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Berlinale 2005 - Wettbewerb - 18/02/05

Worte in Blau

Ein Film von Alain Corneau


Gefühlvolle und bedeutungsschwere Mutter-Tochter-Beziehung mit allzu schlichter Schulpsychologie

Synopsis: Die sechsjährige Anna (Camille Gauthier) ist völlig gesund, aber sie verweigert sich vollständig dem Sprechen. Ihre alleinstehende Mutter Clara (Sylvie Testud) hat sich, seit dem plötzlichen Tod der geliebten Großmutter beim Märchenerzählen, dem Schreiben und Lesen verweigert. Mutter und Tochter kommunizieren mit kleinen Zeichnungen in einer symbiotisch-liebevollen Beziehung. Als Anna jedoch auf die Taubstummen-Schule geschickt wird, bemerkt der engagierte Pädagoge Vincent (Sergi Lopez) bald, dass die eigentliche Probleme in der Mutter-Tochter-Beziehung liegt. Er versucht, Anna zu helfen und verliebt sich dabei in Clara, was zum Ausbruch heftiger Konflikte führt.

Kritik: Jeder Blick, jede Geste, jede Szene – alles ist im neuen Film von Alain Corneau („Wahl der Waffen“, 1981), der in Deutschland lange nicht mehr im Kino vertreten war, so demonstrativ symbolträchtig aufgeladen, dass der erwachsene Zuschauer schnell die Lust verliert, dieser Mutter-Tochter-Beziehung weiter zu folgen. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Dabei spielen die kleine Camille Gauthier und Sylvie Testud ihre Rollen ganz wunderbar, und die Geschichte einer solidarischen Sprachverweigerung zwischen Mutter und Tochter hätte interessant werden können. Hier aber wurde ein psychologisches Proseminar mit so viel Sanftmut, Anmut und Sentimentalität verfilmt, dass die Charaktere trotz der vielen Großaufnahmen entfernt und weichgespült erscheinen.

Wenn Mütter zu sehr lieben kann das für alle Beteiligten, erst recht für den hinzu kommenden Mann, sehr problematisch werden. Aber wenn Regisseure sich zu sehr in ihre Figuren und ihre Geschichte verlieben, dann kann das noch problematischer für den Film sein.

Man tut so einem braven Film keinen Gefallen, ihn im Wettbewerb eines großen Festivals zu präsentieren. Vielleicht schaut man ihn sich an einem regnerischen Sonntagnachmittag zusammen mit der Familie aber doch ganz gerne an.

Thomas Neuhauser
Les Mots Bleus (Frankreich)
von Alain Corneau

Erstellt: 17-02-05
Letzte Änderung: 18-02-05