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Wie christlich ist Europa?

ARTE beleuchtet die Stellung der Religion und Kirchen in verschiedenen europäischen Ländern.

Wie christlich ist Europa?

05/12/08

Zur Geschichte des Laizismusbegriffs

von Odon Vallet, Religionshistoriker


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„Der Laizismus ist eine französische Eigenheit oder, wie Léon Gambetta, der große Staatsmann der Dritten Republik, es formulierte: „Laizismus ist kein Exportartikel“. Schon im Mittelalter wurde zwischen Laien und Geistlichen unterschieden. Als Laien galten all jene, die weder ein Priesteramt noch ein anderes religiöses Amt bekleideten. Einige Jahrhunderte später wurde der Laizismus zum Gegenbegriff des Klerikalismus umgedeutet, da der Katholizismus in Frankreich mit der Monarchie gleichgesetzt wurde, während die Republik antiklerikale Positionen einnahm. Mit einem Unterschied: Die französischen Protestanten schlugen sich auf die Seite der Republik.
Wie ist die Trennung von Kirche und Regierung in Europa geregelt?
Einige Beispiele:

Frankreich: Seit 1905 gilt das Prinzip des Laizismus, d.h. der Trennung von Religion und Staat: Religiöse Symbole in öffentlichen Einrichtungen sind verboten, kirchliche Aktivitäten sind auf den kultischen Bereich beschränkt.

Deutschland: Staat und Kirche sind nicht getrennt. Der Staat beteiligt sich u.a. an der Finanzierung konfessioneller Kindergärten und Schulen. Die Kirchen erheben eine Kirchensteuer, die vom Staat eingezogen wird. Der Religionsunterricht steht unter staatlicher Aufsicht, aber in inhaltlicher Verantwortung der Kirchen.

Großbritannien: Die seit der Ankunft des heiligen Augustinus 596 gegründete Church of England hat den Status einer Staatskirche. Bischöfe sitzen im Oberhaus und sind so an der Gesetzgebung beteiligt. Als ihr weltliches Oberhaupt amtiert derzeit Queen Elizabeth II.

Bedeutende laizistische Gesetze wurden in Frankreich vor allem im Bildungssektor verabschiedet. Sie gipfelten 1905 in dem Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat. Dennoch unterstützte die antiklerikale Republik stets das Missionswesen in Afrika und Indochina, wie Jules Ferry dies bereits zuvor für die katholischen Missionare in Vietnam getan hatte. [...]

Die volle Religionsausübung ist heutzutage mit dem Laizismus nicht vereinbar: Ohne religiöses Gebot können in einem Land christliche, jüdische und muslimische Feiertage nicht in vollem Ausmaß nebeneinander begangen bzw. koschere oder Halal-Speisen verzehrt werden.

Eine bestimmte Art des Laizismus hingegen verträgt sich sehr wohl mit einer gemäßigteren Form der Religionsausübung: Befinden sich alle Religionen auf gleicher Augenhöhe, lässt sich eher von einem amerikanischen Laizismus sprechen, der ohne etablierte Kirchen auskommt. Der Staat kann eine Religionsgemeinschaft begünstigen, sofern er allen anderen dieselben Privilegien einräumt.

Der Laizismus in Frankreich sieht vor, dass der Staat keine Glaubensgemeinschaft anerkennt, finanziert oder subventioniert. Dies ist mit einer Religionsausübung nicht völlig unvereinbar, erschwert sie jedoch. Religion wird der Privatsphäre des Einzelnen zugeordnet, somit sind Glaubensäußerungen in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens unzulässig.“

Erstellt: 05-12-08
Letzte Änderung: 05-12-08