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Freitag, 24. Juni 2005 um 20.45 Uhr - 23/06/05

David Kelly - Der Waffeninspekteur

Brisanter britischer Fernsehfilm um den mysteriösen Selbstmord des Waffenexperten David Kelly

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Vor dem Beginn des letzten Irak-Krieges gab die britische Regierung Geheimdienstinformationen heraus, nach denen Saddam Hussein innerhalb von 45 Minuten zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen in der Lage sei. Als nach dem Krieg ein von der BBC zitierter Experte dieses Argument für den Krieg angeblich anzweifelt, jagt die Presse nach dem Namen der Quelle. Der Waffenfachmann Dr. David Kelly gerät in die Schusslinie zwischen der in die Krise geratenen Regierung von Tony Blair und der unter Druck gesetzten BBC.

Im September 2002 beschließen die USA gemeinsam mit Großbritannien, den Irak anzugreifen. Der britische Premierminister Tony Blair verspricht, einen Bericht zu veröffentlichen, der beweisen soll, dass Saddam Hussein eine Politik der Wiederaufrüstung betreibt, mit der er England und die Welt bedroht.

Doch die Experten, darunter David Kelly, konnten die Existenz von Massenvernichtungswaffen nie beweisen. In Zeiten, da die Öffentlichkeit sich immer massiver gegen einen Krieg gegen den Irak stellt, fühlt sich die britische Regierung gedrängt, den Bericht der Experten mit einer Information aufzubauschen, die nie bestätigt wurde: Der Irak habe die Mittel, ein Land in weniger als 45 Minuten anzugreifen. Die Medien, insbesondere der englische Nachrichtensender BBC, betreiben Nachforschungen über die Wahrheit dieser Information. Im Zuge der Recherchen führen die Journalisten der BBC auch Gespräche mit dem Waffenexperten David Kelly, der gegenüber Andrew Gilligan, dem Korrespondenten der BBC beim Verteidigungsministerium, erwähnt, dass der Bericht von der Regierung "sexier" gemacht wurde - ein Skandal! Zwischen Blairs Kabinett und der BBC entbrennt ein erbitterter Kampf, dessen erstes Opfer David Kelly ist.

Mit seinem neuen Film um den Selbstmord des Waffenexperten David Kelly stellt Peter Kosminsky wieder einmal die Frage nach Wahrheit und Lüge in der Politik, nach Meinungsmache und nach dem Vertrauen, das die Menschen noch in die Politik haben können. Für den engagierten Dokumentaristen, der Kosminsky lange war, ist inzwischen die Fiktion zum geeigneten Mittel geworden, ein breites Publikum zu erreichen und es zum Nachdenken anzuregen: "Die Hauptfigur David Kelly war nicht mehr da. Er war ein verschwiegener Mann und er hat sein Geheimnis mit sich ins Grab genommen. Die beste Art, das Thema zu behandeln, war die Fiktion. Mit all ihren Techniken hält die Fiktion ihre eigene illustrative Kraft bereit."


Regisseur Peter Kosminsky begann seine Karriere bei der BBC, wo er zahlreiche Kriegsdokumentationen drehte, bevor er sich 1992 mit "Stürmische Leidenschaft" dem Spielfilm zuwandte. In seinen folgenden Filmen bezog Kosminsky sich jedoch immer wieder auf wahre Begebenheiten, wie in "Die Ernte der Gier" (1992) und "Gestohlene Kindheit" (1997), für den er 1997 den Grand Jury-Preis beim Internationalen Filmfestival in Los Angeles und 1998 den Grand Prix in Genf und den britischen BAFTA-Preis gewann.

1999 realisierte Kosminsky "Warriors - Einsatz in Bosnien", der sich mit dem Einsatz eines britischen Blauhelmregiments 1992 in Bosnien beschäftigt und für den er 2000 den britischen BAFTA-Preis, den goldenen FIPA-Preis in Biarritz und den Goldenen Nymphen beim Monte Carlo-Filmfestival erhielt. 2002 entstand unter seiner Regie "Projekt Machtwechsel", in dem Kosminsky den Weg von vier jungen Labour-Aktivisten ins Herz der Macht in Westminster beschreibt. 2005 erhielt Kosminsky in Biarritz den Ehrenpreis des Internationalen Fernsehfestivals FIPA.

Marc Rylance, der die komplexe Figur des Waffenexperten Kelly verkörpert, war in Deutschland in der Shakespeare-Adaption "Prosperos Bücher" (1991, Regie: Peter Greenaway) zu sehen und 1995 in "Engel und Insekten" (Regie: Philip Haas).







Jonathan Cake, der als Alistair Campbell, der inzwischen zurückgetretene Kommunikationsdirektor Tony Blairs, eine beeindruckende Leistung zeigt, war in Deutschland in "Der erste Ritter" (1995, Regie: Gerry Zucker) an der Seite von Sean Connery und Richard Gere zu sehen. Außerdem spielte er in "Honest - beinahe ehrlich" (2000, Regie: David A. Stewart) und "Riverworld - Welt ohne Ende" (2003, Regie: Kari Skogland).



Geraldine Alexander stand, in der Rolle von Kellys Ehefrau Janice, 1995 für "Poppy" (Regie: James Cellan Jones) vor der Kamera und spielte 2001 in der Literaturverfilmung "Die Entdeckung des Himmels" (Regie: Jeroen Krabbé) nach dem gleichnamigen Roman von Harry Mulisch.


Freitag, 24. Juni 2005, um 20.45 Uhr
David Kelly - Der Waffeninspekteur (David Kelly)
Großbritannien 2004, ARTE F, Synchronfassung, Erstausstrahlung, 16:9 / 106 Min.
Regie: Peter Kosminsky, Drehbuch: Peter Kosminsky,
Kamera: David Higgs, Schnitt: David Blackmore; Ton: Simon Clark, Produktion: Mentorn, Produzent: David Aukin

Mit: Marc Rylance (David Kelly), Jonathan Cake (Alistair Campbell), Geraldine Alexander (Janice), Barnaby Kay (Tom Kelly), Darren Morfitt (Daniel Pruce), Daniel Ryan (Andrew Gilligan), Emma Fielding (Susan Watts), James Larkin (Tony Blair), Richard Hope (Richard Sambrook), Jonathan Aris (Brian Wells), Nasasha Behar (Nan), Shaughan Seymour (Richard Ottaway)

Erstellt: 31-05-05
Letzte Änderung: 23-06-05