mit : Kevin Bacon, colin firth, Alison Lohman, Rachel Blanchard u.a.
Wettbewerb
Im Gespräch mit Kevin Bacon
Synopsis: In den 50er Jahren waren Vince Collins (Colin Firth) und Lanny Morris (Kevin Bacon) mit ihrer Show mit das beliebteste Fernsehentertainerpaar der USA. Bis eines Tages eine junge Zimmerkellnerin (Rachel Blanchard) ertrunken in einer Badewanne ihrer Hotzelsuite lag. Obwohl als offizielle Todesursache die Einnahme von Tabletten und Alkohol genannte wurde, zerbrach kurz danach das beliebte Duo. 15 Jahre später will die junge Journalistin Karen (Alison Lohman) eine Biographie über die von ihr vergötterten Entertainer schreiben, ohne zu ahnen, dass sie sich mit ihren investigativen Fragen selbst in tödliche Gefahr begibt. Kritik: Schon in seinem letzten Film „Ararat“, einem Drama um die Vertreibung und Diaspora der Armenier aus der Türkei, interessierte sich der kanadische Regisseur Atom Egoyan mit armenischen Wurzeln dafür, wie die Medien und moderne Technologien Identität und Lebensweise des modernen Menschen verändern. Nun gibt das Genre des Who-dunne-it-Thrillers und eine Romanvorlage des amerikanischen Schriftstellers Rupert Holmes den Rahmen, innerhalb dessen Egoyan sein Thema erweitert.
Subjekte seines filmischen Studiums sind zwei Fernsehkomiker aus der Pionierzeit des amerikanischen Fernsehens, deren Erfolgsrezept dem des Rat Pack Martin/Sinatra etc. nicht unähnlich ist. Der eine, Vince Collins, ein vollendeter (britischer) Gentleman, immer ein Whiskyglas in der einen und eine Frauentaille in der anderen Hand, der andere, Lanny Morris, ein unberechenbarer Spaßmacher, immer am Abgrund einer peinlichen, aber dafür umso komischeren Situation balancierend. So sind sie zu begehrten Ikonen des amerikanischen Traums aufgestiegen, ausstaffiert mit Geld, Frauen und Fernsehmacht. Dann der jähe Absturz – nach dem Tod einer jungen Zimmerkellnerin trennt sich das Duo, die beiden Stars gehen fortan getrennte Wege. Hier kommt die junge, verführerische Journalistin ins Spiel – ihr Ehrgeiz, Licht ins Dunkel ihrer Trennung zu bringen, ist nicht rein karrieristisch, sondern auch sehr persönlich motiviert, wie wir später erfahren werden.
Diese Karen ist Egoyans verlängerter Arm in der Geschichte: Zwiebelschicht und Zwiebelschicht arbeitet sich die braunäugige Schönheit zum wahren Kern der beiden einstigen Idole vor und weiß dabei nicht nur ihren Verstand, sondern auch ihre Reize trefflich einzusetzen. Doch die Dekonstruktion des von der Unterhaltungsindustrie aufgebauten öffentlichen Bildes schafft neue Rätsel, Varianten einer Wahrheit, die ihr letztes Geheimnis nicht preisgeben will. Der Zuschauer selbst muss bei Egoyan entscheiden, welche Version ihm die logischste oder auch als bequemste, verführerischste erscheint.
Während der kapp zwei Stunden lässt Egoyan nichts unversucht, um den Zuschauer zu verführen, ihn auf die falsche Spur zu locken und wieder von vorne beginnen zu lassen. Großartig haben Egoyan und seine langjährigen Mitarbeiter - Production Designer Phillip Barker, Kameramann Paul Sarossy und Kostümbildnerin Beth Pasternak nicht nur die goldenen Zeiten von Old Hollywood mit seinen wiederauferstehen lassen, sondern auch das New Hollywood der Drogenexperimente und großen Enthüllungsgeschichten. Der opernhafte Soundtrack von Mychael Danna wirkt wie eine weitere, um seine Figuren gezündete Nebelkerze des Regisseurs. So ist Egoyans Film nicht nur ein Film über die Suche nach der Wahrheit, sondern auch über das Mysterium unseres Lebens und die Beweggründe unseres Handelns geworden.
