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50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Als deutsch-französischer Sender ist ARTE ein wichtiger Bestandteil dieser einmaligen Freundschaft und feiert den 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags daher mit einem großen Sonderprogramm.

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50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Als deutsch-französischer Sender ist ARTE ein wichtiger Bestandteil dieser einmaligen Freundschaft und feiert den 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags daher mit (...)

50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

9. September 1962 - 50 Jahre - 28/09/12

Ludwigsburg: Merkel und Hollande erinnern an berühmte Rede von de Gaulle

Die Rede von de Gaulle am 22. September 1962 in Ludwigsburg gilt als wichtiger Schritt zur Aussöhnung von Deutschland und Frankreich, die sich zuvor mehrere blutige Kriege geliefert hatten. 17 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs würdigte der französische Staatspräsident damals die Deutschen als "großes Volk". Das deutsche Volk habe zwar "manchmal im Lauf seiner Geschichte große Fehler begangen", "aber auch der Welt geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen gespendet", so de Gaulle wörtlich.

De Gaulles Auftritt in Ludwigsburg war ein Gegenbesuch. Kurz zuvor, im Juli 1962, war der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Frankreich gereist. In der Kathedrale von Reims feierten er und de Gaulle am 8. Juli 1962 eine "Messe für den Frieden". Wenige Monate nach De Gaulles Rede in Ludwigsburg wurde dann am 22. Januar 1963 in Paris der deutsch-französische Freundschaftsvertrag unterzeichnet, der so genannte Elysée-Vertrag.

Diese historische Aussöhnung feiern Deutschland und Frankreich bis in den kommenden Sommer mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen. Höhepunkt ist ein Festakt am 22. Januar in Berlin.



Am 22. September in Ludwigsburg haben Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hollande an die historische Rede von Charles de Gaulle erinnert, die den Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg legte.

Mit einem Festakt am historischen Ort feiern Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande die deutsch-französische Freundschaft: Im baden-württembergischen Ludwigsburg empfing Merkel ihren Gast - im Hof des barocken Schlosses, wo vor 50 Jahren der damalige französische Präsident Charles de Gaulle seine historische Versöhnungsrede an die deutsche Jugend gehalten hatte.

"Seine Worte haben eine ganze Generation geprägt", würdigte Merkel de Gaulle. Hollande rief dazu auf, die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen. Europa müsse eine politische und soziale Union bilden und nicht nur im Finanz- und Bankensektor zusammenwachsen. "Es lebe die deutsch-französische Freundschaft", sagte Hollande auf Deutsch.

Der Staatsakt und die Reden




Historischer Kontext
September 1962: Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle ist der Einladung von Kanzler Konrad Adenauer gefolgt. Seinen sechstägigen Staatsbesuch beginnt er am 4. September in Bonn. Weitere Stationen sind Düsseldorf, Duisburg, Hamburg, München und Stuttgart. De Gaulles Deutschlandreise wird zum umjubelten Triumphzug und findet ihren krönenden Abschluss in Ludwigsburg. – Doch wie kam es dazu

Der Staatsbesuch des französischen Präsidenten de Gaulle in Ludwigsburg im September 1962 findet im Kontext einschneidender historischer Ereignisse auf europäischer und internationaler Ebene statt.

Auf internationaler Ebene verschärfen sich die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion während des Kalten Krieges: Der militärische Angriff der USA auf Kuba, die sogenannte "Schweinebucht-Invasion", als Maßnahme gegen Fidel Castros Revolutionen, im April 1961 führt zur Konfrontation der USA und der Sowjetunion während der Kubakrise im Oktober 1962. Im arabischen Raum akzeptiert Frankreich, mit der Unterzeichnung des Abkommens von Evian im März 1962, die Unabhängigkeit Algeriens.

Auf europäischer Ebene scheitern im April 1962 die Verhandlungen über den sogenannten Fouchet-Plan zur politischen Einigung Westeuropas, der auf die Initiative Frankreichs eine „organisierte Zusammenarbeit“ auf der Basis von regelmäßigen Regierungskontakten vorsah.

