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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

Filmfestival

Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Perspektive Deutsches Kino - 01/09/08

Drifter

Ein Film von Sebastian Heidinger


Sebastian Heidinger stellt in seinem Abschlussfilm an der Film- und Fernsehakademie Berlin im Rahmen der ‚Perspektive Deutsches Kino’ die nächste Generation der „Kinder vom Bahnhof Zoo“ vor.

Regisseur Sebastian Heidinger und Produzent Nils Boekamp
Synopsis: Aileen (16), Angel (23) und Daniel (25) führen im Dunstkreis des Berliner Bahnhof Zoo ein monotones Leben zwischen Heroin, Prostitution und Notunterkünften.

Im Gespräch mit Regisseur Sebastian Heidinger und Produzent Nils Boekamp


Kritik: Angesichts vieler gut gemeinter, aber an der Kitschfalle gescheiterter Betroffenheitsfilme zum Thema ‚jugendliche Drogensucht’ im Fahrwasser von „Christiane F.“ erfordert es gerade im Falle eines jungen Filmhochschulabsolventen großen Mut, um sich an ein hinlänglich bekanntes, von Redakteuren mit allergischem Stöhnen begleitetes Sujet heranzuwagen. Doch Sebastian Heidinger gelingt es, mit seiner an das „Direct-Cinema“ angelehnten Erzählweise unaufdringlich – ohne jeglichen psychologisierenden Kommentar und ausschließlich beschränkt auf den Lebens- und Erfahrungshorizont seiner Akteure - in die Lebens- und Gedankenwelt der heutigen Drogenstrichergeneration um den Bahnhof Zoo einzutauchen und uns so völlig neue Einblicke zu ermöglichen.

Seine drei Protagonisten berühren einen gerade deshalb, weil nichts über die Misere ihres lebensgeschichtlichen Hintergrundes bekannt wird, keine Erklärungen für den Absturz an den Rand der Gesellschaft gesucht, keine Vergleiche zu den Vorgängergenerationen der Junkies am Bahnhof Zoo gezogen werden. Stoisch, ohne Jammern und ohne Illusionen auf eine bessere Zukunft entfalten die 16-jährige Aileen und ihre beiden Freunde Angel und Daniel vor unseren Augen ihr Leben. Darin geht es so gleichförmig und unaufgeregt zu wie bei jedem Normalbürger: anschaffen, fixen, essen, schlafen – das Ganze begleitet von sozialer Fürsorge und unter medizinischer Aufsicht. Anders als die amerikanischen „Drifters“ des New Hollywood der 60er und 70er Jahre, auf die Heidinger Filmtitel anspielt, gibt es hier keinen hoffnungsvollen Ausbruch mehr aus gesellschaftlichen Zwängen. Im Gegenteil: Erst der erfolgreiche Entzug in der Klinik macht die erhoffte Reintegration in die Gesellschaft möglich. Am Bahnhof Zoo ist das Ende jeder Fluchtfantasien erreicht.

Anstatt die Tragödie der Prostitution zu unterstreichen, bietet der Film einen nüchternen, teilweise sogar komischen Blick auf den Alltag jugendlichen Stricher im Zeitalter des globalisierten Kapitalismus – die ausländische Konkurrenz mache die Preise kaputt, was vor allem die Freier dazu bringt, absurde Ansprüche zu stellen – eine Tatsache, über die sich Daniel mit seiner Kumpelfreundin Aileen mehr amüsieren, als aufregen mag. Es ist vor allem der hartnäckig-autistische Blick auf seine „Helden“, der „Drifter“ zu einem besonders zärtlichen Film macht. So zeitlupenartig die Tagesabläufe der Fixer, so beharrlich auch das Hinschauen der Kamera. Wie im Falle von Angel, der sich auf der Bezahltoilette routiniert den Schuss setzt, bis ihn die Automatikstimme zum Verlassen derselben auffordert. Wie bei Daniel, dessen Waschzwang und Ordnungwahn sich minutenlang vor unseren Augen entfaltet und etwas unerhört Anrührendes hat. Oder wie im Falle von Aileen, die mit ihrem dem Heroin geschuldeten Schlafzimmerblick aussieht wie eine somnambule Märtyrerin, die stellvertretend für eine ganze Stadt die Strapazen des menschlichen Daseins auf ihre Schultern geladen hat.

Martin Rosefeldt
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Drifter
Ein Film von Sebastian Heidinger
BRD, 2007, 82’
Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 Perspektive Deutsches Kino

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08