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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 04. Oktober 2009 - 04/10/09

das Archiv: die Gründung der DDR

die Gründung der DDR


In drei Tagen ist der 7. Oktober. Und der 7. Oktober war – das wissen Sie sicher – der Nationalfeiertag in der ehemaligen DDR. Warum? Weil an einem 7. Oktober, genauer gesagt am 7. Oktober 1949 die deutsche demokratische Republik gegründet wurde. Jeanette Konrad kommt auf dieses Ereignis zurück.

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Am Ende des zweiten Weltkriegs ist Deutschland in vier Zonen aufgeteilt, die von den Briten, den Franzosen, den Amerikanern und den Sowjets besetzt sind. Alle vier Alliierten sind sich einig, in Deutschland schnell wieder eine Demokratie aufzubauen, aber die Sowjets verstehen unter dem Wort "Demokratie" nicht ganz dasselbe: Sie wollen ein marxistisch-leninistisches Regime nach Vorbild der UdSSR.

Um dies zu erreichen, veranlassen die sowjetischen Besatzer 1946 die Zwangsvereinigung der großen SPD, unter der Leitung von Otto Grotewohl, mit der KPD, der kommunistischen Partei, geführt von Wilhelm Pieck. Die neu entstandene Partei heißt Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, kurz SED. Mit diesem Zusammenschluss ist der erste Schritt in Richtung kommunistisches Regime getan.

Im Jahr 1948 setzen die Sowjets dann den Volksrat ein. Er soll die Verfassung für den neuen Staat erarbeiten. Nach einigen Monaten verständigen sich die Mitglieder des Volksrats auf einen Verfassungstext, der die Verstaatlichung der ostdeutschen Betriebe vorsieht und alle Macht in den Händen der SED konzentriert.Auch wenn Wahlen organisiert werden, auch wenn eine Vielzahl von Institutionen ins Leben gerufen werden, ist die Entwicklung in Ostdeutschland doch nur eine scheindemokratische. Die UdSSR kontrolliert jeden Schritt und im September 1949 gibt Stalin höchstpersönlich grünes Licht für die Gründung des neuen Staates.Und hier befinden wir uns nun am 7. Oktober 1949 in Ostberlin, zu der feierlichen Verkündung der Deutschen Demokratischen Republik, wie es so schön heißt.

Sie sehen hier Otto Grotewohl, ehemaliger Präsident des Volksrats und Vorsitzender der SED. Er wird der Chef der neuen Regierung werden.Es folgt nun die Wahl der Verfassung. Aber, kann man wirklich von einer Wahl sprechen? Geschlossen erheben sich alle Anwesenden zur Zustimmung. Damit ist die Deutsche Demokratische Republik gegründet und gleichzeitig die Spaltung Deutschlands zwischen zwei Welten besiegelt: zwischen der westlichen und der sowjetischen. Der kalte Krieg teilt Deutschland.Vier Tage später, am 11. Oktober 1949, wird Wilhelm Pieck, hier in der Mitte der Tribüne, zum Staatspräsidenten gewählt – oder soll man besser sagen ernannt?

Am gleichen Abend findet im Zentrum von Berlin ein Fackelzug statt. Frenetisch jubelt die begeisterte Menge dem neuen Präsidenten zu und auch die Mitglieder der berühmten FDJ, der Freien Deutschen Jugend, nehmen an der Massenkundgebung teil. Kurz, ein typisch kommunistischer Aufmarsch, mit Fackeln und Fahnen.

Apropos, sehen Sie die Fahne, die sie schwingen? Sie ist schwarz-rot-gold, genau wie die der Bundesrepublik. Denn jeder der beiden deutschen Staaten versteht sich als das einzige und wahre Deutschland.Das Verhältnis zwischen den zwei Staaten wird sich zunehmend verschlechtern, und 1959 nimmt die DDR, um sich von der BRD zu unterscheiden, die sozialistischen Symbole in ihre Fahne auf: der Ährenkranz steht für die Bauern, der Hammer für die Arbeiterklasse und der Zirkel für die Intelligentsia.

Und jetzt noch etwas zur Hymne der DDR. Gleich nach seiner Wahl beautragt Pieck den Dichter Johannes Robert Becher mit dem Schreiben einer Hymne. Hanns Eisler, der berühmte Komponist, schreibt die Musik dazu und am 7. November 1949, am Jahrestag der russichen Revolution von 1917, wird die neue Hymne zum ersten Mal öffentlich aufgeführt.

"Auferstanden aus Ruinen    
Und der Zukunft zugewandt,
Lass uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland."

Haben Sie gehört? Ein "einig Vaterland" wird in der Nationalhymne der DDR beschworen. Genau wie in der Bundesrepublik hofft man in der DDR 1949 noch auf eine schnelle Wiedervereinigung, auf ein einziges Deutschland. Aber auch hier wird alles anders kommen und bald fällt die Zeile "Deutschland, einig Vaterland" in Missgunst. In den 70er Jahren ist die Hymne nur noch eine Melodie, ohne Text.Erst die Demonstrationen zur deutschen Wiedervereinigung und der Mauerfall im November 1989 werden dem verpönten Slogan einen neuen Sinn geben: Deutschland einig Vaterland.

Text: Jeanette Konrad
Bild: Jeanette Konrad & Thierry Demay

Erstellt: 02-10-09
Letzte Änderung: 13-10-09


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