Das tägliche Leben der Menschen dort wie hier interessiert uns. Nicht unbedingt die großen Helden, sondern die des Alltags und wie sie ihr Leben bestreiten – womit sie ihr Geld verdienen. In diesem Film begleiten wir die beiden Hauptprotagonisten Florence Musoke und Joseph Mukisa, die beide in ihrem täglichen Leben auf ein Fahrrad angewiesen sind.
Das Team bestand neben den beiden Autoren Winnie Gamisha und Andreas Frowein, der außerdem der Kameramann war, aus drei ugandischen Kollegen: Tony Kinyua, der für den Ton verantwortlich war, David Kimera und Paul Isabirye, die als Kameraassistenten und Fahrer mit dabei waren. Da das Team hauptsächlich aus Ugandern bestand, hatten wir den großen Vorteil, dass wir unseren Protagonisten schnell und wirklich nah kommen konnten.
Die Tatsache, dass alle bis auf Andreas Frowein die in Jinja gesprochenen Sprachen Lusoga und Luganda verstanden, war dabei entscheidend. Denn nicht alle Menschen in Uganda sprechen gut Englisch.
Viele Menschen in Uganda sind arm und deshalb froh, wenn sie nach einem arbeitsreichen Tag genug Essen auf dem Tisch haben und mit etwas Glück sogar ein wenig Geld zurück legen können. Kranken- und Sozialversicherung gibt es nur für Leute mit Geld. Die anderen müssen zusammenstehen und sich in Notfällen gegenseitig helfen. So passiert es immer wieder, dass für eine Anschaffung angespartes Geld dazu eingesetzt werden muss, einen kranken Verwandten zu unterstützen. Dann muss die Anschaffung erst einmal aufgeschoben werden.
Unsere beiden Haupt-Protagonisten leben vom Fahrrad. Florence Musoke benutzt es, um die Waren für Ihren kleinen Kiosk vom großen Markt in der Stadt Jinja zu holen. Nachmittags, wenn sie es nicht benutzt, vermietet sie es an ihren Neffen, der damit Boda-Boda – Fahrradtaxi fährt. Damit trägt das Rad von Florence einen guten Teil zum Familieneinkommen bei. Da auch Ehemann Robert fast täglich ein Rad benutzt, wollen die Musokes ein zweites Rad anschaffen. Die Familie ist für ugandische Verhältnisse nicht sehr groß, es sind „nur“ sieben Kinder. Aber die sollen neben Essen und Kleidung alle eine Schulbildung erhalten. Da die aber Geld kostet, ist es keine ganz leichte Aufgabe für Florence und Robert Musoke.
Der andere Hauptprotagonist ist Joseph Mukisa. Auch er ist Boda-Boda-Fahrer und besaß bis vor kurzem ein eigenes Rad, das ihm jedoch gestohlen wurde. Seit dem muss er jeden Tag ein Rad mieten, um seinen Job zu machen. Die Miete frisst ein Teil seiner Einnahmen und damit des Familieneinkommens. Deshalb will er möglichst bald ein neues Rad haben. Ihn haben wir außer mit einer großen Kamera zusätzlich mit einer zweiten handlichen Kamera bei seinen Fahrten begleitet. Um Joseph bei seiner Arbeit möglichst nah zu sein, lies sich der Kameramann von einem zweiten Boda-Boda fahren, um möglichst viele Details einfangen zu können. Die Bildgestaltung war dabei jedoch wegen der Schlaglöcher auf vielen Straßen nicht immer ganz einfach.
Da beide Protagonisten ein neues Fahrrad nicht auf einmal bezahlen können, wenden sie sich an sie Hilfsorganisation FABIO (First African Bicycle Information Organisation), die wiederum von europäischen Hilfsorganisationen, wie beispielsweise der ITDP Europe (www.itdp-europe.org), unterstützt wird. Bei FABIO können Florence Musoke und Joseph Mukisa die Räder zu fairen Konditionen in Raten bezahlen. FABIO hat es sich zur Aufgabe gemacht, den nichtmotorisierten Verkehr in Uganda zu stärken. Deshalb veranstalten sie hin und wieder auch Radrennen, um auf ihr Programm aufmerksam zu machen. Bei dem Radrennen, das während unserer Drehzeit stattfand, erlebte die zweite, kleine Kamera ihren wichtigsten Einsatz. Denn um die hohe Geschwindigkeit der mitfahrenden Profi-Fahrer halten können, saß der Kameramann verkehrt herum auf dem hinteren Sitz eines Motorrades, das das Rennen begleitete. So konnten sehr dynamische Bilder entstehen.
Gedreht haben wir nicht nur in der Stadt Jinja, sondern auch in den ländlichen Gebieten drum herum. Dort wird nahezu alles mit dem Fahrrad transportiert, angefangen vom wichtigsten Energieträger Holzkohle bis hin zum kleinen mobilen „Tante-Emma-Laden“. Fahrräder haben neben der Tatsache, dass sie halbwegs bezahlbar sind, den Vorteil, dass sie auch bei schlechten Straßen und engen Wegen eingesetzt werden können. Um interessante Bilder von beladenen Rädern zu bekommen, haben wir uns mehrfach an ländlichen Strassen postiert und dort unsere Geduld getestet.
Lebensrettend kann der Einsatz eines Rades sein, wenn es durch einen entsprechenden Anhänger zur sogenannten „Fahrradambulanz“ wird. Diese ermöglicht es Patienten, die nicht mehr laufen können, liegend zum nächsten Gesundheitszentrum zu gelangen. Leider kann sich nicht jedes Dorf eine solche Fahrradambulanzen leisten, da sie die umgerechnet 135 Euro nicht zusammensparen können. Wenn doch, so steht fast immer eine örtliche Frauengruppe dahinter.
Mittwoch, 19. Dezember 2012
| 09:40 |
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360° - Geo ReportageUganda - Der Weg zum Fahrradtaxi |
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Mittwoch, 19. Dezember 2012 um 09.40 UhrWiederholungen:
Die Region nördlich des Victoria-Sees in Uganda ist mit ihren vielen Hügeln und Bergen für Fahrräder eigentlich kein geeignetes Terrain. Gleichwohl wird hier auf Drahteseln fast alles transportiert: Bananenstauden, Wellblechdächer, frischer Fisch - und Fahrgäste. Denn für Motorräder und Autos fehlt den meisten Menschen hier das Geld. So kann sich jeder glücklich schätzen, der ein eigenes Fahrradtaxi besitzt, ein "Boda-Boda". Denn mit den Einnahmen aus dem Boda-Boda-Geschäft lässt sich eine Familie gut ernähren. "360° - Geo Reportage" begleitet einen Boda-Boda-Fahrer beim Erwerb seines heiß ersehnten eigenen Gefährts. Der Süden Ugandas am berühmten Victoria-See ist eine von Hügeln und Bergen geprägte Region und somit nicht dafür prädestiniert, sich per Fahrrad fortzubewegen. Doch da Motorroller und Autos für die meisten der hier lebenden Menschen unerschwinglich sind, bleiben Fahrräder ein beliebtes Fortbewegungs- und Transportmittel. Sie dienen auch als Taxis, sogenannte Boda-Bodas. |
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