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Arte Journal - - 17/08/12

Zwei Jahre Lagerhaft für Pussy Riot

Ein Moskauer Gericht hat die drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot schuldig gesprochen. Das Gericht sah die Anklage "Religiös motiviertes Rowdytum" bestätigt. Die Punkerinnen hätten mit ihrem Protest in der Erlöserkathedrale in Moskau die Gefühle der Gläubigen auf das Gröbste verletzt, so die Richterin. Dafür wurden sie am Freitag zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Was steht Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch nun bevor?


Punkerinnen droht Straflager
Die Internetseite des russischen Strafvollzugs sowie Jelena Gordejewa, eine Mitarbeiterin der Moskauer NGO „Gefängnis und Freiheit“ gaben Auskunft darüber, was die drei Frauen erwartet. Für Männer gibt es viele verschiedene Hafttypen, doch für Frauen sieht Russland nur eine Art von Straflager vor: Gefängnisbaracken, von Zäunen, Stacheldraht und Wachtürmen abgeriegelt. 100 bis 120 Sträflinge in einem Schlafraum, Diebinnen und Mörderinnen bunt gemischt. Lediglich Wiederholungstäterinnen und erstmals Verurteilte werden getrennt.


Adieu bunte Punk-Outfits
Persönliche Kleidung ist verboten, die Verurteilten tragen grüne Uniformen, auf denen ihr Name steht. Ein Mal pro Monat dürfen die Frauen eine Viertelstunde telefonieren. Pakete können sie, im Gegensatz zu männlichen Häftlingen, in unbegrenzter Zahl erhalten. Pro Jahr dürfen sie sechs kurze und vier lange Besuche bekommen. Letztere können bis zu drei Tage dauern. Dafür wird immerhin ein separater Raum zur Verfügung gestellt.

Lagerarbeit
In den sogenannten Arbeitslagern besteht die Arbeit der Gefängnisinsassinnen in der Regel darin, Uniformen für die Gefängnisverwaltung, die Armee oder das Innenministerium zu nähen. Doch nur die Hälfte der Frauen geht im Lager einer Arbeit nach. Wer arbeitet, kann zwischen 25 und 50 Euro im Monat verdienen. Für alle gilt: Morgen-Appell im Freien, auch bei Minus 30 Grad.

Strengere Haftform bei Ungehorsam
Konsum von Alkohol, Drogen, Ungehorsam oder Beleidigung von Gefängnisbeamten werden mit einer strengeren Unterbringungsform bestraft: dreimonatige völlige Isolation, keine Telefonate, keine Besuche. Absoluter Gehorsam wäre somit für die Haftbedingungen der Pussy Riot-Mitglieder von Vorteil. Doch für die mutigen Aktivistinnen wäre das vermutlich die schlimmste Strafe.

Möglicherweise weit weg von den Familien
Von insgesamt 727.000 Häftlingen sitzen in 46 russischen Straflagern rund 59.000 Frauen. Dabei wird auf geografische Nähe zu den Familien der Gefangenen keine Rücksicht genommen. Das könnte zumindest für zwei der drei Musikerinnen zu dem größten Problem werden. Die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa hat eine kleine Tochter, die 24-jährige Maria Alechina einen fünfjährigen Sohn. Ein halbes Jahr sind sie bereits seit dem Anti-Putin-Gebet inhaftiert. Dadurch könnte sich das Strafmaß auf 1,5 Jahre verringern.

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Erstellt: 17-08-12
Letzte Änderung: 17-08-12