleich läuft das Spiel so, wie es die Deutschen befürchtet hatten : erstes Tor der Ungarn in der sechsten Minute und das zweite schon in der achten. Der Ausgang scheint klar zu sein. Aber… zwei Minuten später.

« …Kameraden Fritz Walter, von dort zu Rahn, Rahn… und Tor! Tor für Deutschland ! Tor ! »

Die Deutschen schießen ein Tor...

« Es steht nur noch 2 :1 ! Zehn Minuten sind gespielt ! »

...und in der 18. Minute noch eins. Es herrscht Gleichstand.

« Genau so war es ! Deutschlands A-Mannschaft, der grossartige Sieger gegen Österreich, hat aus 0 :2 2 :2 gemacht ! »

Das Spiel ist wirklich aufregend: zahlreiche Angriffe, zahlreiche  Torgelegenheiten...

« Das Spiel ist temperamentvoll ; die Szenen wechseln blitzartig ! Flanke nach innen – abgewehrt – Nachschuss – wieder abgewehrt…

…gibt zu Czibor, Czibor schiesst, abgewehrt ! Liebrich rettet ! Noch einmal Nachschuss. Kocsis am linken Flügel… rettet, rettet, rettet… und jetzt ist die Gefahr beseitigt !

Czibor, der Linksaussen in der Sturmmitte… spielt ab zum rechten Flügel, zu Toth, Toth könnte den Ball vor das Tor ziehen… Kopfball … an die Querlatte, von Kocsis…

…zu Hidegkuti, der zu Puskás, Puskás schiesst ! Gehalten auf der Torlinie ! »

...und plötzlich, sechs Minuten vor dem Abpfiff …  aber hören wir lieber:

« … Schäfer, Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt.

Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt... Toooor! Toooor! Toooor! Toooor ! … »

Das Unglaubliche hat sich ereignet, aber hören wir weiter Herbert Zimmermann…

« Tor für Deutschland ! Linksschuss von Rahn ! Drei zu zwei für Deutschland fünf Minuten vor dem Spielende.

Halten Sie für verrückt ? Halten Sie für übergeschnappt ? Ich glaube, auch Fussballlaien sollten ein Herz haben, sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft… »

Am Schluss wird es völlig verrückt, die Ungarn greifen an und drei  Minuten vor Schluss  schießen sie noch ein Tor, was aber wegen Abseits  verweigert  wird  und  endlich kommt der Schlusspfiff.

« Aus ! Aus ! Aus ! Aus ! Das Spiel ist aus ! Deutschland  ist Weltmeister, schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in . Unser Stolz, unsere Freude und unseren ganz innigen Dank… »

Zimmermanns Stimme, seine Worte, seine Bewegtheit prägen sich für immer ins Bewusstsein der Deutschen ein.

Bei der Pokalübergabe stimmen die Zuschauer die deutsche Nationalhymne an. Wenn man genau hinhört, merkt man, dass die Zuschauer  zögern  zwischen  der ersten  Strophe, also « Deutschland , Deutschland über alles », die seit Kriegsende verboten ist, und der dritten  Strophe, die seit 1951 offizielle Nationalhymne ist. Aber in diesem Moment, von der Emotion überwältigt, setzt sich erneut «Deutschland über alles » durch.

Diesen Sieg  nennt man in Deutschland « das Wunder von Bern ». Warum war die Wirkung so stark ?

Weil dieser Sieg, 1954, das Signal  für  eine Wende in der jüngeren deutschen Geschichte wird, der Beginn  des wirtschaftlichen  und moralischen  Wiederaufbaus. Weil  sich die Deutschen -zum ersten mal seit langem - wieder erlauben durften, stolz darauf zu sein, Deutsche zu sein.

Man spricht vom sogenannten « Wir-sind-wieder-wer-Gefühl » .

Und auch, weil das Motto von Trainer Sepp Herberger lautet : Mannschaftsgeist, Zusammenspiel, Arbeit, Disziplin und Vertrauen auf den  Sieg. Werte, die die Deutschen der Fünfziger Jahre charakterisieren werden.Und deshalb ist das Endspiel von  viel mehr als nur ein sportliches  Ereignis.

Erstellt: 23-06-06
Letzte Änderung: 25-04-04


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