Hören Sie hier das Interview mit Herrn Buscher.
Marduk Buscher:
"Das hab ich mir niemals träumen lassen, dass ich in dem Bereich, wo ich jetzt tätig bin, einmal arbeiten würde. Ich glaube, es ist ein generelles Problem, dass man heutzutage so flexibel sein muss. Man kann sich weder vornehmen, dass das jetzt der Traumberuf ist, noch kann man dem Traum nachhängen, dass man sein ganzes Leben lang in einem Beruf tätig ist. Man muss einfach schauen, was sich ergibt, wo Bedarf ist, was für Aufträge man bekommen kann. Zumindest als Freiberufler oder als Selbstständiger sollte man so denken. Aber ich glaube, dass heutzutage auch Angestellte ein hohes Maß an Flexibilität brauchen."
Sie stellen viele junge Menschen ein, welche Kompetenzen und Qualifikationen müssen diese Menschen mit sich bringen, worauf achten Sie da besonders?
Sehr wichtig, zum Beispiel, ist die kommunikative Kompetenz. Das heißt die Leute müssen sich im persönlichen Gespräch oder auch am Telefon ausdrücken und kundenorientiert denken können. Die Zeugnisse selber, sind natürlich auch wichtig. Die schauen wir uns auch an. Aber in der Regel geben diese nicht den Ausschlag, sondern das persönliche Gespräch ist viel wichtiger. Dazu kommt dann natürlich auch die praktische Erfahrung. Wenn es zum Beispiel darum geht, Fachinformatiker zur Ausbildung anzustellen. Da machen wir mittlerweile einen kleinen praktischen Test, weil wir festgestellt haben, dass es zwar viele junge Leute gibt, die sagen: „Ja ich kenne mich blendend aus mit Computern, ich kann das alles!“ Und wenn man sie dann vor einen aufgeschraubten Computer setzt und sagt, sie sollen die Festplatte austauschen, dann scheitern sie kläglich.
Sie haben vorhin von Zeugnissen gesprochen, gibt es Fächer, bei denen Sie besonders auf die Noten schauen?
Auch das hängt davon ab, für welchen Ausbildungsberuf sich die jungen Leute bewerben. Zum Beispiel Bewerber für den Beruf des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste: Von denen erwarte ich, dass sie im Deutschen eine gute Note haben, weil sie sehr häufig kleine Texte selber verfassen müssen. Und meistens reicht im Alltag die Zeit nicht, um das immer wieder zu korrigieren. Während bei den Fachinformatikern, gute Noten im naturwissenschaftlichen Bereich wichtig sind, oder ganz konkret im Fach Computerkunde, das an vielen Schulen angeboten wird.
Haben Sie persönlich das Gefühl, dass sich die Qualifikationen der Bewerber im Laufe Ihrer Arbeitszeit verändert haben und wenn ja, inwiefern?
Einen richtig repräsentativen Querschnitt habe ich natürlich nie kennen gelernt. Ich würde jetzt einfach einmal eine Kurve ziehen - von der Zeit als ich selber jung war bis heute, wo ich junge Menschen einstelle. Und da stelle ich in der Tat fest, dass die Grundfähigkeiten eines heutigen Schülers leider nicht denen von vor 20 Jahren entsprechen. Rechtschreibung und Grammatik sind für viele junge Leute wirklich Fremdbegriffe.
Denken Sie, dass man mit 16 Jahren, schon reif genug ist, um in das Berufsleben zu starten?
Wir haben schon einige Fälle gehabt, wo jüngere Leute bei uns als Aushilfen begonnen haben, die ganz erstaunliche Fähigkeiten mitgebracht und dann auch eine Ausbildung bei uns abgeschlossen haben und eine schöne Berufskarriere starten konnten. Das ist aber ganz unterschiedlich. Es gibt auch Gegenbeispiele, wo Leute mit 20 Jahren noch nicht die notwendige Reife mitbringen. Wahrscheinlich hängt das auch stark vom Elternhaus ab und wie sehr die jungen Leute früh gefordert und damit auch gefördert werden.
Worauf legen Sie bei einem Bewerbungsgespräch wert?
Es ist wichtig, dass die Bewerber ein gepflegtes Äußeres an den Tag legen. Aber wenn ein 16-jähriger sich für einen Ausbildungsplatz bewirbt, dann erwarte ich in der Regel nicht, dass er im Anzug und Seidenkrawatte kommt. Wenn das der Fall ist, habe ich immer gleich das Gefühl es stimmt etwas nicht, er will irgendetwas vertuschen oder lässt sich zu stark von seinen Eltern auf ein bestimmtes Bild hin trimmen. Und das ist für mich immer ein Signal, besonders darauf zu achten, was derjenige antwortet. Dann kommt es natürlich darauf an, dass er sich gut verkaufen kann, dass er einigermaßen von sich selber in ganzen Sätzen reden kann und dass er Erfahrung in dem Beruf mitbringt. Der Fachinformatiker sollte schon einmal einen Computer aufgeschraubt haben, bei irgendwelchen Netzwerkpartys mitgemacht haben, sie möglicherweise auch schon selber durchgeführt und organisiert haben. Das ist für uns ein Zeichen, dass sich jemand auch wirklich für dieses Berufsbild
interessiert. Das Zeugnis hat eine sekundäre Bedeutung. Es sollte jedoch im Schnitt nicht schlechter als 4,0 sein. Aber in der Regel sehen wir über einen Ausrutscher hinweg, wenn jemand in Sprachen nur eine 5,0 schafft, aber dafür in den spezifischen Fächern, sprich Computerkunde und Mathematik eine 1,0 hat. Die Ehrfahrung zeigt, dass das wirklich jemand ist, der sich für diesen Bereich interessiert und auch besonders geeignet ist.
Das Interview führten Kristina Hauseux, Katharina Rabolt, Cara Bitterwolf, Michael Frank aus der Klasse 10b, Pädagogium Baden-Baden (alle 16 Jahre alt).






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