Kino auf ARTE - 30/06/10
Wolken über Conakry
Ein Film von Cheick Fantamady Camara
Französisch-Guinea, 2006: Seit Wochen warten die Einwohner von Conakry, der Hauptstadt des Landes, auf Regen. Die Regierung versucht, Profit aus der angespannten Situation zu ziehen, schließlich stehen Wahlen an. Sie versucht, die Menschen über die Imame des Landes zu manipulieren. Der junge Journalist BB deckt den Betrug in einer satirischen Zeichnung auf, was zum Konflikt mit seinem obrigkeitshörigen Vater, dem Imam, führt. Der ist weniger denn je bereit, der Heirat seines Sohnes mit der westlich lebenden Kesso zuzustimmen.
Bangali alias BB arbeitet als Karikaturist für eine progressive Zeitung in der Hauptstadt Conakry. Mit einer satirischen Zeichnung beschuldigt der junge Journalist BB die Regierung, das Volk manipuliert zu haben, um Wählerstimmen zu erkaufen. Was ist passiert? Nach Wochen der Trockenheit ist die Stimmung in der Stadt auf dem Tiefpunkt und das Wasser wird langsam knapp. Über die Imame ruft die Regierung das Volk zum Regentanz und Wettergebet auf; prompt fällt Regen, nicht zu knapp, und es ist natürlich ein Verdienst Gottes - und der vorausschauenden Regierung, die "vergessen" hat, zu erwähnen, dass sie die Wettergebete ausgerechnet für den Tag "in Auftrag" gegeben hat, für den der Wetterbericht Regen vorhergesagt hatte. Mit seinen Enthüllungen verdirbt es sich BB nicht nur mit dem Establishment, sondern vor allem auch mit seinem Vater, der selbst ein einflussreicher Imam ist. BBs älterer Bruder soll einmal in seine Fußstapfen treten. Doch dem kommt der Traum des Vaters in die Quere: Die Ahnen weisen Vater Karamo an, ausgerechnet den westlich orientierten BB zu seinem Nachfolger zu ernennen und nach Saudi-Arabien auf die Koranschule zu schicken. BB jedoch hat ganz andere Pläne. Er ist mit der Web-Designerin Kesso zusammen und möchte sie heiraten. Als sie unverheiratet schwanger wird, ist der Skandal perfekt.
Der Film "Wolken über Conakry" zeigt mittels des Generationenkonflikts zwischen dem Vater, der Imam ist und die traditionell muslimische Bevölkerung verkörpert, und dem kritischen, westlich lebenden Sohn die gesellschaftlichen Brennpunkte in Französisch-Guinea: Als eines der wenigen französischsprachigen afrikanischen Länder ist es muslimisch, in einer für Europäer kuriosen Mischung mit dem lokalen Fetisch-Glauben.
Der Film wurde an Originalschauplätzen in der Hauptstadt und in umliegenden Dörfern gedreht und gibt so einen lebendigen Eindruck des Lebens in Conakry.
Der Regisseur Cheick Fantamady Camara arbeitete 20 Jahre als Regieassistent, bevor er 2004 mit seinem zweiten Kurzfilm in Locarno auffiel. "Wolken über Conakry" von 2007 ist sein erster Langfilm und lief in Cannes in der Sektion "Les Films du Monde".
Wolken über Conakry
Dienstag 6. Juli 2010 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, Guinea, 2006, 113mn)
ARTE F
Erstellt: 10-06-10
Letzte Änderung: 30-06-10