"Seeräuberei und Kidnapping"
Mittlerweile begann Israel damit, die ersten Hilfsgüter des Schiffskonvois in den Gazastreifen zu bringen. Auf zehn Lastwagen sollten Nahrungsmittel, Medikamente und Kinderspielzeug zum Grenzübergang Kerem Schalom gebracht werden. US-Präsident Obama erklärte, dass künftig Wege für Hilfslieferungen gefunden werden müssten, ohne Israels Sicherheit zu gefährden.
Die USA hatten sich bisher mit kritischen Kommentaren zu dem Einsatz zurückgehalten. Allerdings forderte nun auch US-Präsident Barack Obama eine „glaubwürdige, unparteiische, transparente Untersuchung“. In einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sprach Obama sein Beileid aus – vier der neun Toten waren Türken. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind nach der Attacke auf einem Tiefpunkt angekommen. „Israel läuft Gefahr, den einzigen Freund in der Region zu verlieren“, warnte Erdogan.
Weiteres Schiff unterwegs
Währenddessen nimmt ein weiteres Schiff mit Hilfsgütern an Bord Kurs auf den Gazastreifen: Die „MV Rachel Corrie“. Sie soll nach Angaben der Hilfsorganisation Free Gaza Ireland am Montag die Küste erreichen. Der irische Außenminister Micheal Martin appellierte an die israelische Regierung, es nicht wieder zu Blutvergießen kommen zu lassen. Israel müsse eine sichere Fahrt des Schiffes gewährleisten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte jedoch erneut, die Blockade des Gaza-Streifens werde aufrecht erhalten, sie diene den Sicherheitsinteressen des Landes. Das Verhältnis zwischen Irland und Israel ist schon seit längerem kühl: Irische UNO-Truppen waren von 1978 bis 2001 im Südlibanon stationiert, in dieser Zeit waren sie häufig in Reibereien mit den Israelis verstrickt. 46 irische Soldaten kamen dabei ums Leben.
Ein großer Rückschlag
Für die USA kommt der Angriff auf den Schiffskonvoi zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: US-Präsident Obama hatte sich in den vergangenen Wochen intensiv um die Wiederaufnahme von Freidensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern bemüht. Zwischen beiden Seiten waren daraufhin nach langer Funkstille immerhin indirekte Gespräche in Gang gekommen. Damit dürfte es jetzt erst einmal wieder vorbei sein.
Anja Waltereit / ARTE Journal
Quelle: dpa, afp, Deutschlandfunk







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