Eric Rohmer - 02/09/08
Wintermärchen
Ein Wintermärchen, das eigentlich im Sommer beginnt: Im Urlaub lernt Felicie den bildhübschen Charles kennen. Beide verbindet sofort eine leidenschaftliche Liebe, dessen Frucht ein Kind ist. Doch durch einen dummen Zufall weiß Charles nichts von seinem Vaterglück… - Letzter Teil der „Erzählungen der vier Jahreszeiten“ von Eric Rohmer.
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Im Sommer erleben der schöne Charles und Felicie die Leidenschaft zweier Körper und Seelen. Beiden ist klar, dass sie im Anderen die Liebe des Lebens gefunden haben. Doch beim Abschied gibt Felicie Charles versehentlich die falsche Adresse - und wird alleinerziehende Mutter der gemeinsamen Tochter Elise, von deren Existenz Charles nie erfahren hat. „Ich bin das unauffindbare Mädchen“, resümiert sie sarkastisch ihre traurige Situation. Und doch gibt sie die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Charles nie auf, an das außer Felicie niemand mehr zu glauben scheint. Felicie hält trotzdem felsenfest an ihrem Traum fest, hängt überall Bilder von Charles auf, will ihn nicht vergessen. Auch nicht für die zwei Männer in ihrem Leben, den intellektuellen Loic und den Frisör Maxence, die beide um sie buhlen. Mal folgt Felicie dem einen nach Nervers in einen kleinen Frisörsalon, mal zieht sie in die Wohnung des anderen nach Paris zurück - doch nur Charles hat wirklich Bedeutung für sie. Selbst wenn sie ihn niemals wiedersehen sollte, bleibt doch die Hoffnung…
Der Leichtigkeit einer sommerlichen Liebe steht die winterliche Schwere gegenüber: Eiseskälte draußen, dumpfe Hitze in der verschwitzen Metro und das typische, nicht enden wollende Jacke-an-Jacke-aus-Spiel der dunklen Monate. Durch derlei kleine Gesten des grauen Winteralltags in Paris gelingt es Eric Rohmer, die Schwermut einzufangen, die diese Jahreszeit erzeugen kann. Der Titel „Wintermärchen“ lässt dabei an die gleichnamige Shakespeare-Komödie denken, in welcher es ebenfalls um unmögliche Lieben und Trennungen geht, die Hoffnung das sizilianische Königspaar Leontes und Hermione am Schluss aber doch wiedervereint.
Rohmers Film wartet mit intelligenten Dialogen auf, die sich nicht vor einer tiefgründigen philosophischen Dimension scheuen und zugleich nie überladen wirken. Wie so oft bei Eric Rohmer dreht sich alles um die (Un)möglichkeit der Liebe, Charlotte Véry spielt mit einer bemerkenswerten Natürlichkeit die hoffnungsvolle und leicht exzentrische Felicie, die sich von nichts in der Welt von ihrer Hoffnung, ihren Geliebten wiederzusehen, abbringen lässt.
Wintermärchen
(Conte d’hiver)
Spielfilm, Frankreich 1992, 109 Min.
Deutsche Synchronfassung
Arte France
Regie und Buch: Eric Rohmer
Kamera: Luc Pagès
Musik: Sébastien Erms
Schnitt: Mary Stephen
Produktion: C.E.R., Canal+, Les Films du Losange, Sofiarp, Soficas
Produzentin: Margaret Ménégoz
Mit: Charlotte Véry (Félicie), Frédéric van den Driessche (Charles), Michael Voletti (Maxence), Hervé Furic (Loic), Ava Loraschi (Elise), Christiane Desbois (Mutter von Félicie), Rosette (Schwester von Félicie) u.a.
Erstellt: 30-08-07
Letzte Änderung: 02-09-08