Sendung vom 17. Mai 2009 - 17/05/09
das Archiv: die Verkündung des Grundgesetzes 1949
die Verkündung des Grundgesetzes 1949
Am nächsten Samstag wird die Bundesrepublik Deutschland 60 Jahre alt. Jeanette Konrad kommt auf diesen historischen Moment zurück.
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Es ist Montag, der 23. Mai 1949, wir befinden uns in Bonn in Nordrheinwestfalen. Es ist ein feierlicher Moment: Wir sehen Konrad Adenauer beim Unterzeichnen des Grundgesetzes, dem rechtlichen und politischen Fundament der frischgebackenen Bundesrepublik Deutschland.
Kleiner historischer Rückblick.1945. Ende des zweiten Weltkriegs. Ende des Schreckensregimes der Nazis. Die Briten, die Sowjets, die Franzosen und die Amerikaner besetzen das besiegte Deutschland; sie teilen das Land und seine Hauptstadt Berlin in vier Besatzungszonen auf. Sehr schnell verschlechtert sich das Verhältnis zwischen den Sowjets und den Westalliierten. Der kalte Krieg beginnt und damit die Trennung der beiden deutschen Staaten.
Konzentrieren wir uns auf den Teil, der später Westdeutschland genannt werden wird. Zunächst bauen die Alliierten eine Demokratie auf regionaler Ebene auf: Sie gründen 11 Länder denen umfassende Selbstbestimmungsrechte eingeräumt werden. Ein Jahr später machen die Allierten den nächsten Schritt: Der britische Militärgouverneur, der französische und der amerikanische beauftragen die Deutschen mit der Ausarbeitung einer Verfassung und bestimmen deren Grundzüge in den "Frankfurter Dokumenten". Jetzt sind also die Deutschen an der Reihe: Die Aufgabe kommt dem Parlamentarischen Rat zu, der aus Vertretern der einzelnen Bundesländer besteht, unter dem Vorsitz von Konrad Adenauer.
Acht Monate später, am 8. Mai 1949, nach langen, teils hitzigen Debatten, wird das Grundgesetz dann vom Parlamentarischen Rat angenommen. Das Datum des 8. Mai wurde nicht zufällig gewählt: Auf den Tag genau vor vier Jahren fand die bedingungslose Kapitulation des Hitlerregimes statt. Adenauer sagt über diesen Tag, dass er "der erste frohe Tag seit dem Jahre 1933" sei. Nicht alle Ratsmitglieder teilen diese Begeisterung, denn durch die Wahl des Grundgesetzes besiegeln sie gegen ihren Willen auch die Teilung Deutschlands. Das Grundgesetz zieht die Lehren aus dem Nationalsozialismus. Hier der erste Satz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Zweiter Schritt: die Alliierten nehmen das Grundgesetz nach geringfügigen Veränderungen am 12. Mai 1949 an. Zehn Länder ratifizieren es ihrerseits, das ist der dritte Schritt, mit der berüchtigten Ausnahme des Bayerischen Landtags, der sich mehr regionale Autonomie gewünscht hätte. Bayern ist ja schon immer sehr auf seine Unabhängigkeit bedacht gewesen.
Und hier nun die letzte Etappe am 23. Mai 1949, dem Tag der feierlichen Verkündung des Grundgesetzes in Bonn, der Stadt, die einige Monate später zur offiziellen Hauptstadt der BRD werden wird. Hier sehen wir das Eintreffen der Abgeordneten, das heißt der Vertreter der Länder und der Alliierten, den Urhebern dieses Aktes. Im Hintergrund sieht man die Fahnen der 11 Länder, die den föderalen Charakter des neuen Staates unterstreichen.
Wir sind nun in der Pädagogischen Akademie, dem heutigen Bundeshaus, wo das Grundgesetz unterzeichnet werden soll. Vor dem Publikum, die neue deutsche Flagge, schwarz rot gold. Karambolage hat Ihnen bereits die Symbolik dieser Farben erklärt, die an die Märzrevolution von 1848 erinnern. Als erster unterzeichnet Präsident Konrad Adenauer den Gesetzestext. Einige Monate später wird er der allererste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland werden. Nun sind die Mitglieder des Parlamentarischen Rates und die verschiedenen Präsidenten der Landtage an der Reihe, was uns ein wenig Zeit lässt, etwas genauer auf den Begriff Grundgesetz einzugehen.
Die Alliierten hatten eigentlich die Absicht, Westdeutschland mit einer richtigen Verfassung auszustatten. Die Deutschen aber waren dagegen: eine Verfassung hätte der neuen Bundesrepublik einen endgültigen Charakter gegeben und damit auch der Teilung Deutschlands. Deswegen haben die Deutschen das Wort Grundgesetz bevorzugt, ein Begriff, der deutlich macht, dass es sich um eine Übergangslösung handelt. Zu diesem Zeitpunkt hoffen die Deutschen, dass das geteilte Deutschland sich schnell wiedervereinigt. Dieser Prozess wird leider viel länger als erwartet dauern, und das vor allem, weil nur 5 Monate später, am 7. Oktober 1949, die Sowjets ihrerseits einen eigenen deutschen Staat gründen, die Deutsche Demokratische Republik, die DDR.
Aber kommen wir zum Grundgesetz der Bundesrepublik zurück. Der letzte Artikel sah eigentlich vor, dass das Grundgesetz, sobald Deutschland wiedervereinigt ist, durch eine Verfassung ersetzt wird. Die offizielle Wiedervereinigung fand wie wir alle wissen 1990 statt, ein Jahr nach dem Mauerfall. Die Deutschen haben dann beschlossen, den Text des Grundgesetzes, der sich bewährt hatte, einfach beizubehalten und ihn zur Verfassung des wiedervereinigten Deutschlands zu erklären.
Text: Jeanette Konrad
Bild: Jeanette Konrad
Erstellt: 15-05-09
Letzte Änderung: 10-09-09