Kritik: Der Filmemacher Erich Schmid will ein angemessenes und ausgewogenes Porträt eines Multitalents zeigen, das auch dem politischen Engagement des Schweizers gerecht wird. Dazu hat er akribisch genau und mit viel Geduld jahrelang diverse Archive durchstöbert und Mengen an Material ausgegraben. IN MAX BILL - DAS ABSOLUTE AUGENMASS verknappt er nun seinen riesigen Materialberg auf 90 Minuten und folgt einem chronologischen Ablauf. Dabei versucht er löblicherweise den Zuschauer weder zuzutexten noch mit Bildern zu erschlagen.

Regie:Erich Schmid
Mit Daniel Schenker, Christoph Grab, Andrian Frey, Dominique Girod, Selmar Frey

Ersterer ist eine gute Wahl. Völlig entspannt spricht der 91-jährige von einer Freundschaft, die länger als ein halbes Jahrhundert währte. Er weiß: "Max Bill ist ein Schöner gewesen, hat das Leben von der vergnügten Seite genommen." Honegger weiß auch, was seinen Freund innerlich und äußerlich bewegt hat, er erklärt Bills Selbstverständnis als engagierter und politischer Mensch und als Künstler wie kaum ein anderer.
Die Kunsthistorikerin Angela Thomas hingegen wird eher zum Problemfall, dem auch noch erstaunlich viel Platz innerhalb des Films eingeräumt wird. Das hat seinen guten Grund: Der Filmemacher Erich Schmid hat sie einige Jahre nach dem Tod Max Bills geheiratet und lebt mit ihr in dessen ehemaligem Zumiker Wohnhaus. Angela Thomas hat Max Bill die letzten zwanzig Jahre seines Lebens auf all seinen Reisen begleitet, und heiratete ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, der Cellistin und Fotografin Binia Spoerri. Sie kennt tausend Geschichten aus seinem Leben, vermag diese aber leider nicht interessant zu präsentieren. Monoton plappert sie vor sich hin, und erzählt dabei auch allerlei Belangloses. Da geht es etwa um Gleise, auf denen der kleine Bill einst gespielt hat, weil sein Vater am Bahnhof tätig war. Diese Gleise haben ihn später einmal inspiriert, und der Film zeigt deshalb Bilder eines Bahnhofs, mit Gleisen bis zum Horizont, dazu Kammerjazzmusik. Naja.
An anderer Stelle spricht sie davon, dass sie als zwanzig Jahre jüngere Frau an der Seite von Max Bill öfter mal schief angesehen wurde - und lässt diese Aussage einfach so ohne weitere Erklärung stehen. Ganz interessant hingegen sind einige Anekdoten, die Schmid ausgekramt hat. Etwa die von der Schauspielerin Maria Benz, der Bill einst den Spitznamen "Nusch" verlieht, den diese jahrelang beibehielt. Oder die traurige Geschichte von Sophie Taeuber Arp, die 1943 im Haus von Bill in Höngg an einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung starb.
Schön wäre es auch gewesen, wenn ein Film, dessen Thema ein so avantgardistischer und zukunftsorientierter Mensch ist, ein wenig mehr eigenen Willen zur ausgefallenen Form bekundet hätte. MAX BILL - DAS ABSOLUTE AUGENMASS präsentiert sich dagegen extrem konventionell - mit Off-Kommentar, Archivmaterial, Kammerjazz zur gepflegten Untermalung und Interviewpassagen. Das ist zwar informativ, aber entspricht nicht unbedingt dem Anspruch, den man an einen Dokumentarfilm aus dem Jahre 2008 haben kann.
Nana A.T. Rebhan






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