Der
Rosenkavalier- Film ist eines der frühen Beispiele multimedialer Verwertung einer populären Oper und schien ein Garant für einen großen Erfolg, den sich die österreichische Filmproduktions-gesellschaft Pan-Film mit diesem Film erhofft. Hugo von Hofmannsthal hatte ursprünglich die Filmidee; sein Entwurf wurde aber nicht realisiert. Das schließlich verfilmte Drehbuch stammt von Ludwig Nerz, einem Mitarbeiter der Pan-Film, und Robert Wiene. Die Umarbeitung der Oper in eine Instrumentalfassung nehmen die langjährigen Strauss-Mitarbeiter Otto Singer und Carl Alwin vor. Bei der Umarbeitung werden die Gesangsstimmen gestrichen und durch Zusätze bei einzelnen Instrumenten ergänzt. Die Oper wird in ihrer Länge gekürzt, stellenweise im Ablauf umgestellt und mit neuen filmischen Handlungselementen besetzt. Drei ältere Strauss-Stücke und ein neukomponierter Marsch kommen hinzu.
Die Dreharbeiten fanden im Jahr 1925 statt. Regie führt der in seiner Zeit sehr gefragte Robert Wiene; er ist Mitte der 1920-er Jahre ein populärer Regisseur, erprobt in allen Filmgenres und vor allem versiert in der Arbeit mit den größten Schauspielern seiner Zeit wie Conrad Veidt oder Fritz Kortner. In Michael Bohnen hat er wieder einen großartigen Darsteller an seiner Seite, der auf der Opernbühne lange Jahre als die Idealbesetzung der Rolle galt. Gedreht wird an charakteristischen Außenschauplätzen und in den Studios von Schönbrunn, begleitet am Klavier von Joseph Holzer, Kapellmeister des Carl-Theaters. Wahrscheinlich lag zu diesem Zeitpunkt die Filmmusik bereits vor, zumindest in einzelnen Passagen, und wurde vom Korrepetitor bei den Dreharbeiten eingespielt; auffallend ist jedenfalls, dass viele Einstellungen und die Bewegungen einzelner Schauspieler, allen voran Michael Bohnen als Ochs, exakt zur Musik choreographiert zu sein scheinen, was dem Film seinen unvergleichlichen Fluss und ‚Lubitsch-touch’ gibt.
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Der Schnitt stand unter hohem Zeitdruck, da der Film so schnell wie möglich herauskommen soll; trotzdem muss die – vielleicht voreilig angesetzte – Premiere verschoben werden. In letzter Minute fanden noch grundlegende Änderungen im Film und Kürzungen von Episoden statt, für die auf der Musikseite aber viel Notenmaterial vorgesehen war. Wie überlieferte Fotos belegen, waren viele Szenen gedreht worden, die in der überlieferten Fassung nicht mehr vorhanden sind und die offen-bar schon bei der Uraufführung in Dresden fehlten. Selbst Sequenzen, für die zusätzlich Musik in die Instrumentalfassung aufgenommen worden war, wurden eliminiert, wie auch aufwendig inszenierte Massenszenen. Die Überhänge der Musik belaufen sich auf ca. 30 Minuten. In den gedruckt über-lieferten Orchesterstimmen sind diese Kürzungen nicht vermerkt, sie stellen bis heute bei Aufführungen des Rosenkavalier-Films eine große Herausforderung dar, von der fehlenden letzten Filmrolle einmal ganz abgesehen.
Die Restaurierung und WiederaufführungNur zwei Filmkopien haben aus der Stummfilmzeit überlebt, bei denen jeweils die letzte Rolle fehlt: eine Nitrokopie mit englischen Zwischentiteln aus London und einer tschechisch getitelte in Prag.
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Die Restaurierung im Filmarchiv Austria fußt auf den beiden Exportkopien, die mit neuen deutschen Zwischentiteln (Rückübersetzungen aus dem Englischen und Tschechischen) versehen und zu einer neuen Fassung montiert wurden. Begleitend dazu fand die Einrichtung der Filmmusik durch Bernd Thewes statt. Bei der Festlegung des Aufführungstempos war eine historische Aufnahme der Filmmusik von Richard Strauss entscheidend; auf dieser Zeitbasis fand ein Abgleich von Film und Musik statt. Dieser Abgleich ließ Rückschluss auf die ursprüngliche Filmgestalt und die sukzessiven Kürzungen zu, die vor und nach der Filmpremiere erfolgt sind. Eine weitere Aufgabenstellung betraf die Rekonstruktion des fehlenden Filmschlusses, um die Musik möglichst vollständig aufführen zu können. Auf die Musikfassung wurden Fotos, Filmsequenzen und Texte angelegt; wertvolle Anhaltspunkte lieferten dabei die Synchronangaben der historischen Orchesterstimmen. 80 Jahre nach der Uraufführung des Films fand seine Wiederaufführung genau an dem Ort statt, wo auch Oper und Film uraufgeführt wurden, in der Semperoper Dresden, realisiert in Form einer Koproduktion von Filmarchiv Austria, Sächsischer Staatsoper Dresden und ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE.