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Wie christlich ist Europa?

ARTE beleuchtet die Stellung der Religion und Kirchen in verschiedenen europäischen Ländern.

Wie christlich ist Europa?

Themenabend, Dienstag, 9. Dezember 2008 ab 21.00 Uhr - 12/12/08

Wie christlich ist Europa?

Seit 1905 gilt in Frankreich eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion. Doch dieses Prinzip des Laizismus, in Europa nur noch in Portugal und der Türkei gesetzlich verankert, sieht sich in letzter Zeit häufiger verbalen Angriffen ausgesetzt.
Der Themenabend beleuchtet die Stellung der Religion und Kirchen in verschiedenen europäischen Ländern und fragt nach, ob der Laizismus tatsächlich gefährdet ist.

  • Wie christlich ist Europa? Gesprächsrunde (33'55)

Gegner des Laizismus, der strikten Trennung zwischen Kirche und Staat, melden sich immer lauter zu Wort. Wie begegnen europäische Länder diesen wiederholten verbalen Attacken?

In Frankreich ist es im Prinzip schwer, das aus dem Jahr 1905 stammende Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat zu umgehen oder infrage zu stellen. Die Französische Republik erkennt keinen religiösen Kult an und leistet keine Bezahlung oder sonstige Zuwendungen an irgendeine Kirche oder Religionsgemeinschaft. Dieses streng laizistische Gesetz ist in Europa allerdings eine Ausnahme. Es soll als Schutz vor jedwedem religiösen Angriff auf staatliche Institutionen dienen. Doch was bedeutet es, wenn sich Nicolas Sarkozy als französisches Staatsoberhaupt plötzlich zum Fürsprecher religiöser Werte macht?

Und wie sieht das Verhältnis zwischen Staat und Kirche beziehungsweise Religionsgemeinschaften in Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Polen oder Griechenland aus, in Ländern also, in denen die Gesetze nicht so eindeutig sind, der Laizismus umstritten ist und die Rolle, die die Religion in der Gesellschaft spielt, noch definiert werden muss? Der Themenabend untersucht, welchen Platz der Laizismus im heutigen Europa einnimmt.

Der Themenabend im Überblick:

Freitag, 12. Dezember 2008

09:55
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Meine Wiederholung
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Die Religionen und die Res Publica, ein neuer Streit?

Ist der Laizismus - in Frankreich seit 1905 das Ferment der nationalen Einheit - in Gefahr?

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Worin unterscheidet sich das islamische Finanzsystem vom westlichen Modell?

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Freitag, 12. Dezember 2008 um 09.55 Uhr

Wiederholungen:
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Die Religionen und die Res Publica, ein neuer Streit?
(Frankreich, 2008, 45mn)
ARTE F
Regie: Ted Anspach
Produzent: Doc En Stock

16:9 (Breitbildformat)

In Lille wird eine Eheschließung annulliert, weil die Braut keine Jungfrau mehr war. Und nach einem Urteil eines Pariser Berufungsgerichtes wird ein nicht praktizierender Moslem auf Betreiben seiner früheren Ehefrau nach islamischen Riten beigesetzt. In letzter Zeit haben mehrere Ereignisse, die mit dem Laizismus in Verbindung standen, Schlagzeilen gemacht. Ist also der Laizismus - in Frankreich seit 1905 das Ferment der nationalen Einheit - in Gefahr? Laut einer vor einigen Jahren veröffentlichten Umfrage sind 64 Prozent der Franzosen dieser Überzeugung. Doch ist diese Angst wirklich begründet? Filmemacher Ted Anspach hat sich in verschiedenen Städten Frankreichs umgesehen.

Lokalpolitiker aus dem rechten wie aus dem linken Spektrum scheinen sich mit den Gegnern des Laizismus - der in Frankreich gesetzlich festgeschriebenen Trennung zwischen Staat und Religion - zu arrangieren. Vielleicht um sich nicht von religiösen Gemeinschaften unter Druck setzen zu lassen und keine Stimmen bei den nächsten Wahlen zu verlieren, verschließen die Politiker immer öfter die Augen vor dem Angriff auf die Werte der Französischen Republik.
So gab die Stadt Lyon Fundamentalisten nach, die im neuen Schuljahr fleischfreie Gerichte in der Schulspeisung forderten. In Nizza verlangte ein jüdischer Verein koscheres Essen in den öffentlichen Krankenhäusern.
Manches Mal wird fundamentalistischen religiösen Vereinen auch finanziell unter die Arme gegriffen: So finanzierte der Bürgermeister von Roubaix einen Bus, mit dem Jugendliche aus benachteiligten Stadtvierteln zu einem Meeting radikaler Muslime nach Paris fahren konnten. Das alles ist möglich, obwohl das Gesetz von 1905, das Fundament des französischen Laizismus, Beihilfen für religiöse Zwecke untersagt. Doch noch schlimmer ist, dass die, die in Roubaix ihre Stimme gegen diese Praktiken erhoben, heute mit dem Tode bedroht werden.
Die Dokumentation enthüllt, wie sich die republikanischen Werte auf dem Rückzug befinden, und zeigt erstmals, wie die Gegner des Laizismus Lokalpolitiker für ihre Zwecke gewinnen. Über welche Druckmittel verfügen sie, und wie verhandeln sie? Was bewegt die Politiker zum Nachgeben?
Einzeln betrachtet, wären diese kleinen Arrangements völlig harmlos. Zusammen genommen machen sie jedoch deutlich, dass der Laizismus in Frankreich tatsächlich bedroht ist, zumal einige Organisationen über eine professionelle propagandistische Maschinerie verfügen. Ihren Sitz haben sie zumeist in London, wo sie dank des britischen Systems Schutz genießen. Die Absurditäten dieses Systems verdeutlichen Aufnahmen von einem Scharia-Gericht, das mitten in London mehr oder weniger offiziell tagt. Dort warten verstoßene Frauen auf das Urteil des Imams.
Ein Vorgeschmack auf das, was künftig auch auf Frankreich zukommt? Und was wird anderswo in Europa geschehen, wenn sich im laizistischsten aller europäischen Länder das Londoner Modell durchsetzt?


