Das große Fest zum 40-jährigen Bestehen des Labels ist ein Mammutprogramm: Die normale Modenschau muss organisiert werden und dazu ein Galadinner für 500 Gäste, bevor die 1.000 Journalisten, Redakteure und Modenschaugäste eintreffen. Das Sahnehäubchen: Nathalie Rykiel, Sonias Tochter, wartet mit einer Überraschung für ihre Mutter auf. Sie hat 30 berühmte Modedesigner aus aller Welt, darunter Giorgio Armani, Vivienne Westwood und Karl Lagerfeld, überzeugen können, ihre Sicht auf Sonia Rykiel mit einer eigenen Modekreation vorzustellen. Sonia Rykiel ahnt zwar, dass es eine Überraschung gibt, aber nichts davon, welcher Art die Hommage sein wird.
Warum machen Sie Mode?
Sonia Rykiel: Warum ich beschlossen habe, Mode zu machen?
Zuerst einmal habe ich das niemals beschlossen. Es ist wirklich ein Zufall, völlig ungeplant. Das ist einfach so gekommen, gewissermaßen ohne mein Zutun.
Eines Tages habe ich mir einen Pullover stricken lassen. Dieser Pullover kam auf das Cover der „Elle“ und ich wurde Welt-Strickkönigin, ohne selbst stricken zu können. Dann habe ich zehn Jahre lang so weitergemacht: mit Pullovern, mit einem Regenmantel, wenn es regnete, einem Abendkleid, wenn ich in die Oper gehen wollte, Umstandskleidung, wenn ich schwanger war. Und ich habe das selbst gemacht, weil ich etwas Besonderes sein wollte, weil ich mich von den anderen Frauen abheben wollte. Weil ich alles, was mich interessierte, überall außer in der Mode fand.
Die Mode war nie etwas für mich, das war immer etwas Nebensächliches, Falsches. Ich fing also an, meine eigenen Kleider zu entwerfen, und alles, was ich anzog, war genau das, was die Frauen wollten. Schließlich sagte ich, o.k., ich mache das. Und dann habe ich die Boutique in der Rue de Grenelle eröffnet. Nach fünf, sechs Jahren lief das so gut, hatte ich so viele Kundinnen, dass ich mich entscheiden musste, ob ich arbeiten wollte oder nicht. Denn ich sagte mir: Das ist doch nicht möglich, was wollen denn alle diese Frauen?
Ich verstand übrigens nicht, was sie interessierte, weil das doch etwas war, das ich eigens für mich machte, für eine Frau, die wirklich eher politisch, eher intellektuell und letztendlich gar nicht im Einklang mit der Mode war. Und genau das wollten die Frauen. Also beschloss ich: Entweder mache ich es, oder ich höre auf. Und ich beschloss, es zu machen. Das war mein Einstieg in die Modebranche.





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