Sendung vom 02. August 2009
der Gegenstand: die Gurken
die Gurken
Heute läd Sie Corinne Delvaux in Karambolage zum Gurkenessen ein, große Gurken, kleine Gurken, mittlere Gurken, aber sehen Sie besser selbst…
Hier sehen sie eine geniale französische Erfindung, die in Deutschland praktisch unbekannt ist. Eine Art Sieb aus grünem Plastik, daran ein Stiel mit zwei Haken. Was kann das wohl sein? Begeben wir uns einmal in eine französische Küche. Dieser französische Herr wird gleich eine köstliche Kalte Platte verspeisen: etwas kalter Braten, ein Stück Leberpastete und einige Scheiben Hartwurst. In Frankreich garniert man solche Kalten Platten gerne mit Gewürzgurken. Hier ein Glas typischer französischer Gewürzgurken mit kleinen weißen Zwiebeln.
Unser Freund wird nun ein paar von diesen Gurken herausholen: aber nicht doch, man steckt seine Finger nicht ins Glas. Ja, ich weiß, manchmal macht man das, aber doch nicht im Fernsehen! Und hier kommt unsere geniale Erfindung zum Einsatz: man ergreift die Plastiklasche, zieht sie hoch, und schon fahren die Gürkchen aus dem Essig nach oben und liegen griffbereit da. Die Franzosen nennen diese Vorrichtung ascenseur de cornichons, Gurkenfahrstuhl. Raffiniert, oder? Wie Sie sehen, sind diese Gurken hier sehr klein. Es gibt sie auch in anderen Größen, doch sie sind immer würzig, eher scharf und sehr knackig. Hmm.
Nun stellt sich unweigerlich folgende Frage: Warum verwenden die Deutschen diesen genialen Gurkenfahrstuhl nicht? Begeben wir uns also in eine deutsche Küche. So, dieser deutsche Herr möchte ebenfalls sein Abendbrot mit Gewürzgurken aufheitern. Doch zuvor eine Klarstellung: die Deutschen sagen zu dem Gemüse, das die Franzosen Concombre nennen, Gurke, beziehungsweise Salatgurke. Aber auch zu der eingelegten Variante, die bei den Franzosen cornichon heisst, sagen sie einfach Gurke, beziehungsweise Gewürzgurke. In Deutschland gibt es unglaublich viele Gurkensorten. Die Beliebtesten sind wohl diese Gewürzgurken: sie sind sehr viel größer als die französischen cornichons, und, wie soll man sagen… sie geben nach, und schmecken auch ganz anders : sie sind süss-sauer, denn ihr Essig ist gezuckert. Wie Sie sehen, hat der deutsche Herr die Gurken mit den Fingern herausgefischt.
Da Karambolage vor nichts zurückschreckt, haben wir ein Experiment gewagt und einen französischen Gurkenfahrstuhl in ein deutsches Glas gesteckt. Das Ergebnis: gleich null. Deutsche Gurken sind viel zu groß und verstopfen die Öffnung. Jetzt verstehen Sie, wieso in deutschen Gurkengläsern keine Gurkenfahrstühle sind. Die berühmtesten Gurken Deutschlands sind wohl die "Spreewälder Gewürzgurken". Die Gurken aus der DDR sind die Stars des Kultfilms "Good bye Lenin".
Die Deutschen essen auch sehr gerne Senfgurken, wie diese hier, in große Stücke geschnitten, und die man mit Brot und Käse verzehrt. Köstlich. Dann gibt es noch Honiggurken, aber die sind- wie soll man sagen- etwas ganz besonderes. Vermutlich muss man Deutscher sein, wie dieser Herr, um die Honiggurke voll und ganz schätzen zu können. Und nun ein paar Ausdrücke, die den symbolischen Stellenwert der Gurke in Frankreich und Deutschland verdeutlichen.
Auf deutsch gibt es das umgangssprachliche Verb "rumgurken". Was soviel bedeutet wie, sich wie eine Gurke fortbewegen, auch wenn auf den ersten Blick nicht ganz klar ist, wie das gehen soll. Dann gibt es die "Saure Gurken Zeit", die ist im Hochsommer, wenn die Gurken eingelegt werden. Damit meint man das berühmte Sommerloch. Und wenn ein Franzose einen anderen einen cornichon nennt, also ein Gewürzgürkchen, dann hält er ihn schlicht und einfach für einen Dummkopf.
Text: Corinne Delvaux
Bild: Claire Doutriaux
Mit: Jacques Falgous
Erstellt: 27-07-09
Letzte Änderung: 27-07-09