Schriftgröße: + -
Home > Kultur > Vor der Show - Die Serie > Fendi (S. Fendi und K. Lagerfeld)

Vor der Show

Anprobe, Hektik, Tränen - was passiert in den letzten 48 Stunden vor einer Modenschau?

Vor der Show

Dienstag, 1. März um 21.10 Uhr - 23/02/11

Fendi ... Vor der Show

Sechsteilige Dokumentationsreihe von Loïc Prigent


Fendi ist das größte Pelzhaus der Welt und ein Symbol für italienischen Luxus. 1925 von Adele Fendi gegründet, gehört es seit 1999 zum französischen Luxusimperium LVMH. Seit über 40 Jahren leitet Designergenie Karl Lagerfeld, der eng mit der Familie Fendi zusammenarbeitet, das Unternehmen. Adele Fendis Enkelin Silvia führt die Accessoireabteilung. Vor ein paar Jahren entwarf sie die Baguettetasche, die seitdem über eine Million Mal verkauft wurde.
Der Film zeigt das kreative Durcheinander aus Stress, Genie und Handwerkskunst, das die Entstehung der neuen Fendi-Kollektion begleitet, bis diese schließlich in einer aufwendigen Show in Mailand vorgeführt wird.

zurück vorwärts

Warum machen Sie Mode?


Silvia Fendi: Ich bin in die Mode hineingeboren worden. Ich habe sie nicht gewählt, sie hat mich gewählt. Aber ich habe mir sehr lange diese Frage gestellt. Sie können sich ja vorstellen, dass es nicht einfach ist, damit aufzuwachsen und dann seinen Beruf daraus zu machen. Ich habe erst sehr spät begriffen, dass ich Mode mache, weil es mir gefällt. Das Neue hat mich schon immer fasziniert. Vielleicht wäre ich auch eine gute Ärztin geworden, aber sicher eine Avantgarde-Ärztin!

Karl Lagerfeld: Ich habe nie etwas anderes gemacht. Fragen Sie eine Nutte, warum sie anschaffen geht. Weil es sich so ergeben hat, aufgrund bestimmter Umstände.
Keine Ahnung, es gefällt mir, es passt zu mir, ich liebe die Veränderung. Ich zerstöre gern etwas, um es dann wieder aufzubauen. Ich bin ein Söldner, ich ticke ähnlich wie ein Söldner und finde das sehr gut. An der Mode liebe ich genau das, was die Leute ihr vorwerfen. Vermutlich entspricht es meinem Wesen. Ich bin vollkommen glücklich. Und fragen Sie mich bloß nicht nach dem Künstlertum! Ich bin einfach jemand, der Kollektionen macht.

Und ich bin sehr froh, dass ich es unter ziemlich außergewöhnlichen Bedingungen, im Zustand völliger Schwerelosigkeit machen kann: ohne Budgetdiskussionen, ohne Marketing, ohne Meetings. All das gibt es bei mir nicht. Ich arbeite gewissermaßen unbewusst, und das ist ein echter Luxus. Sie haben mich gefragt, was Luxus sei. Genau das! Luxus bedeutet, sich nicht mit einem langweiligen Job abzuschinden und seine Tätigkeit frei zu wählen. Ich bin durchaus bereit, 24 Stunden am Stück zu arbeiten, wenn ich das selbst so entscheide. Sonst habe ich keine große Lust. Ich habe keinerlei Pflichtgefühl, ich habe nur ein Lustgefühl. Ich habe auch keine Verantwortung. Aber gleichzeitig möchte ich trotzdem, dass es klappt, dass die Leute ihr Brot verdienen und dass alles gut läuft. Ich fahre beispielsweise nicht mitten bei der Vorbereitung der neuen Kollektion zum Wintersport und riskiere, mir da ein Bein zu brechen. Ich muss auf mich aufpassen, da man mir etwas anvertraut, zu dem ich stehe. So simpel ist das, das versteht sich von selbst.

Auf jeden Fall bin ich durch einen Zufall zur Mode gekommen. Ich hatte einen Zeichenwettbewerb gewonnen, bei dem es 200 Konkurrenten an der Schule gab, eine Amateurgeschichte. Balmain war der Modeschöpfer des Kleides und er fragte mich, was ich mache. Ich verschwieg ihm, dass ich noch Schüler war, und er fragte mich, ob ich nicht in seinem Studio arbeiten wolle. So habe ich angefangen. Als ich in dieses Zeichenstudio eintrat, waren da fünf Zeichner. Man nannte sie damals nicht Stylisten, sondern Modezeichner. Denn die Modeschöpfer drapierten, zeichneten aber nicht. Ich konnte gut zeichnen. Mit mir waren wir dann sechs. Nach einem halben Jahr wurden unsere Verträge verlängert und ich war der Chef. Ich glaube nur an den Zufall, aber wenn man ihn richtig nutzen will, bringt er auch Verpflichtungen mit sich.

Loic Prigent: Ist das nicht das Talent?

Karl Lagerfeld: Ja, natürlich, aber das allein genügt nicht. Denn wenn man etwas nur über Intrigen oder übers Bett erreicht, ist das nicht von Dauer. Das war nie mein Ding. Ich habe immer auf die Arbeit gesetzt. Ich arbeite mehr als die anderen, um ihnen zu zeigen, dass sie überflüssig sind.
.........................
Vor der Show
Sechsteilige Dokumentationsreihe, Frankreich 2009, ARTE, Erstausstrahlung
Regie: Loïc Prigent

Fendi ... vor der Show
Samstag 2. März 2013 um 22.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE

Erstellt: 29-12-09
Letzte Änderung: 23-02-11