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ARTE Journal - 2. Juni 2010 - 02/06/10

Zurück auf Los

Zwei Tage nach der Erstürmung der Hilfsflotte für den Gazastreifen hat Israel nach eigenen Angaben alle festgenommenen Aktivisten wieder aus dem Gefängnis entlassen. Die 632 internationalen Häftlinge sollen in ihre Heimatländer angeschoben werden. Darauf hatte sich Israels Sicherheitskabinett gestern Abend geeinigt.

Der Großteil der Aktivisten soll Israel noch am Mittwoch verlassen. Je mehr Häftlinge frei kommen, desto mehr Details über die israelische Militäraktion werden bekannt – und desto lauter werden die Vorwürfe an Israel. So erklärte ein pakistanischer Fernsehjournalist, der an Bord der Hilfsflotte war, dass Soldaten bei der Erstürmung der Schiffe Aktivisten direkt in den Kopf geschossen hätten. „Seeräuberei und Kidnapping“ - so bezeichnete der freigelassene schwedische Krimi-Autor Henning Mankell den Angriff. Der UN-Menschenrechtsrat in Genf beschloss nun, den Tathergang von unabhängigen Ermittlern aufklären zu lassen.

"Seeräuberei und Kidnapping"



Mittlerweile begann Israel damit, die ersten Hilfsgüter des Schiffskonvois in den Gazastreifen zu bringen. Auf zehn Lastwagen sollten Nahrungsmittel, Medikamente und Kinderspielzeug zum Grenzübergang Kerem Schalom gebracht werden. US-Präsident Obama erklärte, dass künftig Wege für Hilfslieferungen gefunden werden müssten, ohne Israels Sicherheit zu gefährden.
Die USA hatten sich bisher mit kritischen Kommentaren zu dem Einsatz zurückgehalten. Allerdings forderte nun auch US-Präsident Barack Obama eine „glaubwürdige, unparteiische, transparente Untersuchung“. In einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sprach Obama sein Beileid aus – vier der neun Toten waren Türken. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind nach der Attacke auf einem Tiefpunkt angekommen. „Israel läuft Gefahr, den einzigen Freund in der Region zu verlieren“, warnte Erdogan.

Weiteres Schiff unterwegs



Währenddessen nimmt ein weiteres Schiff mit Hilfsgütern an Bord Kurs auf den Gazastreifen: Die „MV Rachel Corrie“. Sie soll nach Angaben der Hilfsorganisation Free Gaza Ireland am Montag die Küste erreichen. Der irische Außenminister Micheal Martin appellierte an die israelische Regierung, es nicht wieder zu Blutvergießen kommen zu lassen. Israel müsse eine sichere Fahrt des Schiffes gewährleisten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte jedoch erneut, die Blockade des Gaza-Streifens werde aufrecht erhalten, sie diene den Sicherheitsinteressen des Landes. Das Verhältnis zwischen Irland und Israel ist schon seit längerem kühl: Irische UNO-Truppen waren von 1978 bis 2001 im Südlibanon stationiert, in dieser Zeit waren sie häufig in Reibereien mit den Israelis verstrickt. 46 irische Soldaten kamen dabei ums Leben.

Ein großer Rückschlag



Für die USA kommt der Angriff auf den Schiffskonvoi zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: US-Präsident Obama hatte sich in den vergangenen Wochen intensiv um die Wiederaufnahme von Freidensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern bemüht. Zwischen beiden Seiten waren daraufhin nach langer Funkstille immerhin indirekte Gespräche in Gang gekommen. Damit dürfte es jetzt erst einmal wieder vorbei sein.


Anja Waltereit / ARTE Journal
Quelle: dpa, afp, Deutschlandfunk

Erstellt: 02-06-10
Letzte Änderung: 02-06-10