
Die Menschen geben nicht auf. Sie glauben daran, dass hier ihre Heimat ist und bleiben. Sie trotzen der täglichen Gefahr durch einen erneuten Ausbruch, der Asche und dem sauren Regen, der alles zerstört.
Das Gefährlichste?
Ich habe einen Ausbruch erlebt, als ich alleine auf dem Vulkan war.
Ich lief im Licht der Nachmittags-Sonne los: Die Fumarolen („Atemlöcher“ des Vulkans) dampften, Schwefel färbte den Boden gelb, Aschepartikel funkelten im Licht, um mich herum stieg Wasserdampf empor- es war eine unwirkliche Stimmung. Nach 1 Stunde Aufstieg erreichte ich den Kraterrand. Unter mir zischte, dampfte, brodelte es. Als würde der Teufel unten sitzen und seinen Kessel umrühren. DAS ist für mich Glück, ein Moment der absoluten Freiheit. Die untergehende Sonne färbte das Meer erst schwefelgelb, dann magmarot, dann schwarz, wie erkaltete Lava. Mit dem Verschwinden der Sonne erschienen die Farben am Vulkan. Wie jeden Abend legte sich langsam der Passatwind, und der Dampf im Kraterinnern verzog sich. Jetzt - die Lava war erkennbar!
Je dunkler es wurde, desto besser konnte man die glühenden Schlote sehen. Um mich herum versank die Welt, ich war am fotografieren und merkte nicht, dass sich direkt unter mir ein neür Schlot auftat. Erst als er explodierte, und mir die glühend heissen Brocken um die Ohren flugen, realisierte ich die Gefahr. Zürst wollte ich den einzelnen Lavabomben noch ausweichen. Schliesslich habe ich gelernt, dass man im Bombenregen immer nach oben schaün muss, damit man sieht, aus welcher Richtung die Brocken kommen und so ausweichen kann. Doch es waren zu viele, und so rannte ich einfach nur so schnell ich konnte und hoffte auf mein Glück. Das war –glücklicherweise- zur Stelle!
Ich verbringe Tage lang am Vulkan, in der Asche, im Staub, lebe mit den Menschen, um ein Gespühr für ihren Alltag zu bekommen.Das Schönste?
Ein Ausbruch. Ich war auf einer Landzunge gegenüber des Vulkans, als es dunkel wurde und man Lavabomben sehen konnte, die der Vulkan ausschleuderte. Zürst waren die Ausbrüche klein, im Laufe der Nacht wurden sie immer stärker, und die Abstände der Explosionen immer kürzer, bis ein Feürwerk von Lavafontainen ohne Unterlass hunderte von Metern hoch in den Himmel spritzte. Das Schauspiel daürte die ganze Nacht.
Das Traurigste?
Das Husten der Kinder und die Atemprobleme der älteren Leute.
Gefährlich, als Frau alleine unterwegs?
Bedingt. Ich versuche, meine Risiken zu kalkulieren und schaffe das meistens auch gut. Aber mit bestimmten Dingen muss man immer rechnen, das gehört zum Beruf dazu. Doch ich weiss mich zu wehren!
Wie sehen Ihre Aufenthalte aus?
Ich verbringe Tage lang am Vulkan, in der Asche, im Staub, lebe mit den Menschen, um ein Gespühr für ihren Alltag zu bekommen. Ich campe liebend gerne am Fusse des Vulkans, um noch näher am Geschen „dran“ zu sein.
Oft verbringe ich mehrere Wochen vor Ort.
Wie reden sie mit den Menschen?
Mi save toktok sampla tok ples, no kam woris, em olrait.
Ich kann zum Glück Pidgin, die offizielle Sprache von Papua Neuguinea.
Camping am Vulkan- nur etwas für Gefahrensucher?
Nein, es ist wichtig, um den Vulkan kennenzulernen, seine Tagesform zu sehen. Und ich geniesse es, den Atem der Erde zu spüren, zu merken, dass ich ganz klein bin und die Natur so gewaltig. Jede Sekunde kann es vorbei sein.
Geht Kamera-Equipment kaputt?
Na klar, trotz aller Vorsichtsmassnahmen. Nun möchte mir schon die 4. Versicherung kündigen.

Ulla Lohmann
Ihre Fotos erscheinen in GEO, National Geographic, Stern View, bei BBC... und werden international auf renommierten Festivals ausgestellt.
Im Fernsehen nimmt Ulla ihre Zuschaür mit auf abenteürliche Reise zu aktiven Vulkanen, zu Urvölkern oder in das Dschungeldickicht, um neü Tierarten zu entdecken.
Sie klettert, taucht, segelt, surft, fährt Snowboard und Motorrad, und hat ihr Klappmesser aus Titanium Stahl überall dabei (auch wenn es nur dazu dient, die Fingernägel sauberzumachen).
Schon mit ihren Eltern, beide Lehrer, reiste sie viel in Europa, doch 1996 veränderte ein Jugend forscht Bundessieg Ulla’s Reiseziele. Mit dem Preisgeld finanzierte sie sich ein Weltreise, und steckte sich dabei mit einem unheilbaren Virus an... die Lust am Entdecken!

