Synopsis: Willenbrock (Axel Prahl) geht’s gut im wiedervereinigten Deutschland. Er hat einen florierenden Autohandel, ein schönes Haus, eine zupackend-optimistische Lebenseinstellung, und trotz verschiedener Affairen liebt er seine Frau Susanne (Inka Friedrich) immer noch. Warum sollte es nicht so bleiben?
Kritik: So eine heitere Tonlage hat man in einem Film von Andreas Dresen (
Halbe Treppe 2002) eigentlich nicht erwartet. Und wenn man die Romanvorlage von Christoph Hein nicht kennt, hat man sich gerade mit dem Gedanken angefreundet, dass hier eine amüsante Geschichte von einem Selfmade-Mann erzählt wird, der unbeirrt mit der Einstellung „was kostet die Welt“ durchs Leben geht, und davon überzeugt ist, es auch verdient zu haben, wenn er es sich gut dabei gehen lässt.
Da wird er mit seiner Frau im Wochenendhaus, das er gelegentlich auch mit Geliebten aufsucht, von zwei brutalen Einbrechern überfallen. Für kurze Zeit muss er um sein Leben und das seiner Frau fürchten, dann flüchten die Täter. Sie werden zwar schnell gefasst, aber da es sich um illegale russische Einwanderer handelt, behält man sie nicht in Haft, sondern schiebt sie ab. Von da an sitzt die Angst bei den Willenbrocks in der Nacht mit am Bett, da kann er noch so oft reflexartig sagen: wir vergessen das jetzt einfach. Es funktioniert nicht mehr, und alles andere auch nicht - plötzlich ist nichts mehr sicher.
Axel Prahl verkörpert geradezu idealtypisch diesen ebenso gutmütigen wie dickköpfigen Typen, dem Stück für Stück der Boden unter den Füßen weggezogen wird, und der nicht begreifen kann, dass er ein Problem hat, und er bei sich etwas ändern muss. Das ist fast tragisch, aber es gelingt Dresen, den Film dennoch nicht in ein düsteres Psychodrama abkippen zu lassen. Der heitere Ton bleibt, aber die Abgründe werden sichtbar, der breite Weg für den dicken Allradwagen ist plötzlich ein schmaler Grat.
Willenbrock hätte eigentlich wissen können, dass es so nicht immer weiter gehen kann. Damals in der DDR, als er mit seinem Bruder Segelfliegen lernte, und der dann mit dem Flugzeug in den Westen floh, da musste er schon einmal einen Traum begraben: den Traum vom Fliegen.
So hält der Film eine wunderbare Balance, und man wundert sich, warum diese schöne Parabel vom vielleicht heilsamen Einbruch der Angst in eine viel zu selbstgewisse Existenz, nicht den Weg in den Wettbewerb gefunden hat.
Thomas Neuhauser