The Hurt Locker
Nach Baghdad, mitten in den immer noch anhaltenden Irak-Krieges führt die wohl einzige Action-Regisseurin Hollywoods. Mit Handkamera folgt sie dem Spezialisten James bei seiner Mission: Er entschärft mit seinem Team Bomben, die im Umkreis von hunderten von Metern jedes Leben vernichten können. In einem mehrere Dutzend Kilo schweren speziellen Anzug mit Helm – der im Fall einer Explosion sein Leben retten soll - tastet er sich an die Bombe heran. James ist neu in seiner Division, sein Vorgänger wurde Opfer eines Attentats.
Bigelow folgt ihnen, ihrem Alltag, der in jeder Sekunde gefährlich ist. Jede Sekunde, jeder Minute, jeder Tag kann der letzte Moment sein. James überrascht und schockiert mit seiner Todesmutigkeit seine Kameraden, die ihm Rückendeckung geben sollen. Er kennt keine Grenzen, ist ein wilder Mann, der jederzeit zum Sterben bereit ist. Er denkt nicht nach, handelt einfach und entschärft Tag für Tag die gefährlichsten Bomben.
Das Drehbuch stammt von dem Journalisten Mark Boal, der als Recherche ein Bombenentschärfungsteam im Irak begleitet hat. Er war bereits an dem Antikriegsfilm THE VALLEY OF ELAH (2007) beteiligt, und stellte sein Insiderwissen zur Verfügung, Paul Haggis, Autor von CRASH (2004) schrieb mit ihm.

Regie: Kathryn Bigelow
USA 2008, 131 Min., mit Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geragghty, Christian Camargo
VENEZIA 65

THE HURT LOCKER wird ganz aus der Perspektive der Elite-Einheit erzählt. Die Bevölkerung kommt nur am Rande vor. Wie auf dem Mond bewegt sich der Spezialist in seinem dicken Anzug. Wie eine Spezies aus einer anderen Welt scheinen die Iraker auf die Amerikaner zu wirken. Wagt es einer von ihnen einem Amerikaner entgegen zu laufen, brüllen sie sofort auf amerikanisch los, dass er sofort erschossen wird, wenn er nicht stehen bleibt. Sie können kein Wort irakisch, brauchen Dolmetscher, die über Walkie-Talkie einen Mann mit Bombengürtel dazu bringen, die Hände hinter dem Kopf zu falten. James (wunderbar kaltschnäuzig besetzt mit Jeremy Renner) sammelt Teile von Bomben in einer Kiste unter seinem Bett und hat auch sonst seltsame Angewohnheiten. So kümmert er sich etwa einen Dreck darum, was die anderen seiner Truppe ihm sagen und bringt diese so auch mit in zusätzlich gefährliche Situationen, die vermeidbar wären. THE HURT LOCKER ist insofern ein anstrengender Film, als dass er wieder und wieder Situationen aneinander reiht, in denen Bomben entschärft werden. Durch diesen Wiederholungseffekt stellt sich beim Zuschauer das Gefühl für eine gewisse Routine ein, die aber dennoch jeden Moment unvorhersehbar und gefährlich bleibt.
THE HURT LOCKER zeigt Männer einer amerikanischen Elite-Einheit im Krieg. Diese Menschen sind freiwillig dort, und als Zuschauer fragt man sich warum sie dort sind.
Der Film zeigt die emotionale Unausgereiftheit des Bombenspezialisten, der einmal fast seinem Kollegen die Kehle durchschneidet, als dieser nach einer Rauferei auf ihm „reitet“. Mit dem Psychiater der Truppe kann er nicht viel anfangen, er klassifiziert ihn als „Yale“ und empfiehlt diesem, sich einmal selbst auf die Strasse zu begeben. Bigelow zeichnet James nicht als Helden, sondern als einen getriebenen Mann mit starken emotionalen Defiziten, der eines am Besten kann: Bomben entschärfen – deshalb tut er es. Eigentlich ist er krank und gefährlich, denn er hat keine Angst vor dem Tod und fordert diesen geradezu heraus.
Immer wieder blendet Bigelow einen Countdown ein. Der zählt die Tage, die die Männer noch im Irak verbringen werden. James überlebt seinen letzten Einsatz nur ganz knapp. Fast wird er mit einem Selbstmordattentäter - dessen Bombengürtel mit mehreren Schlössern gesichert ist - in die Luft gesprengt.
Zu Hause in Amerika, bei Frau und Kind kommt er mit dem dortigen „normalen“ Alltag nicht mehr klar. Hilflos steht er in einem Supermarkt vor einem endlos langen Regal mit Cornflakes und kann sich nicht entscheiden. Ständig redet er von Bomben, während seine Frau kocht. James kehrt zurück in den Krieg, der Countdown beginnt von vorne. 365 Tage wird er dort sein, wenn er die lebensgefährliche Mission überlebt. Die letzte Einstellung zeigt ihn in seinem Spezialanzug eine Strasse entlanglaufen – James ist wieder auf dem Mond gelandet – dort wo er sich am meisten zu Hause fühlt, weil er eine Aufgabe hat, die er kann.
Women

Regie: Huang Wenhai
China/ Schweiz 2008, 102 Min.
ORIZZONTI








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