Freitag, 12. Dezember 2008

10:40
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Was wird aus unseren christlichen Wurzeln werden?

In Brüssel gewinnen religiöse Strömungen an Terrain, die sich für ein unter christlicher Flagge geeintes Europa starkmachen.

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Freitag, 12. Dezember 2008 um 10.40 Uhr

Wiederholungen:
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Was wird aus unseren christlichen Wurzeln werden?
(Frankreich, 2008, 45mn)
ARTE F
Regie: EMMANUEL BESNIER

16:9 (Breitbildformat)

In Brüssel gewinnen religiöse Strömungen an Terrain, die sich für ein unter christlicher Flagge geeintes Europa starkmachen. Die Laizismus-Befürworter haben dem Einfluss dieser Strömungen auf die europäische Politik immer weniger entgegenzusetzen. Für viele EU-Staaten definiert sich Europa über das Christentum. Ist Frankreich die letzte Bastion des Laizismus? Und ist die Türkei die Galionsfigur eines Islam auf dem Vormarsch, oder bietet ihr Beitritt die Gelegenheit, das europäische Projekt auf der Ebene der Toleranz umzugestalten? Die Dokumentation sucht nach Antworten.

Welche Folgen hat ein christliches Selbstverständnis Europas für die europäischen Muslime, Juden, Atheisten und Agnostiker? Mit der aufpolierten Ökumene von gestern tritt der Vatikan gegen die Idee eines erweiterten, befriedeten und laizistischen Europas als alternatives Modell des Miteinanders an.
In Brüssel, dem Zentrum der europäischen Politik, kommen nur wenige Meter vom Parlament entfernt Mitarbeiter der Institutionen und EU-Abgeordnete regelmäßig zum Gebet zusammen, und zwar in der ihnen gewidmeten "Kapelle für Europa". Sie beten täglich für ein Europa, das stolz auf seine mittelalterliche Vergangenheit ist, ein geeintes, unteilbares - und christliches Europa.
Europa setzte sich im Mittelalter der Christenheit gleich und grenzte sich auf diese Weise gegenüber dem aufgeklärten und eroberungswilligen Feind ab, dem Islam. Für einige Europäer scheint dieser Europa-Begriff wahrer denn je zu sein. Lässt sich also die europäische Politik von religiösen Erwägungen leiten? Ist der politische und institutionelle Laizismus Europas heute bedroht? Vielleicht. Der Vatikan ist jedenfalls mit seiner Erklärung, das Stillschweigen über die christlichen Wurzeln Europas sei gefährlich, und mit seinem Aufrufen an die Christen, gegen "laizistische und relativistische Strömungen" vorzugehen, in die Offensive gegangen. Nie waren religiöse Lobbyisten in Brüssel so zahlreich wie heute. Vereinigungen wie die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft und die Konferenz europäischer Kirchen wurden vom EU-Parlament akkreditiert. Mächtige laizistische Lobbys wie "Mouvement Europe et Laïcité" oder "Fédération Humaniste Européenne" haben heute Mühe, dieses Überhandnehmen einzudämmen. Die Laizismus-Anhänger werden kaum noch von den Brüsseler Entscheidungsträgern angehört.
Wer wird das Rennen gewinnen? Die Laizismus-Vertreter, die die Verzerrung der Geschichte durch religiöse Interessengruppen anprangern? Oder die gut organisierten Lobbys der "Christenheit", die mit großem Werbeaufwand die Idee eines Europas vermitteln, das gemeinsam dem Islam vereint gegenübersteht? - Europa auf der Suche nach sich selbst.

Die in Bayern, Puy-en-Velay, Brüssel und Istanbul gedrehte Dokumentation zeigt anschaulich, dass sich hinter den verbalen Kämpfen der Befürworter und Gegner des Laizismus konkrete Interessen auf beiden Seiten verbergen. Da es hier auch um eine Interpretation der Geschichte geht, werden die Hintergründe der Problematik, die bis in den Alltag der Europäer hineinspielt, durch Gespräche mit Historikern, Karten und Archivmaterial erhellt.


Freitag, 12. Dezember 2008

11:25
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Gesprächsrunde

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Worin unterscheidet sich das islamische Finanzsystem vom westlichen Modell?

Zum Dossier Vom Bazar an die Wall Street

Freitag, 12. Dezember 2008 um 11.25 Uhr

Wiederholungen:
Keine Wiederholungen
Gesprächsrunde
(Frankreich, 2008, 30mn)
ARTE F
Gast: Elisabeth Badinter

16:9 (Breitbildformat)

Die Namen der an dem Studiogespräch teilnehmenden Gäste werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.


Brauchen wir das Christentum?
Darüber diskutiert Thea Dorn mit ihren Gästen am 11. Dezember um 23.35 Uhr in der Sendung "Paris - Berlin: die Debatte"

Erstellt: 05-12-08
Letzte Änderung: 12-12-08