von Juan Pablo Rebella und Pablo Stoll
Un Certain Regard
Kritik: Ein kleiner Film aus Uruguay, der zweite Spielfilm der beiden Regisseure aus Montevideo (nach „25 Watts“), und eine langsam und leise erzählte Geschichte, wie man sie vom lateinamerikanischen Kino nicht erwartet. Aber anders als in Brasilien ist der Winter in Montevideo kalt und trüb, aus dem Radio kommen keine Samba-Rhythmen, und Jacobo und Marta erwarten eigentlich nicht mehr viel vom Leben. Obwohl man zunächst wenig Interesse oder Anteilnahme für den schweigsamen, immer schlecht gelaunten Jacobo und die stille und unterwürfige Marta mitbringt, entwickelt der Film seine vom Leben nicht gerade verwöhnten Figuren mit so viel Einfühlungsvermögen und Glaubwürdigkeit, dass man sich doch für sie interessiert und jede kleine Veränderung mit Spannung erwartet.
Sie sind nicht arm und nicht reich, nicht schön und nicht jung, und die Arbeit in der Sockenfabrik ist ebenso trist, wie der winterliche Urlaubsort mit Spielautomaten und fast leeren Restaurants. Aber man versteht nach und nach, warum Jacobo sich nicht mehr öffnen kann, warum er keine Beziehung zu seinem Bruder findet, warum Marta ihre Bedürfnisse nicht artikulieren kann, und warum Herman nicht fähig ist, seinem älteren Bruder zu helfen, auch nicht mit Geld. Besonders die schauspielerische Leistung von Andrés Pazos als Jacobo trägt den Film, aber es ist auch insgesamt eine traurig-schöne, stimmig erzählte Geschichte von drei Menschen, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Der Film heißt übrigens „Whisky“ weil alle drei sich auf ihrem Ausflug einmal fotografieren lassen, und gleichzeitig ein lang gezogenes Whisky rufen, um wenigstens für einen Moment einen fröhlichen Gesichtsausdruck zu bekommen.
Thomas Neuhauser






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