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Cannes auf ARTE - 12/05/11

Sierra Charriba

Am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges führt Major Dundee, strafversetzer Unions-Offizier, eine Truppe aus Unions-Armisten, konföderierten Gefangenen und indianischen Fährtensuchern auf der Jagd nach Häuptling Sierra Charriba und dessen brandschatzender Bande von Apachen an. Bis sie dem gemeinsamen Feind in Mexiko gegenüberstehen, haben Spannungen zwischen den einzelnen Parteien die Truppe gehörig aufgerieben.

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(Major Dundee)
Spielfilm, Frankreich/USA 1964
Regie: Sam Peckinpah
Mit: Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn, Senta Berger
1864: Major Dundee, ein Kavallerie-Offizier der Unions-Armee im amerikanischen Bürgerkrieg, wird wegen Fehlverhaltens in ein Kriegsgefangenenlager nach New Mexico strafversetzt. Nachdem eine Armeekolonne und eine Rancherfamilie von Apachen unter der Führung von Häuptling Sierra Charriba massakriert worden sind, rückt Dundee mit einer eigens zusammengestellten Truppe aus, um einen persönlichen Krieg gegen das mordend und plündernd durchs Land ziehende Indianeroberhaupt zu führen. Diese Truppe besteht aus Weißen und Schwarzen, ein paar Leuten von Dundees Wachmannschaft, Indianerscouts und einem Haufen inhaftierter Südstaatler unter der Führung von Dundees ehemals bestem Freund Benjamin Tyreen. Während der Verfolgungsjagd, die kreuz und quer durch Mexiko führt, kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den einzelnen Parteien. Die zusammengewürfelte Truppe, zu der unterwegs die hübsche Witwe eines mexikanischen Arztes stößt, gerät zudem zwischen die Fronten von Mexikanern und Franzosen, die Kaiser Maximilian I. in Mexiko an die Macht bringen wollen. Der ganze Feldzug wird zum Himmelfahrtskommando.

"Sierra Charriba", im Original "Major Dundee", ist der dritte Spielfilm des Hollywoodaußenseiters Sam Peckinpah und ein vielschichtiges Porträt jenseits jeder Heldenglorifizierung. Im Mittelpunkt steht eine zwielichtige Gestalt des amerikanischen Bürgerkrieges, provokant besetzt mit Hollywoods damaligem Musterhelden Charlton Heston. Der Regisseur zeigt einen verbissenen Befehlshaber, dem jedes Mittel recht ist, seinen angeknacksten militärischen Ruf zu rehabilitieren. Dabei trägt Peckinpahs Antiheld nicht nur die Züge eines egoistischen Feldherrn. Dundee fällt eine militärische Fehlentscheidung nach der anderen, gerät in Hinterhalte und verliert Gefechte. Letzten Endes drückt sich der Major gar vor seinem Kommando, indem er sich für einige Wochen einem Alkoholexzess hingibt und sich beinahe zu Tode säuft. Das persönliche Scheitern eines Dilettanten nutzt Peckinpah zur bemerkenswerten Demontage nationaler Mythen. Dabei verfährt er radikal, eine ehrenvolle Niederlage gibt es in "Sierra Charriba" nicht.
Die ungewöhnliche Geschichte der Jagd des Nordstaaten-Majors Dundee nach dem brandschatzenden Apachenhäuptling Sierra Charriba erinnert sowohl an John Fords Klassiker "Der Schwarze Falke" wie auch an Melvilles "Moby Dick". Dabei lässt Peckinpah so gut wie kein Motiv der Entstehungsgeschichte Amerikas aus: den mit zweifelhafter Vehemenz geführten Krieg gegen die Indianer, den klassischen Einwandererkonflikt zwischen Engländern und Iren, das Rassismusproblem und den Bürgerkrieg. Sie alle dienen Peckinpah als Hintergrund seiner sehr persönlichen Geschichte des Scheiterns. Der Film glänzt durch eine facettenreiche Darstellung seiner historisch verorteten, aber weit darüber hinausgehenden Inhalte. Die damals 23-jährige Senta Berger, die hier an der Seite von Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn und Mario Adorf ihren Hollywood- Einstand als Krankenschwester Teresa Santiago gibt, tritt in der zweiten Hälfte entscheidend in Erscheinung.
Die Columbia Studios hatten sich von der Auftragsproduktion wohl einen epischen Western mit versöhnlicher Botschaft erhofft. Dabei stand der Herstellungsprozess des Films von Anfang an unter einem schlechten Stern: Kurz vor Drehbeginn wurde das zunächst hohe Budget für den Film wesentlich gekürzt, Peckinpah besaß in Folge noch kein fertiges Drehbuch, und kreative Differenzen zwischen Regisseur, Produzent und Studio erschwerten die Arbeit. Zudem bereitete die aufwendige Logistik in Mexiko den Filmemachern zusätzliche Probleme und Kosten. Als das Studio Peckinpah schließlich mitten in der Produktion feuern wollte, sprang Charlton Heston zur Hilfe und verzichtete auf seine Gage. Trotz allem wurde Peckinpah der Film zunächst von Produzent Jerry Bresler und schlussendlich von Columbia im finalen Schnitt aus den Händen genommen.
Die inzwischen restaurierte Fassung entspricht in etwa der Fassung, die Bresler noch in halber Kooperation mit Peckinpah angefertigt hat, und schließt einige wesentliche Lücken der verstümmelten alten Kinofassung. Sie bildet die bis heute längstmögliche Version des Films.

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Sierra Charriba
Dienstag 17. Mai 2011 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Usa, 1964, 124mn)
ZDF

Erstellt: 09-05-11
Letzte Änderung: 12-05-11