Martin Rosefeldt
Synopsis: Eine junge Frau wird tot in der Badewanne aufgefunden. Die letzten Stunden ihres Lebens hat sie mit den beiden Show-Größen Vince Collins und Lanny Morris verbracht. Seit dem grauenhaften Tod des Mädchens gehen sich die bis dahin unzertrennlichen Stars aus dem Weg.15 Jahre später versucht die junge, ehrgeizige Journalistin Karen O'Connor, das Verbrechen aufzuklären.
Kritik: Seit “The Adjuster” präsentiert Atom Egoyan immer wieder ganz unterschiedliche und jedes Mal aufs Neue faszinierende Varianten ein und desselben Musters: Immer ist seine Hauptfigur auf der Suche nach der Wahrheit, und immer wird aus Entschlossenheit eine gewisse Besessenheit. In diesem Falle untersucht eine junge Journalistin in den 70er-Jahren im Zuge ihrer Recherchen für eine Biographie den Tod eines Mädchens. Mit Gusto wechselt der Regisseur bei seiner Erzählung immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her. Diese ständigen Sprünge tragen zum Geheimnis des Films bei, das der Zuschauer mit Spannung zu ergründen sucht. Der Regisseur beschreibt die beiden Jahrzehnte, in denen der Film spielt, mit vertauschten Mitteln: Während die 50er-Jahre als moderne Fernsehbilder erscheinen, beschreibt er die 70-er Jahre mit an den film noir gemahnenden Bildern. Die Wahrheit erscheint von Anfang an verzerrt, manipuliert durch den Regisseur, der in Flash-Back-Sequenzen von Begebenheiten erzählt, die sich in Wirklichkeit nie so zugetragen haben - im Flash-Back werden die Vorstellungen jedoch zur filmischen Realität. Diese Vorgehensweise, die den Zuschauer völlig in die Irre führt, bescherte Alfred Hitchcock für „Stair Fright“ (1950) damals übrigens nicht den erhofften Erfolg.
In „Where the Truth lies“ gehen Begehren und Anerkennung, Ruhm und Abhängigkeit sowie Freundschaft und Liebe ineinander über. Die Suche nach der Wahrheit erscheint unmöglich, irgendwann rückt sie in weite Ferne, da der Versuch, sie zu ergründen, mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Die Grenzen zwischen Gefühl und Handlung verschwimmen und schließlich bleiben als Orientierungspunkte nur noch einige Skurrilitäten, ein Tonband, ein Obstbaum, ein Hummer und ein Buch, das noch geschrieben werden muss. In manchen Momenten erinnert Atom Egoyans Werk entfernt, aber doch in beunruhigender Weise, an die Klassiker des film noir und an David Lynchs pechschwarzen Film „Mulholland Drive: Unter dem Einfluss von LSD wird Karen zur Alice im Wunderland. Die Frau mit dem Mädchengesicht gerät in eine andere Welt, in der nichts ist, wie es scheint, und in der Gewissheiten zerbröckeln. Wie Alice kann sie ihre Jugendidole stilisieren oder aber sie sehen, wie sie sind: Menschen voller Schwächen und Neurosen. Die beiden Stars von gestern entsprechen in keiner Weise ihrem öffentlichen Image: Lanny Morris (genial: Kevin Bacon) ist ein vernünftiger und ängstlicher Mensch, Vince Collins dagegen brutal und undurchsichtig, hervorragend gespielt von Colin Firth, den man in einer ungewohnten Rolle erlebt.
Der Film steckt voller McGuffin-Effekte, mit denen Hitchcock in seinen Filmen jene besondere Atmosphäre erzeugte: Mit „Where the Truth Lies“ taucht man in eine gefallene, faszinierende Welt aus Glamour und Reue ein und wird mitgerissen vom Strudel der Erinnerungen.
Delphine Valloire------------------
Where the truth lies
Ein Film von Atom Egoyan
(Kanada, 2005)
Mit: Kevin Bacon, Colin Firth, Alison Lohman






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