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22/02/11

World Music 2.0

Eine Reportage von Sophie Peyrard


Auf Cumbia-Rhythmen tanzt Lateinamerika seit drei Jahrhunderten. Heute ist die im Schatten kolumbianischer Urwälder entstandene Musik in moderner Digitalform auf allen großen Elektromusik-Festivals der Welt vertreten.

Das argentinische DJ-Tandem Fauna gab mit der 2.0-Version des traditionellen Klangs im letzten Jahr 70 Konzerte in über 17 Ländern. Das Epizentrum der Digital-Cumbia befindet sich in Buenos Aires, wo der texanische DJ Grant C Dull 2006 das Label Zizek Records gründete. Damals hatten die Fauna-Mitglieder schon seit drei Jahren privat an ihrer Musik herumgebastelt.

Seit das Label Zizek Records sie unter seine Fittiche nahm, wurden sie zu den Maskottchen der nächtlichen Szene von Buenos Aires. Heute hat Zizek Records insgesamt neun Nueva Cumbia oder Digital-Cumbia-Bands unter Vertrag. Diese DJ- und Produzenten-Kollektive, denen es darum geht, die traditionelle Musik ihrer Ahnen zu modernisieren, vermischen Cumbia, Bastard Pop und Raggaton.

Inspiration fanden Catar_sys und Color_kit, die beiden DJs von Fauna, indem sie einfach vor die Tür gingen. Sie stammen aus dem über Tausend Kilometer von Buenos Aires entfernt liegenden Mendoza und haben Cumbia sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Cumbia entstand aus der Musik kolumbianischer „Noirs-Marrons“ (geflohener, ehemaliger Sklaven) und Indios. Der Rhythmus überlebte die Jahrhunderte und passte sich allen Musikmoden an: erst der Klassik, später dem Pop, und mit der Demokratisierung der Informatik jetzt der Digitalmusik.
 
Überhaupt steigt das Genre World Music weltweit auf digital um. Hits aus den Ghettos der Welt – wie z. B. Kwaito aus Südafrika, Baile Funk aus Brasilien oder Kudora aus Angola – werden in denselben Kanälen abgespielt wie die der europäischen oder amerikanischen Elektro-Szene.
 
Der ursprünglich aus Malawi stammende Esau Mwamwaya musiziert mit dem Londoner Produzenten-Duo Radioclit, dessen Remixes (u. a. M.I.A. und Santagold) und Tracks auf den Listen der am meisten gespielten Produktionen im Global-Elektro-Stil stehen.

Hinter Radioclit stecken der Schwede Johan Karlbert und der Franzose Etienne Tron. Esau Mwamwaya verließ 1999 Malawi und zog nach Clapton im Londoner East End. Dort eröffnete er einen Trödelladen, nur einen Steinwurf vom Tonstudio der Radioclit entfernt. Eines Tages betrat Etienne den Laden, um ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen, und lud Esau bei dieser Gelegenheit auf eine Party ein. Dabei entdeckten die DJs von Radioclit, dass ihr Nachbar in Malawi als Schlagzeuger auftrat und schlugen ihm vor, an dem Musikprojekt The Very Best mitzuwirken.2008 kehrte Esau nach Malawi zurück. Dass er in seiner eigenen Sprache singt, machte ihn dort zum Nationalhelden.
 
Im letzten Januar brachte Afrikan Boy, der englische Star des Grime, seinen neuen Clip „Lagos Town“ heraus, zusammen mit Chery B, die bereits im Orbit von M.I.A. aufgefallen war. Das Repertoire der Sängerin ist eine Mischung aus Grime, Soca, Dubstep und Dancehall; sie ist auch Frontwoman von De Tropix, dem Duo, das sie mit DJ Instinct bildete, der genau wie sie vom karibischen Insel- und Steuerparadies der Grenadinen stammt. Ihr komplexfreier Elektro-Soul passt gut zu ihrer Persönlichkeit.
 
Auf der Bühne in Paris fusioniert De Tropix Flow Ragga mit einem Ska-Song der Engländer von „The Beat“. Die World Music der iPod-Generation!

BONUS-VIDEO



Clip: Afrikan Boy - Lagos Town

 

Spezial Global Tracks
Dienstag 21. Dezember 2010 um 05.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2010, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 08-03-10
Letzte Änderung: 22-02-11


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