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Meine Wiederholung
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Claude Lévi-Strauss, das Selbstbildnis des Ethnologen

Der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss verstarb am letzen Wochenende im Alter von 100 Jahren.

ARTE F

Donnerstag, 27. November 2008 um 22.35 Uhr

Wiederholungen:
01.12.2008 um 09:55
03.12.2008 um 03:00
18.12.2008 um 03:00
04.11.2009 um 22:10
Claude Lévi-Strauss, das Selbstbildnis des Ethnologen
(Frankreich, 2008, 93mn)
ARTE F
Regie: Pierre-Andre Boutang
Produzent: Les Films Du Bouloi

16:9 (Breitbildformat)

Der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss und Begründer der strukturalen Anthropologie verstarb am letzen Wochenende im Alter von 100 Jahren. Der Dokumentarfilm zeichnet ein faszinierendes Porträt dieses großen Forschers. Zahlreiche Ausschnitte aus Interviews mit Lévi-Strauss von den 60er Jahren bis heute geben Einblick in das Denken eines Mannes, der stets für alle Menschen offen war und - trotz seiner pessimistischen Sicht der gegenwärtigen Menschheitsentwicklung - den Glauben an die Schöpferkraft des menschlichen Geistes nie verloren hatte.

Im Mai 2008 erschienen in Frankreich die Werke des Ethnologen Claude Lévi-Strauss in der renommierten Buchreihe "La Bibliothèque de la Pléiade". Diese Ehrung wurde bisher nur wenigen Schriftstellern zu Lebzeiten zuteil. Lévi-Strauss besaß nicht nur als Wissenschaftler Weltruf. Sein Buch "Traurige Tropen" gehört zu den Klassikern der französischen Literatur.
Claude Lévi-Strauss wurde 1908 in ein bürgerliches Milieu hineingeboren. Sein Vater war Kunstmaler, sein Großvater der Rabbiner der Synagoge von Versailles. Der junge Claude engagierte sich für die sozialistische Partei Frankreichs. Mit 20 schloss er ein Philosophiestudium ab, aber die Lehrtätigkeit in diesem Fach interessierte ihn nur mäßig. 1934 folgte er einem Ruf als Professor für Soziologie an die Universität von São Paulo. Im Landesinneren Brasiliens kam er ein Jahr später erstmals mit den Caduveo- und Bororo-Indianern in Kontakt. 1938 folgte eine ausgedehnte Expedition zu den Nambikwara und den Tupi-Kawahib.
Der Mann, der später behauptet, "Reisen und Entdecker zu hassen", wurde Ethnologe. 1940 emigrierte Lévi-Strauss in die USA. Bei seiner Ankunft in New York begegnete er dem Surrealisten André Breton. Ferner lernte er den Linguisten Roman Jakobson kennen, einen Anhänger des Strukturalismus in der Sprachforschung. Er motivierte Lévi-Strauss, den strukturalistischen Ansatz auf den Bereich der Ethnologie zu übertragen.
Nach Kriegsende 1949 kehrte Claude Lévi-Strauss nach Frankreich zurück und legte seine Doktorarbeit mit dem Titel "Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft" vor. Nach einer Tätigkeit am Forschungszentrum CNRS wurde er stellvertretender Direktor des Pariser Musée de l'Homme und bekam anschließend einen Lehrstuhl für vergleichende Religionswissenschaften der schriftlosen Völker an der Ecole Pratique des Hautes Etudes.
1955 erschien sein Buch "Traurige Tropen", das ihn weit über Wissenschaftlerkreise hinaus bekanntmachte. Ab 1959 lehrte er als Professor für Sozialanthropologie am Collège de France und gründete das Labor für Sozialanthropologie. Zwischen 1964 und 1971 veröffentlichte Lévi-Strauss das vierbändige Werk "Mythologica", 1973 erfolgte seine Aufnahme in die prestigeträchtige Académie Française. Der Forscher erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, so 2003 den deutschen Meister-Eckhart-Preis.
Analysiert und hinterfragt werden in dem Dokumentarfilm auch der Ruhm und die allgemeine Anerkennung eines Menschen, der - seit dem Tod Jean-Paul Sartres im Jahr 1980 - als der bedeutendste Intellektuelle Frankreichs gilt.
Claude Lévi-Strauss' Blick auf die Welt von heute und auf die Vergangenheit regt ebenso zum Nachdenken an wie seine Trauer über das Verschwinden alter Kulturen oder seine Bewunderung für die Meisterwerke der Natur und der Kunst sowie seine Meinung über die Gefahren eines "Zuviel" an Kommunikation, vor denen er schon vor dem Internetzeitalter warnte. Vor allem fasziniert die Begeisterung, mit der Lévi-Strauss die Geheimnisse der Welt und der Menschheit zu lüften versuchte, und der unerschütterliche Glaube des Atheisten an die Kraft des menschlichen Geistes.

In zahlreichen Interviewausschnitten bietet das Porträt Einblick in Leben und Werk des großen Kulturanthropologen Claude Lévi-Strauss. Neben dem Forscher selbst lässt die Dokumentation viele Menschen zu Wort kommen, die seinen Beitrag zu Ethnologie und Sozialanthropologie kompetent und kritisch unter die Lupe nehmen. Worin besteht das wissenschaftliche Erbe von Lévi-Strauss? Ist seine Arbeit anfechtbar? Stellen seine Methoden und Entdeckungen auf dem Gebiet der Ethnologie einen vergleichbaren Fortschritt dar wie die Arbeiten großer Mathematiker, Biologen und Physiker? Und inwiefern sind seine Untersuchungen über zeitlich oder räumlich weit entfernte Welten heute für alle Menschen relevant?