Der Nacktprotest an der Wall Street soll für mehr Transparenz im undurchsichtigen Finanzmarkt sorgen. Und Zefrey Throwell weiß, dass Nacktheit in New York DAS Mittel schlechthin ist, um noch Aufmerksamkeit zu bekommen. Also warum nicht ans eigene letzte Hemd gehen, bevor die Banker und Börsenhändler mit ihren dubiosen Spekulationen dafür sorgen, dass man sich das Hemd nicht mehr leisten kann.
Die Aktion vom Sommer 2011 nimmt eine bestimmte Stimmung in New York auf, die ein paar Monate später zu Occupy Wall Street wird – und letztlich von den USA auf Europa überschwappt. Auch Zeffrey Throwell hat die Schnauze voll vom Mix aus Gier und Renditeddruck an den Märkten. Seine Mutter, eine 60jährige Schuldirektorin verlor 2008 beim großen US-Finanzcrash all ihre Ersparnisse, ihr Erlebnis hat Zefrey zum exhibitionistischen Kunstakt an der Wall Street inspiriert.
Zefrey Throwell
Ich bin ein Kapitalist. Ich habe ein Iphone, ich kaufe andauernd irgendwelche Sachen, ich bin nicht sehr sozialistisch erzogen worden. Aber unser Kapitalismus ist so was von gestern. Er frisst seine eigenen Bürger. Und dann scheißt er sie wieder aus, wie nutzlosen Müll.
Unser Kapitalismus ist so was von gestern. Er frisst seine eigenen Bürger. Und dann scheißt er sie wieder aus, wie nutzlosen Müll.Zefrey packt seinen Ärger über das System gern in seine Performances – deswegen nennen ihn seine Freunde auch nur den „Troublemaker". Viele Aktionen sind illegal, manche auch so angelegt, dass die Polizei nichts tun kann. Z.B. bei einem siebentägigen Strippoker-Turnier in einer Galerie. Vor den Augen der New Yorker Passanten spielen die Performancekünstler um ihr letztes Hemd. Das Pokerspiel ist für Zefrey Throwell eine Metapher auf das kapitalistische System: Zwar gelten für alle Spieler die gleichen Regeln, doch wer mit den meisten Klamotten am Leib antritt, hat automatisch bessere Erfolgschancen.
Auch das Ocularpation Wall Street Projekt geht weiter, in Zefreys Galerie in Brooklyn, mit Sprühfarbe auf Alltagsgegenständen. Hanteln, Krawatten, Hot-Dogs - Zefrey will damit zeigen, wer sich an der Wall Street alles eine goldene Nase verdient. Mit den güldenen Statussymbolen hat er es bis zu einer Solo-Show in Manhattan gebracht. Es ist eben nicht alles Gold was glänzt, lautet die Message. Der amerikanische Traum von Reichtum und Wohlstand bleibt meistens bloß eine Illusion.
Aber: nicht immer sind seine Performances politisch. 2009 hat Zefrey eine Art Kinderparty für Erwachsene organisiert. An langen Tafeln flog Essen in Massen durch die Luft. Eine sinnentleerte Ferkelei, mit Spaß bringt. Oder: die Midtown-Games in Manhattan. Zefrey lud dabei unter anderem zum 50-Meter-Freistil-Wettkampf in einem Springbrunnen. Abgeschürfte Knie gabs gratis dazu.
Zefrey Throwell
Mit den Midtown Games wollten wir das meist gehasste Viertel New Yorks – nämlich Midtown - verändern. Wenn Du mit einem New Yorker sprichst und ihn fragst, wollen wir uns zum Mittagessen in Midtown treffen – heiß es immer: Oh, das schaff ich doch nicht. Wollen wir uns nicht lieber in Downtown treffen? Ich wollte also, dass die Menschen in der verhasstesten Gegend New Yorks wieder Spaß haben. Das ist unsere Stadt, wir bezahlen die Steuern, wir leben hier und gestalten die die Stadt mit, also können wir sie auch dafür benutzen, um Spaß zu haben.
Trackslist
Links
Zefrey Throwell - offizielle WebsiteAusstellung - offizielle Website
Ausstellung
3.06. – 12.08. Dirk Skreber feat. Zefrey Throwell, "Sucked Up in the Devil's Bed", Leopold Hoesch Museum, Düren, D.






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