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Claude Lévi-Strauss, eine Reise durch sein Werk

Am 28. November 2008 wird der französische Ethnologe und Anthropologe Claude Lévi-Strauss 100 Jahre alt.

Donnerstag, 27. November 2008 um 12.00 Uhr

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Claude Lévi-Strauss, eine Reise durch sein Werk
(Frankreich, 2008, 633mn)
ARTE F
Regie: Guy Seligmann
Moderation: Sandrine Mörch
Produzent: Arte France Developpement


Am 28. November 2008 wird der französische Ethnologe und Anthropologe Claude Lévi-Strauss 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass widmet ARTE dem berühmten Denker heute einen ganzen Tag lang einen Programmschwerpunkt: Dokumentationen, Spielfilme, Interviews und Debatten bieten Gelegenheit, den großen Intellektuellen in einer Sonderprogrammierung zu entdecken.

"Ich hasse Reisen und Entdecker!" - so beginnt Claude Lévi-Strauss' bekanntestes Buch, "Traurige Tropen", in dem er mit großem schriftstellerischem Talent von seinen Expeditionen zu den Indianerstämmen der Caduveo, Bororo, Nambikwara und Tupi-Kawahib im Brasilien der 30er Jahre erzählt.
Lévi-Strauss studierte Philosophie in Paris, wandte sich dann aber rasch der Ethnologie zu, in die er strukturalistische Verfahren aus der Linguistik übertrug. Nach Forschungsreisen in Asien und Südamerika und mehrjährigem Aufenthalt in Brasilien begründete er, angeregt von der Linguistik R. Jakobsons und unter Einfluss der Psychoanalyse, die strukturale Anthropologie. Dieser Ansatz kommt in seiner Dissertation, "Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft" (1949), ebenso zum Ausdruck wie in den Werken "Strukturale Anthropologie" (Band I 1958, Band II 1975), "Das wilde Denken" (1962) und "Das Ende des Totemismus" (1962). Eine der wichtigsten Einsichten und Erkenntnisse Claude Lévi-Strauss' ist, dass das Denken der Angehörigen der vermeintlich "primitiven" schriftlosen Kulturen demjenigen der Menschen in modernen Industriegesellschaften in kognitiver Hinsicht keineswegs unterlegen ist.
In dem vierbändigen Werk "Mythologica" (1964-1971) untersucht Claude Lévi-Strauss die Mythen der Indianer Nord- und Südamerikas und deckt Analogien zwischen den Strukturen des mythischen Denkens und musikalischen Partituren auf. Im Rahmen des Sonderprogramms spricht Catherine Clément, Autorin mehrerer Bücher über Claude Lévi-Strauss, mit dem Pianisten Jean-François Zygel über die Beziehungen zwischen Mythos und Musik und die Bedeutung Wagners für den Anthropologen.
Für die Vielfalt der Völker und Kulturen setzt sich Lévi-Strauss seit jeher entschieden ein und warnte vor der schädlichen Wirkung eines "Zuviel" an Kommunikation. 1971 schrieb er, die "zarten Blumen der Verschiedenheit" könnten nur im Halbschatten gedeihen. Der Ethnologe, stets um den fremden Blick auf die eigene Gesellschaft bemüht, beschäftigte sich seit den 50er Jahren immer wieder mit gesellschaftlichen Phänomenen in seinem eigenen Land. Als früher Verfechter des ökologischen Denkens wollte Claude Lévi-Strauss so zum Beispiel bereits 1976 neben den Menschenrechten auch die Rechte der Natur und den Artenschutz in der französischen Verfassung verankert sehen.
Einen ganzen Tag lang beleuchtet ARTE zentrale Gedanken und wichtige Personen, die Claude Lévi-Strauss' Werk geprägt haben: Unter anderem wird Lévi-Strauss' Kritik an der Geschichtsphilosophie des Existenzialisten Jean-Paul Sartre behandelt, die eine berühmte Polemik nach sich zog. Außerdem erklärt ARTE, welche Rolle die Untersuchung von Verwandtschaftssystemen und die indianische Mythologie in Strauss' Denken spielt.