So haben seit 1999 alle jungen Syrer, die an dem Projekt teilgenommen haben, eine gehörige Portion Mut und beachtliche Zivilcourage an den Tag legen müssen, da sie in einem System leben, das nicht gerade ein Musterbeispiel der Demokratie ist. Die Folgen hätten sehr schwerwiegend sein können. Wir wissen, dass mindestens einer der Teilnehmer von der Polizei verhaftet wurde. Also war es absolut notwendig, nicht das Interesse der Medien zu wecken. Alles geschah hinter verschlossenen Türen.
Paul Smaczny (Autor, Regisseur und Produzent) ist jedoch jemand, dem ich persönlich völlig vertraue. Ich sprach mit den jungen Musikern und mit Edward Said und sagte ihnen: „Wenn auch im Jahre 1999, so ist es doch ein historisches Ereignis, dass wir hier ins Leben rufen. Das müsste dokumentiert werden.“ Paul Smaczny gab mir sein Wort, dass nichts davon veröffentlicht würde und dass keine Journalisten auftauchen würden. Während des ersten Jahres in Weimar gab es zum Schutz der Musiker überhaupt keine Berichterstattung.
Wissen Sie, dass bis heute die Namen der Musiker nicht in den Programmheften zu finden sind? Mit der Ausstrahlung des Films wird man zum ersten Mal die Namen der Beteiligten erfahren. Denn mittlerweile hat eine große Öffnung stattgefunden. Die israelische Regierung und auch die syrische Regierung und die ägyptische Regierung haben von dem Projekt erfahren. Das heißt, sie wissen, dass einige ihrer jungen Staatsbürger daran teilnehmen.
Viele der jungen Musiker, die Sie hier gesehen haben, spielen in Orchestern der Region. Der Geiger, den Sie im Gespräch mit dem jungen Libanesen sehen konnten, ist Mitglied des Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Der Pauker ist heute der erste Pauker des Israel Philharmonic Orchestra. Das Mädchen, das im letzten Jahr am ersten Violinenpult an der ersten Violine saß, spielt mittlerweile Solo-Violine im Sinfonieorchester Damaskus. Der Oboist ist Solo-Oboist an der Oper von Kairo usw. Wirklich viele von ihnen sind in der Zwischenzeit gut untergekommen. Der Kontrabassist ist mittlerweile Solo-Kontrabassist der Philharmonie Berlin. Und diese jungen Musiker kommen, obwohl sie so gute Posten haben, im Sommer, um mit uns zu spielen und zu arbeiten, anstatt Urlaub zu machen.
Ich kenne wirklich keinen Zwischenfall, bei dem jemand in Gefahr gewesen wäre.
Ich habe Ihnen die Geschichte der jungen Syrerin erzählt, die Schwierigkeiten bekommen hat, das war aber nur vorübergehend. Ich kann Ihnen nichts über einen möglichen psychischen Druck sagen, unter dem die jungen Musiker möglicherweise stehen, oder auch nicht. Mehr weiß ich darüber nicht.
Video (6/7) (3'15"; Real video)Barenboim im Gespräch... weitere Artikel:
Einführung
Fehlende Szenen
Ein unabhängiges Projekt
Unersetzlicher Edward Said
Eine Mauer zwischen Musik und Politik?
Das Konzert von Ramallah, ein zwischenmenschliches Ereignis
Musik und Leben






per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