Das Scheitern des Fouchet-Plans eröffnet jedoch andere Wege der deutsch-französischen Annäherung. Am 22. Januar 1963 wird schließlich der "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit" unterschrieben. Der sogenannte Elysée-Vertrag beendet die Phase der deutsch-französischen Versöhnung und ebnet den Weg für eine Verständigung und später eine Freundschaft zwischen den zwei gleichwertigen Partnern Deutschland und Frankreich.


Transkription der Rede von Charles de Gaulle
Sie alle beglückwünsche ich! Ich beglückwünsche Sie zunächst jung zu sein.

Man braucht ja nur die Flamme in Ihren Augen zu beobachten, die Kraft Ihrer Kundgebungen zu hören, und bei einem jeden von Ihnen die Leidenschaftlichkeit und in Ihrer Gruppe den gesamten Umsprung mitzuerleben, um überzeugt zu sein, dass diese Begeisterung Sie zu den Meistern des Lebens und der Zukunft auserkoren hat.

Ich beglückwünsche Sie ferner, junge Deutsche zu sein, das heißt, das heißt, Kinder eines großen Volkes. Jawohl, eines großen Volkes, das manchmal, im Laufe seiner Geschichte große Fehler begangen hat. Ein Volk, das aber auch der Welt geistige, wissenschaftliche, künstlerische, philosophische Wellen gespendet hat, ein Volk ein Volk das über die Erzeugnisse ihrer Erkundigungskraft, ihrer Technik, seiner Technik und seiner Arbeit erreicht hat; ein Volk, das im friedlichen Werk wie auch in den Leiden des Krieges wahre Schätze an Mut, Disziplin und Organisation entfaltet hat. Das französische Volk weiß es voll zu würdigen, weil es auch weiß, was heißt, schaffensfreudig zu sein, zu geben und zu leiden.

Schließlich beglückwünsche ich Sie, die Jugend von heute zu sein. Im Augenblick, wo Sie ins Berufsleben treten, beginnt für die ganze Menschheit ein neues Leben. Angetrieben von einer dunklen Kraft, auf Grund eines unbekannten Gesetzes, unterliegen alle materiellen Dinge dieses Lebens, unterliegen der Erfindungskraft und der maschinellen Entwicklungen die alle Lebensbedingungen umwälzen.

Das Leben in dieser Welt ist jedoch voller Gefahren. Diese sind um so größer als, wie stets, der Einsatz ethisch und sozial ist. Es geht darum zu wissen, ob der Mensch in den Umwälzungen ein zu einem Sklaven in der Kollektivität werden wird, oder nicht; ob sein Los ist, von dem ungeheuren Ameisenhaufen angetrieben zu werden, oder nicht; oder ob er die materiellen Fortschritte beherrschen kann und will, um damit würdiger, freier und besser zu werden.

Darum geht es, darum geht es in der großen Auseinandersetzung in der Welt, die sie in zwei getrennte Lager aufspaltet, die von Völkern Deutschlands und Frankreichs erheischt, dass sie ihrem Ideal Treue halten, es mit ihrer Politik unterstützen, und es gegebenenfalls verteidigen, und kämpfend zum Sieg führen.

Diese jetzt dann ganz natürliche Solidarität zwischen unseren beiden Völkern müssen wir selbstverständlich organisieren. Das ist die Aufgabe der Regierung. Vor allem müssen wir aber ihr einen lebenden Inhalt zu geben, und das ist insbesondere die Aufgabe der Jugend..

Während unsere beiden Staaten die wirtschaftliche, politische, und kulturelle Zusammenarbeit fördern werden, sollte es Ihnen und der französischen Jugend obliegen, alle Kreise, bei Ihnen und bei uns dazu zu bestreben, engere Bande zu knüpfen, einander immer näher zu kommen, und besser, sich besser kennen zu lernen.

Die Zukunft, die Zukunft unserer beiden Völker, der Grundstein auf welchem die Einheit Europas gebaut kann und muss, die höchste Trumpf für die freie Welt, bleiben die gegenseitige Achtung, das Vertrauen und die Freundschaft zwischen dem französischen und dem deutschen Volk.


Quellen: AFP, Deutsch-Französisches Institut, SWR.



Erstellt: Fri Sep 07 00:00:00 CEST 2012
Letzte Änderung: Fri Sep 28 17:12:00 CEST 2012