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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 15. Februar 2009 - 15/02/09

das Archiv: der VW Käfer

Jeannette Konrad lädt uns nun auf eine Reise in die Fünfziger Jahre ein, Sie wissen schon, die Jahre, in denen es der deutschen Wirtschaft außerordentlich gut ging…

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Schauen Sie sich dieses Bild an. Ein riesiges Schild "1 Million" in einer Schrift, die die Szene sofort in den 50er Jahren situiert. Darunter Tausende von Menschen, alle einem Mann zugewandt, der auf einem Podest hinter einem Mikrophon steht. Hinter ihm werden Hände geschüttelt. Und noch weiter hinten steht der wahre Star dieser Veranstaltung: ein Auto. Sie haben ihn sicher längst erkannt, den VW Käfer von Volkswagen, über Generationen hinweg das deutsche Auto schlechthin.

Wir schreiben den 5. August 1955 und befinden uns im niedersächsischen Wolfsburg im VW-Werk, das seinen millionsten Volkswagen feiert. Deutschlands Wirtschaft hat sich nach dem Krieg auf wundersame Weise wiederaufgerichtet und steht in diesem Jahr 1955 in strahlender Blüte. Der VW Käfer ist vielleicht das anschaulichste Beispiel hierfür.

Eine Erfolgsgeschichte. Direkt nach seiner Machtergreifung 1933 beschließt Adolf Hitler, ein Autobahnnetz durch ganz Deutschland zu bauen, um das Land besser zu kontrollieren. Nur sehr wenige Deutsche können sich jedoch ein Auto leisten. Hitler beauftragt also Ferdinand Porsche, der einige Jahre später den gleichnamigen Sportwagen bauen wird, einen Volkswagen im wahrsten Sinne des Wortes zu erfinden.

Porsche zieht mehrere Studien aus den 20er Jahren zu Rate und stellt 1937 verschiedene Prototypen und Modelle für ein Automobil vor, das Hitler sogleich KdF-Wagen nennen wird, Kdf für Kraft durch Freude, wie auch schon die nationalsozialistische Organisation heißt, die die Freizeit und die Ferien der Deutschen kontrollieren und gleichschalten soll. Zwei Erwachsene und drei Kinder sollen in dem neuen Auto Platz finden, es soll mit höchstens 100 km/h fahren und ungefähr 7 l auf 100 Kilometer verbrauchen.

Der Preis des KdF-Wagens wird auf 990 Reichsmark festgelegt, was damals sechs Monatsgehältern eines Arbeiters entspricht. Um die Deutschen zum Kauf zu ermuntern, richtet Hitler ein System aus Sparmarken ein, die die Deutschen nach und nach kaufen können, um die 990 Reichsmark anzusparen. Wegen seines runden Gehäuses gibt die New York Times dem Auto den Spitznamen "beetle" - Käfer. Ein Name, der sich später in der ganzen Welt durchsetzt: "beetle", Käfer, "coccinelle".

Am 26. Mai 1938 legt Hitler den Grundstein für das VW-Werk. Die ersten Käfer laufen kaum vom Band, da beginnt der zweite Weltkrieg. Die Produktion des KdF-Wagens muss eingestellt werden. Volkswagen bekommt den Auftrag, von nun an Militärfahrzeuge zu produzieren, wie den Kübelwagen oder den Schwimmwagen.

Nach dem Krieg rollt die Produktion des Käfers wieder an, zunächst unter Kontrolle der Briten. 1000 Wagen laufen jeden Monat vom Band. Bald wird der VW-Käfer auch schon exportiert: zunächst nach Europa, dann in die USA und nach Brasilien. 1952 werden mehr als 41% der Autos ins Ausland geliefert. Ein Erfolg ohne Gleichen; das Label "made in Germany" garantiert Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit.

Und schließlich, am 5. August 1955, der millionste Volkswagen, ein wunderschöner Käfer, zur Feier des Tages in goldener Farbe. Aber natürlich feiert die Bundesrepublik an diesem Tag nicht nur dieses goldene Auto. Was wir hier miterleben, gerade einmal 10 Jahre nach den Schreckensjahren von Krieg und Nationalsozialismus, ist eine gelungene Inszenierung des Wirtschaftswunders, das Deutschland in den Fünfziger Jahren erlebt.

Genau zu dieser Zeit wirbt übrigens die Bundesrepublik Deutschland, die auf dem Weg ist, eine der weltweit führenden Wirtschaftsnationen zu werden, zum ersten Mal Gastarbeiter an, wie man die ausländischen Arbeiter so schön nennt. Bis in die 70er Jahre hinein bleibt der VW Käfer das Aushängeschild des deutschen Wirtschaftswunders. Der letzte Käfer läuft am 30. Juli 2003 vom Band. Er trägt die Nummer 21 529 464.

Erstellt: 13-02-09
Letzte Änderung: 16-05-12


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