Schriftgröße: + -
Home > Kultur > Tracks

Tracks

Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.

> > „Empire me“

Tracks

Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.

Tracks

Mikronations - 30/01/12

„Empire me“

Wer mit seinem Land nicht zufrieden ist, muss eben seinen eigenen Staat gründen. Wie diese Nationen so unterwegs sind, hat Paul Poet in seinem Film „Empire me“ untersucht.

Previous imageNext image

Die einen wollen einfach keine Staatsabgaben mehr zahlen, andere als Pflanzenfreunde lieber unter sich sein und wieder andere einfach zu vielen und auch sehr nackt in Körperöl schwelgen.Gründe eine Mikronation zu starten, gibt’s viele. Regisseur Paul Poet hat für seine Doku sechs Do-it-Yourself Staaten besucht. 
 
Paul Poet
Das was mich von Anfang an bei dieser ganzen Subkultur von neuen Kommunen, Mikronationen, das was ich Gegenwelten nenne, angefixt hat, war einfach dieser gelebte Wahnsinn. Also einfach dieser Willen in eine Sabotage gegenüber einem großen Weltkörper zu gehen, einfach einen Staat zu gründen.
 
In Australien zum Beispiel hat „His Royal Highness Prince Leonard“ eine Nation gegründet. Der australische Farmer wollte die vorgeschriebenen Produktionsquoten für Weizen nicht erfüllen. Also hat er seine 75 Quadratkilometer große Farm zur „Principality of Hutt River“ erklärt. Aber erst nachdem er folgendes herausgefunden hatte: Laut der Konvention von Montevideo von 1933 darf jeder einen Staat gründen. Vorrausetzung: eigenes Land, eine Regierung, Bürger und Kontakt zu anderen Regierungen.
Auch Christiania in Kopenhagen ist eine Mikronation, gegründet wurde die autonome Kommune 1971. Das Ziel: eine sich selbst regierende Gesellschaft. Jetzt sollte Christiania Wohnpalästen weichen, aber die Bürger haben sich erfolgreich gewehrt. Und sich wehren ist gerade weltweit ein Thema!
 
Paul Poet
Am Anfang bin ich ja mit dem Film ausgelacht worden, mit dem ganzen Konzept. Die haben gesagt der Herr Poet, der will wieder so ein paar Spinner abfeiern und dann kam irgendwie die erste Krise oder die ersten Vorboten der Krise mit 2009, wo die Welt plötzlich mit sich selbst angestanden ist und plötzlich kamen lustigerweise auch die Gelder.
 
Acht Jahre und dreißig Stempel im Pass später hat Paul den Film dann fertig gestellt. Ein Stempel ist von Sealand. Eine ehemalige Fliegerabwehrplattform vor der Küste von Suffolk. Das ist der weltweit größte Standplatz für illegale Server. Was auf ihnen passiert, verrät „Empire Me“ nicht. Und auch die korrupten Aktionen anderer Mikronationen werden nicht thematisiert.
 
Paul Poet
Ich will den Leuten nicht irgendwie vorschreiben, wie sie glücklich sind. Ich will  es einfach für mich nachvollziehen können und das wollt ich dem Publikum auch ermöglichen und das hätte ich nicht gemacht, wenn ich klassisch journalistisch jetzt irgendwie die ganzen Sektenvorwürfe oder die Schattenökonomie, wo ziehen die durch welche Schmiergelder Zusatzebenen rein, das kann ich damit nicht verkörperen, sondern ich brauche diesen Esprit: Was macht Utopie heute aus ? Und den kann ich nur so einfangen.
 
Ein paar mehr kritische Fragen hätten „Empire me“ nicht geschadet. Richtig koscher sind nämlich die wenigsten der gezeigten Utopien. Trotzdem war der Grat zwischen Utopie und Wahnsinn noch nie so begeisternd schmal.

>> Web-Bonus: Interview mit Regisseur Paul Poet über Krisen und "Empire Me"


Tracklist

“Modern Man” von Arcade Fire (City Slang)

Tracks
Freitag 3. Februar 2012 um 02.15 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2011, 52mn)
BR

Erstellt: 16-01-12
Letzte Änderung: 30-01-12