Donnerstag, den 25. März 2010
Diese Woche in "Tracks": Ian Brown ist das Ohrfeigengesicht von "Tracks", Kawaï dagegen ist hübsch, aber auch trashy, die Sonics durchbrechen die Schallmauer, John McTiernan macht auf Raubtier und Black Joe Lewis mixt live Punk unter den Soul.
Ian Brown: Der Prolo aus Manchester
Wären Oasis und Blur ihm nicht begegnet, würden sie immer noch in Manchester ihr Guinness schlürfen, und die Gallagher-Brüder hätten nie den frechen Blick gekriegt, für den die Groupies sie verehren. Ian Brown, ein echtes Ohrfeigengesicht, war der Leader der 1984 gegründeten Kultgruppe Stone Roses, mit der er den Rock neu erfand, indem er den Gitarrensound der 60er mit harmonischen Melodien und von Raveclubs inspirierten Rhythmen mischte. Sein Hang zu Drogen, Alkohol und handgreifliche Auseinandersetzungen führte nach dem zweiten Album zum Aus. Der Manchester-Prolo, inzwischen von den Drogen, nicht aber von der "fuck attitude" geheilt, rockt jetzt elegant im Alleingang.
Kawai: Manche mögen's trashig
"Kawaii" heißt auf Japanisch "süß" oder "niedlich" und steht heute für ein ganz bestimmtes ästhetisches Konzept. Kawaii-Fans tragen kurze Röckchen in poppigen Farben, stehen auf "Hello Kitty" und würden am liebsten ihr ganzes Leben lang fünf Jahre alt bleiben! Die Kawaii-Kultur ist nicht auf Japan beschränkt, sondern breitet sich auch in Europa aus. In Frankreich erhält sie mitunter eine trashige Note, zum Beispiel mit der Tatoo-Künstlerin Princesse Pudding: Sie schwelgt in Rosatönen, aber sie ist kein kleines Mädchen, und wenn sie sich bunte Kuchen auf den ganzen Körper tätowiert, dann nicht, um mit der Puppenküche zu spielen ... Die Modedesigner von Toxic Twin bringen Babymotive mit Totenköpfen, und ihr Model in Schulmädchenkluft sieht aus, als sei es in der Pause zusammengeschlagen worden. Und der 36-jährige Loïc tritt als DJ Princesse Connard auf: Er mag singende Giraffen, Frauenkleider und falsche Brüste!
The Sonics: Die Paten des Garagenrock
Wenn man aus der Flut an Garage-Punk-Bands, die Amerika in den frühen 1960ern überschwemmte, nur eine Gruppe auswählen müsste, so wären das die Sonics. Die Band benannte sich nach dem "Sonic Boom", dem Überschallknall der Flugzeuge aus dem benachbarten Boeing-Werk, die über dem Haus der Musiker in Tacoma bei Seattle die Schallmauer durchbrachen. Und The Sonics machten ihrem Namen alle Ehre, denn sie setzten Meilensteine auf dem Gebiet der Musik, beim Sound ebenso wie bei den Texten ("Psycho", "Strychnine"), die nichts mit den damals üblichen naiven Liedchen gemein hatten. Die radikale Band hat ganze Musikergenerationen beeinflusst, von den Stooges über die White Stripes bis zu Nirvana. 1968 lösten sich die Sonics auf und fanden erst im Jahr 2007 wieder zusammen. Erstmals sind die drei Gründungsmitglieder der legendären Formation in Paris zu hören und erzählen die unglaubliche Sonic-Saga.
John McTiernan: Requiem für Big John
Experten halten "Predator" (1987) nicht für einen gewöhnlichen Trashfilm, sondern für ein echtes Meisterwerk des Fantasy- und Actiongenres. Ende der 80er Jahre galt McTiernan als König des Actionfilms made in Hollywood. Von Anfang an arbeitete er mit zukünftigen Topschauspielern. Der Star seines ersten Films, "Nomads - Tod aus dem Nichts" (1986) - ist Pierce Brosnan, und in "Stirb langsam" (1988) heißt die Entdeckung Bruce Willis. 20 Jahre lang beherrschte der von der "Nouvelle Vague" und Fellini beeinflusste Regisseur, der seine Actionfilme mit der Schulterkamera drehte, die Superproduktionen in Hollywood. Nach seinem größten Publikumserfolg, "Jagd auf Roter Oktober" (1990) ging es plötzlich steil bergab. "Last Action Hero" (1993) war ein Flop, und "Rollerball" wurde gar ohne ihn geschnitten. Für seine künstlerische Freiheit kämpfte John McTiernen unermüdlich gegen die Produzenten - um den Preis seiner Popularität. Jetzt hinterfragt der Regisseur seinen rebellischen Geist, der ihn in die Selbstzerstörung geführt hat.
Black Joe Lewis: No-Future-Soul
Ein Soulmusiker aus Texas, der die Musik von Amy Winehouse zu "clean" findet, Karl Marx für einen Franzosen hält und seinen ersten Hit, "Bitch I Love You", der Königin von England widmet, muss einem einfach sympathisch sein! Black Joe Lewis ist Autodidakt auf der Gitarre, macht punkigen Soul und stellt im April auf einer Frankreich-Tournee sein erstes Album im Modern-Retro-Stil vor.
Tracks
Donnerstag 25. März 2010 um 23.00 Uhr
Wiederholung am Samstag 27. März um 03.00 Uhr und Dienstag 30. März um 05.00 Uhr
(Frankreich, 2010, 52mn)
ARTE F
Erstellt: 04-02-10
Letzte Änderung: 17-03-10