mit: Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara …
Cannes 2007 - Eröffnungsfilm "Quinzaine des Réalisateurs"
Synopsis: Ein Film über Leben und Tod des Sängers Ian Curtis von der legendären britischen Rockband Joy Division aus den 70er-Jahren. Besessen von seinen Dämonen und hin- und hergerissen zwischen Familienleben, zunehmendem Ruhm und seiner Liebe zu einer anderen Frau, nahm sich Ian Curtis am 18. Mai 1980, unmittelbar vor der mit Spannung erwarteten USA-Tournee der Band, das Leben. Ohne es zu wollen und ohne es zu wissen, hat Ian Curtis den Rock verändert.
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Sam Riley über seine Rolle
Anton Corbijn über seinen Film
Die ARTE Kultur Reportage sehenKritik: Der Film „Control“ von Anton Corbijn ist ein gewagtes Unterfangen, das versucht, dem Mythos um Ian Curtis von der Gruppe Joy Division, die sich nach dem Selbstmord des Sängers New Order nannte, eine Gestalt und eine Seele zu geben. Im Mittelpunkt steht das Leben jenes Mannes, das am Ende wie ein durchsichtiger, harter und kalter Kristall an seinem eigenen Herzen zerbricht wie die nach zerspringendem Glas klingenden Syntheziser-Klänge in „Don’t walk away, in silence“. Der Film basiert auf den Memoiren von Deborah Curtis „Touching from a distance“, der sich damit allen erfundenen Legenden verwehrt und der Klarheit und den Brüchen der Cold Wave treu bleibt, für die die Gruppe wie keine andere stand. Der Film ist nicht so depressiv-abstrakt wie Gus Van Sants „Last Days“ über Curt Kobain und weit entfernt von der halluzinationsartigen Atmosphäre in „The Doors“ von Oliver Stone. Gestochen scharf wird hier das Bild des post-industriellen Manchester gezeigt, dessen wirtschaftlicher Aufstieg längst vergessen ist und wo in den 80er-Jahren voller Kraft und kurzlebiger Energie die faszinierendsten Auswüchse des Rocks wucherten. Kein Besserer war geeignet, diesen Moment einzufangen, als der Fotograf Anton Corbijn, der zuvor die Cover von U2 oder Depeche Mode gemacht und Videos für New Order, Nirvana, Coldplay, die Red Hot Chili Peppers und Johnny Cash gedreht hatte...
Auf durch und durch moderne Art und Weise und frei von Zugeständnissen folgt er mit gewisser Distanz den Spuren Ian Curtis’ und erweist dem Texter (man kann ihn auch ohne weiteres Dichter nennen) seine Ehre (die Songs sind untertitelt). Ein Film von manchmal geradezu klinischer Nüchternheit, der, ähnlich wie bei Buster Keaton, die Schönheit eines Badezimmers besitzt und vom Schatten der porzellanartigen Melancholie des Alltags überzogen ist. Sam Riley (der auch Mark E Smith von The Fall in „24 Hour Party People“ spielte) verkörpert Ian Curtis mit frappierender Ähnlichkeit, verzehrt vom inneren Feuer und von Kompromissen zerrissen.
Ian Curtis durchlebte zwei Martyrien gleichzeitig: zum einen seine Liebesaffären und das Hin-und-her-Gerissen-Sein zwischen Annik und seiner Frau Debbie, über die er sang, als gehe es um Leben und Tod: „Love… Love will tear us apart. Again.“ Und zum anderen die Epilepsie, jene Krankheit, die ihn dem Fürsten aus Dostojewskis „Der Idiot“ so ähnlich machte, die ihn zum Sklaven seiner Anfälle und einer ihn sich selbst entfremdenden medizinischen Behandlung werden ließ. Er hatte keine Kontrolle mehr. Wie in einem Walzerrhythmus wechselten sich potentiell tödliche Anfälle mit der angstvollen Ruhe vor der nächsten Krise ab. Manchmal ereilte ihn der Hieb dieses Damoklesschwertes auf der Bühne und damit in jenen Momenten, in denen er wie nackt und am verletzlichsten war. Anton Corbijn zeigt die Genese jener Musik mit ihrer magnetischen Anziehungskraft, jener elektrischen Wellen, die bis heute Vorbild für die neuen Generationen sind, und zeichnet das Bild einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die sich nicht vom trügerischen Bild des Ruhmes blenden ließ und von seiner Liebe zerrissen wurde. Hinter diesem schmerzlichen und letztlich ausweglosen Zerrissensein verbarg sich der letzte und vielleicht verzweifeltste aller Romantiker. Dem Regisseur gelang es, der Kraft der Legenden zu widerstehen und den Mythos von allem äußeren Glanz zu befreien, um so dessen wahres Wesen offen zu legen. Delphine Valloire






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„Control“ ist ein radikales Biopic von nüchterner Schönheit über das Leben von Ian Curtis, dem Sänger der Gruppe Joy Division, und eine Hommage an dessen Genie.
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