Passanten-Befragung in Berlin und Paris (Windows media, 1'38")![]() | |
|
Sind nur einige schwarze Schafe dabei, die nicht Fair Play spielen wollen? Oder hat das Doping System schon viel weiter um sich gegriffen? Um im Hochleistungssport konkurrenzfähig sein zu können, ist man als Profisportler praktisch gezwungen, zu künstlichen Mitteln zu greifen und „Körpertuning“ zu betreiben. Wer beim Griff zur chemischen Keule erwischt wird, wird sofort mit dem moralischen Knüppel aus der Sportgemeinschaft verbannt.
Doch sind die Sportler an allem schuld? Führen nicht Leistungsdruck, Medienrummel, Sponsorengelder, nationaler Stolz der Sportfunktionäre und immer mehr Wettbewerbe dazu, dass systematisch gedopt wird? Warum wird Doping nur bei einigen wenigen Sportarten „entdeckt“ und bekämpft? Ist die Trennlinie zwischen erlaubten und verbotenen Mitteln zur Leistungssteigerung überhaupt scharf zu ziehen? Sind die Kontrollen, wie sie heute betrieben werden, nicht menschenunwürdig? Sind der moralische Aufschrei, die Betroffenheit angesichts des Absturzes der Helden aus dem Sportolymp nicht geheuchelt?
Denn Doping ist immer und überall - nicht nur im Spitzensport. Auch im Breitensport sind leistungssteigernde Mittel alles andere als ein Tabu. Hier steht oft weniger der Leistungsgedanke im Vordergrund als das zwanghafte Streben nach einem muskulösen, adonishaften Körper, nach einem Schönheitsideal der in den Medien tagtäglich gepriesen wird. Alkohol, Beruhigungs- und Aufputschmittel, Rauschmittel wie Kokain - das sind heutzutage die unterstützenden Maßnahmen zur Stressbewältigung und beruflichen Leistungssteigerung. Und sie sind mittlerweile gesellschaftsfähig, werden akzeptiert oder zumindest toleriert. Ist Leistungsport nicht ein Spiegelbild der Leistungsgesellschaft, in der wir leben? Warum werden beim Sport bedeutend strengere Maßstäbe angelegt als im gesellschaftlichen und beruflichen Alltag? Wenn Künstler, wie Musiker oder Maler, mit erlaubten oder unerlaubten Mitteln experimentieren und ihre Werke im Rausch produzieren, werden sie für ihre Leistung bewundert. Wenn Politiker und Manager nach einem 18-Stunden-Tag immer noch fit sind, fragt kaum einer danach, wie sie das schaffen. Muss man sich nicht an die eigene Nase fassen, bevor man Spitzensportler verurteilt? Paris-Berlin, die Debatte, will vor den großen Sportereignissen des Sommers der Leistungsgesellschaft den Puls fühlen.
Die Gäste:
- Ines Geipel
- Stéphane Proia
- Jörg Jaksche
- Wolfgang Herles







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

