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> Sendung vom 18. März 2012 > das Archiv: die Évian-Verträge

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Karambolage 262 - 18/03/12

das Archiv: die Évian-Verträge

Vor 50 Jahren unterzeichneten Frankreich und Algerien die Évian-Verträge. Elsa Clairon kommt auf dieses Ereignis zurück.

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Diese Aufnahmen entstanden vor genau 50 Jahren, am 18. März 1962. Wir sind in Évian-les-Bains, einer kleinen Stadt in der Haute Savoie an der Schweizer Grenze. Seit zwölf Tagen holt ein Hubschrauber allmorgendlich die Vertreter des FLN, der nationalen Befreiungsfront Algeriens aus der Schweiz zu abschließenden Verhandlungen mit den Vertretern der französischen Regierung. An diesem 18. März 1962 unterzeichnen schließlich beide Delegationen die "Accords d’Évian" - die Évian-Verträge.

Wir werden hier nicht auf die Einzelheiten der Verträge eingehen. Sagen wir nur, dass sie eine Waffenruhe anordnen, die am nächsten Morgen in Kraft tritt und das Ende eines schrecklichen, achtjährigen Krieges bedeutet, in dem hunderttausende Algerier und Zehntausende Franzosen, vorwiegend Soldaten, ihr Leben gelassen haben. Die Bürgerkriege sind brutal. Die Religionsgemeinschaften der Muslime, Christen und Juden zerfleischen sich. Sie bekämpfen sich gegenseitig und untereinander, manche schließen sich dem Kampf für die Unabhängigkeit an, andere wollen Französisch-Algerien beibehalten. Dieser Krieg ist geprägt von Attentaten, Terrorismus und der Folter durch die französische Armee.

Obwohl der Krieg auf algerischem Boden stattfindet, hat er schwere Auswirkungen in Frankreich, eine politische Krise folgt der anderen, was die Rückkehr von General de Gaulle an die Staatsspitze zur Folge hat. Er, der zuerst Anhänger Französisch-Algeriens war, ist es schließlich, der versteht und vor allem die Franzosen dazu bringt, zu verstehen, dass nichts ein Volk davon abbringen kann, über sich selbst zu bestimmen. (Auszug: "Ich verpflichte mich zur Befragung der Algerier in ihren 12 Departements hinsichtlich des Schicksals, das sie wählen wollen.")

Es ist ein wichtiges Kapitel der Geschichte Algeriens und Frankreichs, das hier zu Ende geht. Französisch-Algerien, die Kolonie, die Frankreich 1830 erobert hat, gibt es nicht mehr. In der Tat wird Algerien kurz nach den Verträgen unabhängig, am 5. Juli 1962. DIe Unabhängigkeit führt zur Vertreibung der Europäer, die man auch "Pied-Noirs" - Schwarzfüsse - nennt. Man spricht von 1 Million Heimkehrern aus Algerien, darunter etwa 60000 Muslime, die Harkis, die auf der Seite der Franzosen kämpften und nun blutrünstiger Vergeltung in Algerien zu entkommen suchen.

Karambolage widmet den Folgen der Évian-Verträge zwei Sondersendungen. Der Autor der Romane Das Dorf des Deutschen und Rue Darwin, Boualem Sansal, der algerische Schriftsteller, dem 2011 der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen wurde, erinnert sich speziell für Karambolage an seine Jugend in den unruhigen Zeiten nach den Évian-Verträgen: ein Frieden, der noch kein Frieden ist. Seine Geschichte zeigen wir nächsten Sonntag.


Texte : Elsa Clairon
Image : Claire Doutriaux

Erstellt: 16-03-12
Letzte Änderung: 26-03-12


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