Steampunks, oder auf Deutsch: Punks unter Dampf. Punk, wegen ihrer anarchistischen Do it yourself-Mentalität, und Dampf, weil sie verrückt nach dem Zeitalter der Dampfmaschinen sind. An Bord von viktorianischen Häusern auf Rädern oder Raketen à la Jules Verne, schreiben die Steampunks die Geschichte neu. Steampunks träumen von einer Zukunft unter Dampf, wie sie in ihren Kindheitserinnerungen weiterlebt. Eine Welt, in der alles möglich ist, wie der Film “Chitty Chitty Bang Bang“ von 1968 zeigt. Der Brite Roald Dahl, Autor von “Charlie und die Schokoladenfabrik“, schrieb das Drehbuch zu diesem retrofuturitischen Märchen.
Steampunk ist immer und überall. In der Serie “Verrückter wilder Westen“ verkörpert Robert Conrad in den Sechzigern einen James Bond zu Pferde, gepimpt mit jeder Menge Geheimwaffen, und wird so zum ersten Western-Science-Fiction-Helden. Aber auch im Far-East wird Dampf gemacht, wie Katsuhiro Otomo, der japanische Zeichner des Mangas “Akira“ 2004 mit seinem Trickfilm “Steamboy“ beweist. Was sie alle verbindet, ist die Uchronie. Das Schaffen einer alternativen Weltgeschichte von einem Punkt in der Vergangenheit. Das Jahr 0 der Steampunks wird von der Erfindung der Dampfmaschine mit Kolben und Zahnrädern eingeläutet.
Die Bibel der Dampf-Anarchisten stammt aus der Feder von Jules Verne, der im 19. Jahrhunderts fantastische Expeditionsromane schreibt. Doch der Begriff “Steampunk“ wird erst 1987 vom amerikanischen Autor K.W. Jeter erfunden und steht für eine Utopie, in der weder Verbrennungsmotor noch Computertechnik jemals existiert haben. Die Steampunks haben sogar ihr eigenes Treffen in San Francisco, die „New Albion Convention“, die nach der Westküste zur Zeit ihrer Entdeckung 1579 benannt wurde. Hier darf jeder zeigen, was er ausgetüftelt hat. Ein Wochenende lang bringen uns über 500 Aussteller mit ihren Erfindungen zum Staunen.
In der Reportage zu sehen
Einen Steinwurf entfernt von der University Of California in Berkeley das Steampunk-Schlaraffenland von Shannon O‘Hare. Im wahren Leben Zimmermann, nennt er sich lieber "Major Catastrophe", seines Zeichens Zeitmaschinen-Erfinder.Der Erfinder des Steampunk-Elektroschockgeräts, Jake Von Slatt, ist einer der wichtigsten Theoretiker der Bewegung. Wenn er nicht gerade am Schrauben ist, verkündet er seine frohe Botschaft. Der Informatiker Jake Von Slatt trimmt in seiner Bostoner Garage iPods, Gitarrenverstärker oder PCs auf alt. Bei den Steampunks ersetzt Kupfer Plastik und verdecken Zahnräder die Platinen.
Bei Kinetic Steamworks wird Zukunftsmusik rückwärts gespielt. Seit vier Jahren ist man in der Werkstatt des Kollektivs in Oakland fleißig damit beschäftigt, Traktoren und Loks unter Dampf zu setzen. Chefhandwerker Zachary Rukstela hat seine gesamten Toningenieur-Einkünfte in das Kollektiv gesteckt. Zu den Erfindungen von Kinetic Steamworks gehört auch dieses Baumhaus im Metallwipfel, oder der Tausendrad-Dampfer.
Ausstellung
SteampunkMuseum of the History of Science at the University of Oxford
bis zum 21. Februar 2010







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