Helm, Gasmaske, ausfürhliche Beobachtungen und Auswerten von seismischen Daten gehören für mich zum Berufsalltag.
Arbeiten Sie mit Wissenschaftler?
Ja. Ich habe Geografie studiert und stehe in gutem Kontakt zu dem vulkanologischen Observatorium vor Ort. Den Vulkan zu verstehen ist eine Art Lebensversicherung- doch man kann ihn nie ganz verstehen!
Höhepunkt Ihrer fotografischen Arbeit vor Ort?
Die Bilder wurden beim dem bekanntesten und grössten Festival für Fotojournlisten, dem „Visa pour l’Image“ ausgestellt. Daraufhin entdeckte GEO meine Bilder und ich durfte für „Das Grüne Heft“ eine Reportage fotografieren, die im Sommer in GEO veröffentlicht wird.
Wann gedenken Sie, ihre Arbeit in Rabaul abzuschliessen?
Nie!! Das ist das Schöne bei Vulkanen, es bleibt immer spannend. Nach so vielen Jahren habe ich ausserdem viele Freunde vor Ort gewonnen, man kann schon sagen, dass ich Teil der Gemeinschaft geworden bin und kehre immer wieder gerne zurück.
Was haben Sie gelernt?
Die Menschen beeindrucken mich, denn sie sind trotz negativen Dingen immer positiv, und haben eine sehr starke Heimatverbundenheit, an der ich mir ein Beispiel nehme.
Was ist Ihre Motivation, ihr Antrieb für ihre Arbeit in Vulkangebieten?
Seit dem ersten Mal, als ich 1999 in einen aktiven Vulkanschlot geblickt habe, und das erste Mal den heissen Atem der Erde spüren, die stechenden Schwefelgase riechen und das Zischen des wogenden Magmas sehen durfte, fasziniert mich die Urgewalt, die von Vulkanen ausgeht. So entstand die Grundlage für unser Leben heute! Wenn ich am Kraterrand stehe, fühle ich mich ganz klein, und realisiere, dass wir Menschen ein Nichts im Angesicht der Kraft der Natur sind. Gleichzeitig bin ich aber auch stolz, es geschafft zu haben, diesen unwirklichen Fleck der Erde erreicht zu haben, und fotografieren zu können.
Meine allergrösste Bewunderung gilt den Menschen, die in Vulkangebieten leben. Sie wohnen auf einem Pulverfass, ihre Welt kann jede Sekunde in Schutt und Rauch verschwinden. Viele Urvölker haben einen starken Glauben und magische Rituale entwickelt, die mich fesseln und denen ich meine fotografische Arbeit widme.
Wie haben Sie Ihren Blick für Bilder gelernt?
Durch sehr viel fotografieren und sehr gute Lehrmeister. Mein Opa schenkte mir, als ich 8 Jahre war, meine erste Kamera. Mit 18 Jahren machte ich eine einjährige Weltreise, über die ich regelmässig Berichte und Fotos in einem lokalen Magazin veröffentlichte. Als ich mit 21 Jahren einem Team von National Geographic bei einer Expedition assistieren durfe, war mein Berufsziel klar. Doch der Weg dort hin war lang und steinig.
Was hat sich seit ihren ersten Besuchen und heute geändert?
Mein erster Besuch war 2001, sechs Jahre nach dem zerstörerischen Ausbruch.
Die Menschen hatten ihre Haüser, soweit es möglich war, wieder aufgebaut und lebten von ihren Gärten. Die Gegend um Rabaul herum war grün und man konnte das Südsee-Paradies erahnen, dass es hier früher gegeben hat.
Die Menschen waren voller Hoffnung. Doch im Laufe der Jahre fiel immer mehr Asche, und der Vulkan verwandelte die Gegend abermals in eine apokalyptische Landschaft, die bis heute geblieben ist.
Wie verstehen die Menschen vor Ort ihre Arbeit als Photographin?
Meine regelmässigen Besuche sind immer Anlass zu grosser Freude. Auf der vorgelagerten Insel Matupit kennt mich jedes Kind bei Namen. Ich besuche auch oft die lokale Schule, stifte Schulmaterialien und habe auch schon Trinkwasser mit einem Tanklaster auf die Insel bringen lassen. Das Trinkwasser dort ist aufgrund des sauren Regens ungeniessbar. Mir ist es wichtig, dass ich nicht nur dort bin, um zu fotografieren, sondern möchte mit den Menschen teilen und ihnen auch etwas zurückgeben. Bei meinem letzten Besuch wurde mir eine grosse Ehre zuteil: Man bat mich, bei einer Beerdigung eine Ansprache zu halten.
Inwiefern nutzt die Message, die sie weitergeben, der örtlichen Bevölkerung?
Die Politiker vor Ort sind sehr korrupt. Schon seit dem Ausbruch soll eine Umsiedlung der Menschen, die auf Matupit leben, stattfinden- doch auf 15 Jahre später ist noch nichts passiert!
Mit meinen Bildern und Berichten in internationalen Medien hoffe ich, diese Menschen zum Handeln zu bewegen. Ein klein wenig ist schon passiert!







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