- Welchen Ausgangspunkt wählten Sie für diesen Film zum Thema Waffenschmuggel?
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als Auslandskorrespondent arbeite ich oft in Ländern, in denen irreguläre bewaffnete Truppen ihr Unwesen treiben. Im Laufe der Jahre stellte ich fest, wie leicht sie sich ein leistungsfähiges, gefährliches Arsenal beschaffen können. Wo Waffenbesitz nicht kontrolliert wird, hat immer die Zivilbevölkerung zu leiden. Durch Waffengewalt und die Schaffung katastrophaler sanitärer Zustände hinterlassen die Bewaffneten eine Spur des Todes. Es schien mir interessant, an den Kampf der Aktivisten der Kampagne „Waffen unter Kontrolle“ („Control Arms“) anzuknüpfen, denen viele Enthüllungen, beispielsweise zu den chinesischen Waffenlieferungen an den Sudan während des UN-Waffenembargos für Darfur, zu verdanken sind. Der Film zeigt unsere Nachforschungen zu den Folgen dieses allgegenwärtigen Handels und den Kampf einer Handvoll unbewaffneter Menschen, die nach Obamas Motto „Yes, we can!“ immerhin einige Staaten von ihrer Mission überzeugen konnten.- Wurden Sie mit offenen Armen empfangen?
Es dauerte eine Weile. Die Aktivisten befürchten, zweifellos zu Recht, dass geheime Informationen über ihre nicht unbeträchtliche Infiltration der Schmugglerringe bekannt werden könnten. Ihnen sind u.a. die Enthüllungen über den Waffenhändler Victor Bout zu verdanken, der das Vorbild für den von Nicolas Cage in „Lord of War – Händler des Todes“ dargestellten Waffenschieber abgibt. Als Pioniere im Kampf gegen die dunkle Seite der Globalisierung, halb Aktivisten, halb Geheimagenten, verkörpern die Mitglieder von „Control Arms“ eine neue Form des weltweiten Widerstands. Sie sind überzeugt, dass angesichts der Heuchelei und der sich überschneidenden Interessen der Staaten am Waffenhandel nur eine internationale Bürgerbewegung einen Gegenpol darstellen und bei den Vereinten Nationen Gewicht haben kann. Die Aktivisten sind der Ansicht, dass die UNO eine positive Rolle spielt, obwohl sie sich mit Widerständen innerhalb der Organisation auseinandersetzen müssen. Nach einem Jahr an ihrer Seite denke ich, dass sie Recht haben.- Im Kongo drehten Sie in einer Hochburg des Waffenhandels. Wie verliefen die Dreharbeiten?
Mit fünf Millionen Toten ist der Kongo die Region der Welt, die seit dem Zweiten Weltkrieg die meisten zivilen Opfer forderte. Für den größten Teil (80 %) sind Hunger, Seuchen, desolate Hygienebedingungen, die Folgen der permanent schlechten Sicherheitsverhältnisse und die Zunahme der bewaffneten Gruppierungen verantwortlich, von denen manche von den Nachbarländern aus kontrolliert werden. Diese Gruppen im Kongo können ihre Waffenkäufe vor allem dank der wertvollen Erzvorkommen, die für Elektronik und Mobiltelefone unerlässlich sind, finanzieren. Ein Geschäft mit dem Tod, bei dem die bewaffneten Einheiten die Voraussetzung für die Fortsetzung des Rohstoffhandels bilden. Schon am ersten Drehtag gerieten wir in ein Gefecht zwischen schwer bewaffneten Truppen. Eine Kamera wurde zerstört, weil die Soldaten nicht beim Verlieren einer Stellung gefilmt werden wollten. Wir mussten einen neuen „Fixeur“ (Dolmetscher, Fahrer und Begleiter) finden, da der erste Angst bekommen hatte. Um keine Fehler im Kontakt mit bewaffneten Gruppen zu machen, mussten wir sie in Begleitung ihnen bekannter Personen aufsuchen. Die größten Schwierigkeiten hatten wir bei Dreharbeiten in den Minen und in einer Handelsniederlassung zur Ausbeutung von Erzvorkommen nahe einer Transportgesellschaft der Bolloré-Gruppe. Es handelte sich eigentlich um einfache Einstellungen, die sich im Kontext der Ressourcen-Plünderung jedoch als sehr heikel erwiesen.
- Die USA sind gegen das von der „Control Arms“-Bewegung geforderte internationale Übereinkommen. Der ehemalige UN-Botschafter John Bolton bringt das klar zum Ausdruck.
Das ist einer der wenigen Neokonservativen, der keine hohlen Phrasen drischt. Für einen Journalisten ist das Gold wert, denn er spricht aus, was die Clique um Bush denkt: Die USA sind die Herren der Welt, das allein zählt. Da haben wir es wenigstens mit einer klaren Botschaft zu tun. Dagegen waren wir überrascht, dass das französische Außenministerium in keiner Weise zu den Anschuldigungen, Frankreich verkaufe Munition an die Diktatur in Guinea, Stellung nahm. Wir hoffen, dass sich nach dem Film jemand in der Studiodiskussion dazu äußert.Das Interview führte Sylvie Dauvillier, Juli 2008







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