Deutschland 2006, 96 Min.
Mit: Josef Bierbichler, Hanna Schygulla, Sibel Kekilli, André Hennicke
- Im Gespräch mit dem Regisseur Hans Steinbichler

...über sein Interesse an der Geschichte00:00:34, mp3 Real Audio
...über die Musik von Franz Schubert00:00:59, mp3 Real Audio
...über die Arbeit mit Josef Bierbichler00:00:29, mp3 Real Audio
...über die Familie als zentrales Thema00:00:35, mp3 Real Audio
...über die Ausstattung00:01:24, mp3 Real Audio
...über Afrika 00:01:23, mp3 Real Audio
Synopsis: Franz Brenninger (Josef Bierbichler) hat mit seinem kleinen Metallbetrieb im bayerischen Wasserburg am Inn schon bessere Zeiten erlebt. Davon zeugt noch der großzügige, nun etwas heruntergekommene Bungalow und seine uneinsichtige, grantige Sturheit. Lieferanten, die nun vorsichtshalber gleich bar kassieren wollen, jagt er mit Beschimpfungen vom Hof, seine Bordellvergnügungen leistet er sich immer noch, aber Kredit bekommt er nur noch durch die guten Beziehungen seines Sohnes zum Filialleiter der Sparkasse. Seine langsam erblindende Frau Martha (Hanna Schygulla) hat schon lange still resigniert, obwohl Brenninger manisch versucht, das Eheleben weiter zu führen. Als ein dubioser kenianischer Geschäftsmann ihm ein verlockendes Angebot macht, setzt er alles auf eine Karte und verliert seinen letzten Kredit von 50.000 Euro. Jetzt will er sich das Geld von den Betrügern persönlich zurück holen und fährt mit der jungen Dolmetscherin Leyla (Sibel Kekilli) nach Nairobi – eine Reise in sein eigenes Dunkel.
Kritik: Nach seinem fulminanten Debüt Hierankl (2003), der das Genre Heimatfilm unbelastet und mutig auffrischte, hat Regisseur Hans Steinbichler die Hauptrolle in seinem neuen Film erneut mit Josef Bierbichler besetzt – und er hätte wieder keine bessere Wahl treffen können. Bierbichler spielt den manisch-depressiven Klein-Unternehmer Brenninger so mitreißend, kraftvoll und überzeugend, dass jeder Einwand in Bezug auf einige Unstimmigkeiten der Handlung verstummen muss. Der Film paraphrasiert mit großer, aber immer glaubwürdiger Geste, Schuberts „Winterreise“, nimmt sie als die Geschichte einer individuellen Depression zum Tode. Gebannt und widerstrebend zugleich verfolgt man den unaufhaltsamen Weg der Selbstzerstörung, den diese einsame Figur gehen muss. Denn sehr bald ist klar, dass dieser Mann mit seiner fast biblischen Tragik und Wut, vielleicht irgendwie noch sein Geld zurück bekommt – aber retten kann ihn niemand.
Denn spätestens als Bierbichler alias Brenninger am Klavier einer Hotelbar in Nairobi das berühmte Lied vom Leiermann aus Schuberts "Winterreise" so brüchig und berührend interpretiert, dass selbst die gängigen Referenzaufnahmen mit Fischer—Dieskau davor verblassen, spätestens ab da ahnt man, wohin diese Reise geht. So bekommt der Film in den besten Passagen eine poetische Kraft und Intensität, die ohne falsches Pathos auskommt, weil sie zugleich von bodenständigem Humor und Empathie getragen wird. Und natürlich von den bis in die Nebenrollen hervorragenden Darstellern und dem großartigen Wiedersehen mit Hanna Schygulla. Ohne hier einen Vergleich zu strapazieren, hat Steinbichler doch ähnlich wie Tarantino eine gute Hand für den wirkungsvollen Einsatz ehemaliger Kultstars, wie er es in „Hierankl“ auch schon mit Barbara Sukowa bewiesen hat.
Natürlich sind Brenningers extreme Handlungsweisen nicht vernünftig, kaum nachvollziehbar, und vielleicht hätte man noch in der Drehbuchphase einige Unwahrscheinlichkeiten etwas glaubwürdiger entwickeln und psychologisch unterfüttern können – besonders die Beziehung zwischen Brenninger und Layla – aber erstaunlicherweise schwächt das den Film und den starken emotionalen Eindruck, den er hinterlässt, in keinster Weise. Gerade weil der Film seine Figur auf dieser melancholischen Reise in die dunkelste Seelenlandschaft immer ernst nimmt und an ihrer Seite bleibt, dabei selbst aber nie der von ihr ausgehenden Traurigkeit erliegt, gerade deshalb entlässt er einen aufrecht und gestärkt für den Blick in die existenziellen Abgründe einer Depression.Thomas Neuhauser





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Eine poetische Winterreise ins
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