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Biographie - 30/09/04

Yitzhak Rabin

Vom Kibbuz in die Politik, vom General zum Wegbereiter des Friedensprozesses im Nahen Osten – der israelische Politiker Yitzhak Rabin hat eine beispiellose Karriere hinter sich. Am 4. November 1995 fiel Rabin nach einer Friedensdemonstration in Tel Aviv einem Attentat zum Opfer. Es war ein Anschlag gegen die Aussöhnung von Juden und Arabern.

Yitzhak Rabin war der Sohn russisch-jüdischer Emigranten. Er besuchte in Tel Aviv die von jüdischen Siedlern gegründete Bet Hinuch-Schule, anschließend die von seiner Mutter geleitete Givat Hashlosha und schließlich das landwirtschaftliche Kadouri-Seminar, das er 1940 mit Auszeichnung abschloss. Zeitweise arbeitete Rabin in einem Kibbutz, daneben widmete er sich jedoch militärischen Aufgaben. 1941 nahm er am britischen Einmarsch in Syrien teil, dann an den Vorbereitungen zur Zusammenarbeit mit den Briten im Fall einer deutschen Invasion.

Seine militärische Karriere führte ihn über verschieden Posten bis 1964 zum Chef des Generalstabes. Zum Nationalhelden wurde Rabin durch den überlegenen israelischen Sieg im Sechs-Tage-Krieg von 1967, den er minutiös geplant hatte.

Anfang Dezember 1968 wechselte Rabin in den diplomatischen Dienst und wurde Botschafter in Washington. Nach seiner Rückkehr im Frühjahr 1973 engagierte er sich politisch in der Arbeitspartei und wurde Knesset-Abgeordneter sowie Arbeitsminister im Kabinett Golda Meir.

Nach ihrem Rücktritt bildete Rabin 1974 eine neue Regierung. Sein distanziert-umsichtiges Verhalten während des Bürgerkrieges im Libanon und seine entschlossene Haltung bei der israelischen Geiselbefreiungsaktion auf dem Flughafen Entebbe in Uganda fanden breiten Beifall.

Innenpolitisch war Rabins erste Regierungszeit von Unruhen in den besetzten Gebieten und von einer wachsenden Wirtschaftsmisere überschattet. Eine weitere Schwächung erfuhr Rabins Position durch Korruptionsaffären in der seit der Staatsgründung regierenden Arbeitspartei.

Aus den Neuwahlen zur Knesset 1977 ging der rechtsgerichtete Likudblock erstmals als stärkste Partei hervor. Ministerpräsident wurde im Juni 1977 Menachem Begin, der in den folgenden sechs Jahren unangefochtener politischer Führer Israels war. Nach Begins Rückzug aus der Politik übernahm Rabin das Verteidigungsressort und war in diesem Amt für den Rückzug aus dem südlichen Libanon verantwortlich.

Obgleich als Haudegen, Sicherheitsfanatiker und "Falke" weitgehend festgelegt, profilierte sich Rabin ab Ende der 80er Jahre doch zunehmend als Fürsprecher von Friedenskontakten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Im Januar 1989 lancierte er einen - von den Arabern abgelehnten - Friedensplan zur Lösung des Nahost-Konflikts, dessen wichtigste Komponenten das Angebot von Wahlen in den besetzten Gebieten im Tausch gegen eine Beruhigung der Intifada waren.

Aus dem Führungskampf in der Arbeitspartei ging Rabin im Februar 1992 siegreich hervor. Als Regierungschef behielt sich Rabin, der seinem langjährigen Konkurrenten Peres das Außenministerium antrug, das wichtige Verteidigungsressort und die Leitung der Friedensgespräche mit den arabischen Nachbarn und den Palästinensern vor.

Die politische Sensation war perfekt, als Israels Außenminister Peres am 26. August 1993 die prinzipielle Übereinkunft mit der PLO über ein Gaza-Jericho-Abkommen bekanntgab, das als ersten Schritt auf dem Weg zu einem umfassenden Frieden im Nahen Osten die palästinensische Teilautonomie fuer den Gaza-Streifen und die Stadt Jericho festschrieb.

Am 9. und 10. September 1993 unterzeichneten PLO-Chef Yassir Arafat und Rabin die Urkunden über die gegenseitige Anerkennung, und am 13. September wurde die israelisch-palästinensische Grundsatzerklärung in Washington unterschrieben.

Einen weiteren außenpolitischen Erfolg konnte Rabin verzeichnen, als am 25. Juli 1994 in Washington offiziell der Kriegszustand mit Jordanien beendet wurde. Rabins Versuche, durch das Angebot von Geheimgesprächen über einen möglichen israelischen Abzug von den syrischen Golan-Höhen auch zu einem Friedensdialog mit Syrien zu kommen, fanden allerdings beim syrischen Staatschef Assad noch kein Gehör.

Das israelisch-palästinensische Abkommen wurde als Beendigung eines Jahrhundertkonflikts weltweit gefeiert und brachte den Initiatoren Rabin, Peres und Arafat im 1994 den Friedensnobelpreis ein. Terroraktionen fundamentalistischer Palästinenser und der Widerstand militanter israelischer Siedler stellten den Friedensprozess jedoch immer wieder in Frage.

Eine weitere Etappe im Nahost-Friedensprozess wurde mit dem Autonomie-Abkommen für das Westjordanland bewältigt. Rabins Bemühungen um Frieden und Ausgleich mit den Palästinensern und den arabischen Nachbarstaaten fanden im weitgehend kriegsmüden Israel breite Zustimmung, jedoch nicht bei allen Landsleuten. Immer wieder meldeten sich Stimmen, die Rabin vorwarfen, er liefere die "jüdischen Siedler in den israelischen Kernlanden Judäa und Samaria" an die "verbrecherische PLO" aus.

Am 4. November 1995 fiel Rabin nach einer Friedensdemonstration in Tel Aviv dem religiös motivierten Mordanschlag eines rechtsextremistischen jüdischen Studenten zum Opfer. Rund 2.000 Trauergäste aus 40 Ländern, darunter auch zahlreiche arabische Staatsmänner, nahmen an den Beisetzungsfeierlichkeiten teil.

Yigal Amir, der Mörder Rabins, wurde am 27. März 1996 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Quelle: Munzinger / ARTE

Erstellt: 30-09-04
Letzte Änderung: 30-09-04