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KrimiWelt auf www.arte.tv - Zurufe der Jury - 25/02/08

Xavier-Marie Bonnot: Der große Jäger

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Xavier-Marie Bonnot: Der große JägerIzzo lässt grüßen, diese Worte schießen einem bei der Lektüre des Romans „Der große Jäger“ von Xavier-Marie Bonnot immer wieder durchs Hirn: Wie beim berühmten, aber leider arg zu früh verstorbenen Krimistar Jean-Claude ist auch bei Xavier-Marie die Mittelmeer- und Hafenmetropole Marseille nicht nur der Handlungsort, sondern heimlicher Hauptdarsteller einer bunten, vielschichtigen, komplexen Krimihandlung, die Lebenswelt und Lebensgefühl mindestens ebenso akzentuiert wie ihre eigentliche, ihre Krimigeschichte.Sowohl Lebenswelt wie auch Verbrechen lässt sich natürlich im Setting von Marseille perfekt erzählen, weil die

Stadt alle möglichen Voraussetzungen für beides bietet; incl. ihrer Lage (als Tor zur Welt) am Mittelmeer. Ein Standortvorteil, den Xavier-Marie Bonnot schamlos (bzw. geschickt) ausnutzt, indem er den Kern seiner Handlung in den Küstenklippen und in einer weit unter dem Meeresspiegel befindlichen Höhle ansiedelt. Oben wird zunächst ein örtlicher Mafioso ermordet aufgefunden und später eine nicht nur lokal bekannte Altertumsforscherin. Beider Tod scheint, irgendwie, mit der Höhle zu tun haben, in der als Höhlenmalereien steinzeitliche Kulturzeugnisse und unter anderem auch die erste bekannte Darstellung eines Mordes entdeckt wurden. Um darauf zu kommen, muss Commandant Michel de Palma allerdings erst einmal oben, auf festem Grund, vor dem pulsierenden Marseiller Stadtleben diverse andere Fälle knacken, die frühestens beim dritten Hingucken mit der Steinzeithöhle in Verbindung gebracht werden können …

Mit seiner Marseille-Trilogie hat Jean-Claude Izzo die französische Hafenstadt (..) als heimliche Kapitale einer globalisierungskritischen, engagierten, emotionalen Kriminalliteratur etabliert. Öfter schon wurde nach dem Krebstod und dem dadurch bedingten Schweigen Izzos erfolglos versucht, dieses Rezept zu kopieren; keiner der Versuche konnte wirklich überzeugen. Zwar kann nun auch Xavier-Marie Bonnot in Punkto Lebenswelt dem großen Kollegen nicht das Wasser reichen. Aber er hat trotzdem einen lesenswerten Kriminalroman zustande gebracht: dann zumindest, wenn man auf die Globalisierungskritik verzichtet und wenn man – was derzeit im Krimi große Mode ist – gerne Geschichten mit mythisch-historischen Background liest. Eine solche erzählt „Der große Jäger“ nämlich letztlich; allerdings – im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten – auf dem Boden historischer und psychischer Tatsachen, nicht im Raum luftiger Spekulation.

Und damit ist man, Izzo lässt grüßen, doch wieder in Marseille, der Krimimetropole am Mittelmeer: „Der große Jäger“ ist der Beginn einer Reihe, Michel de Palma ist eine spannende Figur, der Autor scheint (trotz eines eher billigen Tricks bei der Auflösung seiner Geschichte) etwas drauf zu haben – mal sehen, was da in Zukunft noch so kommt.

Ulrich Noller


Fatal sind überwölbende Vorbilder. Das von Xavier-Marie Bonnot heisst Jean-Claude Izzo, und deswegen versucht Bonnot, pausenlos Izzo-ismen einzubauen: Kleine Vignetten der kulinarischen, der stadt- und verbrechensgeschichtlichen und der politischen Art. Denn auch Bonnots Roman spielt in und um Marseille und hat einen knorzigen, politisch unkorrekten Bullen zum Helden. Der große Unterschied zu Izzo: Bonnot hat nix zu erzählen. Eine völlig blödsinnige, nach ein paar Seiten durchsichtige Mär über ein serialkillendes Gaga-Pärchen. Gehackt und geschnetzelt wird im Geschmack vorzeitlicher Schamanen mit dem Steinbeilchen, und die Handlung lappt weit in die Gefilde unfreiwilliger Huuh-Buuh-Komik.

Thomas Wörtche/Plärrer

Erstellt: 25-02-08
Letzte Änderung: 25-02-08


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