„Opera Calling“ ist eine Aktion der !Mediengruppe Bitnik in Zusammenarbeit mit dem deutschen Künstler Sven König, die von März bis Juni 2007 in Zürich stattfand: Im Zürcher Opernhaus wurden Abhörmikrofone versteckt, die die Aufführungen live in einen Raum des berühmten Cabaret Voltaire, den Geburtsort des Dadaismus, übertrugen. Außerdem wählte ein Telefonserver nach dem Zufallsprinzip Zürcher Haushalte an und übertrug die Opern ebenfalls live per Telefon. Manche der Angerufenen legten sofort auf, andere jedoch hörten bis zum Ende zu.
Übrigens stellen die Initiatoren bei der Aussstellung „CyberArts09“ ihr Projekt in einem Videoclip vor. Vor einem schwarzen Bildschirm wird ein aufgezeichnetes Telefongespräch abgespielt: Eine Familie diskutiert über das Projekt (das in den Medien viel Aufmerksamkeit erregt hatte), hört eine Weile der Musik zu und legt dann auf.
„Opera Calling“ wurde anlässlich einer sechsmonatigen Ausstellung im Cabaret Voltaire entwickelt. Das Kollektiv nahm diese Ausstellung zum Anlass, sich verstärkt mit Praktiken und Methoden des „Hackings“ im Rahmen künstlerischer Aktionen zu befassen. Unter „Hacking“ versteht man die kreative Nutzung von Technologien außerhalb ihrer normalen Zweckbestimmung oder ihres üblichen Gebrauchs. Es wurden drei Phasen des „Hacking“-Vorgangs herausgearbeitet: Man macht sich die Technologie zu eigen (appropriate), nutzt sie (manipulate) und gibt ein Feedback darüber ab (feed back). In „Opera Calling“ demonstriert Bitnik, wie man sich ein neues Gebiet aneignet (appropriate).
Für die zweite Phase, „manipulate“, wurde im Internet das Projekt „Download Finished“ geschaffen, eine Schnittstelle, die dazu dient, aus online (in Peer-to-Peer-Networks, Online-Archiven u.ä.) verfügbaren Filmen neue Filme zu schaffen.
Und für die „feed back“-Phase schließlich hat Bitnik gemeinsam mit anderen Kollektiven (darunter die spanische Gruppe Platoniq) eine Reihe von Workshops veranstaltet, aus denen das Projekt „A Hack a Day“ hervorging. Dieses Projekt wird bis heute fortgeführt (derzeit läuft die zwölfte Ausgabe).
Mit „Opera Calling“, wollte Bitnik auf einen Missstand im öffentlichen Leben aufmerksam machen: In Zürich fließt ein Großteil (etwa 80 %) der öffentlichen Gelder im Kulturbereich in die Oper. Andererseits werden hohe Eintrittsgelder verlangt (und bisher wurde nichts unternommen, um diese Kunstsparte einem breiten Publikum zugänglich zu machen); zudem sind die Zürcher Opernproduktionen sehr konservativ. Das Projekt wurde in den Medien viel beachtet: In der Öffentlichkeit kam es sehr gut an, während man seitens des Opernhauses versucht hat, die „Wanzen“ zu entfernen und so die Aktion zu beenden. Um die Erfahrungen mit dem Projekt über die eigentliche Performance hinaus anderen zugänglich zu machen, hat Bitnik einen „How-To“-Leitfaden mit Durchführungsanweisungen erstellt. Hiermit lehnt sich das Kollektiv an die „How-to-Guides“ für freie Software an, verweist jedoch auch auf die Konzeptkunst, bei der die Kunstwerke mit Hilfe von Beschreibungen zugleich geschaffen und in Umlauf gebracht werden. Anhand der Anleitung für „Opera Calling“ kann jeder, der dies wünscht, eine ähnliche Performance initiieren.
Die sieben Mitglieder der !Mediengruppe Bitnik setzen ihre künstlerischen Hacking-Aktionen fort und befassen sich derzeit mit den Themen Urban Strolling und Schmarotzertum.
Interview von Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo
Die Installation "Opera calling" sehen
"CyberArts09"bis zum 10. Oktober 2009
in Linz - OK Center
In der Ausstelung "Pronto! Über Telefonie"
bis zum 08. November 2009
Galerie Plug.in in Basel






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