Kinostart 16. Oktober 2008 - 20/10/08
Das Fremde in mir
Ein Film von Emily Atef
( Arte Bewertung: 3 )
Ein verstörender Film über die Entfremdung vom eigenen Kind.
Eine ARTE-Koproduktion
Synopsis: Voller Freude erwarten Rebecca und Julian die Geburt ihres ersten Kindes. Doch kaum ist das Baby geboren,
erfasst Rebecca eine unbegreifliche Angst und Hilflosigkeit. Das kleine Wesen, das von ihr abhängig ist, ist ihr vollkommen fremd. Rebeccas Zustand verschlechtert sich
von Tag zu Tag, bis sie schließlich befürchten muss, zu einer Bedrohung für ihr eigenes Kind zu werden.
Kritik: Grau. Verstörend. Ausgehend vom perfekt geplanten Familienglück entwickelt sich Emily Atefs Film "Das Fremde in mir" zu einem emotionalen Alptraum. Unaufgeregt, in tristen Grautönen, mit wackliger Handkamera gefilmt und beinahe ohne musikalische Untermalung wird die Geschichte der jungen Mutter Rebecca (Susanne Wolff), die sich von ihrem neugeborenen Kind eingeengt fühlt, erzählt. Trotz einer mehr als intakten Beziehung zu ihrem Freund Julian (Johann von Bülow) isoliert sie sich zunehmend und wird von der Belastung, eine schlechte Mutter zu sein, zu einem Selbstmordversuch getrieben. Postnatale Depression lautet die Diagnose und Rebecca versucht verzweifelt, einen Zugang zu dem ihr fremden Kind zu entwickeln. Helfen lassen will sie sich nur von ihrer Mutter, zu der sie einen engen Kontakt pflegt. Diese Beziehung hebt Rebeccas Aversion gegenüber ihrem Sohn noch deutlicher hervor und zeigt, dass solcherlei Probleme in jedem sozialen Milieu auftreten können.
Emily Atef plädiert mit ihrem Film für einen offeneren Umgang mit dem vor allem in Deutschland totgeschwiegenen Problem der Entfremdung vom eigenen Kind, an der laut der Regisseurin 10-20 Prozent aller Mütter leiden.
Durchgehend auffällig ist der Bezug der Charaktere zum Leben spendenden Element Wasser. So steigt Rebecca etwa während ihrer depressiven Phase komplett bekleidet in einen See, spielt mit dem Gedanken, ihr Kind beim täglichen Bad zu ertränken, und spült sich nach einem Streit mit Julian in der Dusche den Mund aus.
Aufgrund der höchst eigenwilligen Dramaturgie lässt "Das Fremde in mir" den Zuschauer verstört und ratlos zurück und zwingt auch den männlichen Teil des Publikums ein Thema zu reflektieren, mit dem er sich unter normalen Umständen niemals auseinandersetzen würde.
Marius Lang und Moritz Bürger
(Der Artikel erschien im Rahmen der 47. Woche der Internationalen Filmkritik in Cannes, die junge Kritiker fördert, welche unter der Bezeichnung "Die (Ganz) Junge Kritik" Rezensionen publizierten.)
Erstellt: 13-10-08
Letzte Änderung: 20-10-08