Aus drei…
neuen Titeln können wir durch semiotische Beziehungs-Verknüpfung 2 mal 2 gleich vier plus 3 einzelne gleich 7 machen. Wollen Sie sehen?
Zweimal England…
zusammenzustellen ist einfach: Wie es sich für die englische „Queen of Crime“ P.D. James (Wer hat sich diesen Titel „Queen“ eigentlich ausgedacht? Na, ja, er trifft auf die 1920 geborene Phyllis Dorothy James, seit 1991 Baroness James of Holland Park eher zu als auf die zahlreichen Casting-Show-Absolventinnen, die nach ihr auch so tituliert worden sind, es wäre mal eine schöne Aufgabe für Marketingstudenten, eine Liste aller Queens of Crime zu machen, die übrigens weder Princes noch Kings zur Seite haben), also, wie es sich für P.D. James gehört, spielt Ein makelloser Tod (original 2008 als The Private Patient) auf einem Herrensitz in Dorset. Dort ist alles so geschmackvoll eingerichtet und perfekt organisiert, dass die Ermordung der Privatpatientin Rhoda Gladwyn das etablierte Gefüge aus Konvention und Konservatismus keineswegs zum Einsturz bringt. Zumal der Ehemann einer zweiten Privatpatientin, der (noch) nichts geschehen ist – aber man weiß seit den Tagen Lady Mallowans, dass auf abgelegenen britischen Herrensitzen prinzipiell jeder vom Tode bedroht ist – mit Einfluss in Number Ten nur allzu bald dafür sorgt, dass das kompetente und geschniegelte Team Commander Adam Dalglieshs die Ermittlungen übernimmt und die einflussreiche Mrs. Skeffington lebend nach Hause verfrachtet werden kann.
Innovativ kann man diesen Roman schwerlich nennen – und ich gebe zu, dass ich selbst (über Voten wird sonst geschwiegen wie Grab) auch nicht dafür gestimmt hätte, wäre ich nicht so nostalgisch angerührt worden. Es geht etwas schon beinahe beunruhigend Beruhigendes von dieser leise sich in Einrichtungs- wie Biographie-Details verästelnden Prosa aus. Und wenn am Ende der Täter identifiziert ist, kann Adam Dalgliesh, Commander der Metropolitan Police, Dichter und zum Schluss auch noch Ehemann, mit ruhiger Selbstverständlichkeit sagen: „Nun kenne ich die Wahrheit, soweit man sie kennen kann, und ich glaube zu verstehen..“ Die hochgemute, ja fast ritterlich zu nennende Selbstgewissheit, mit der die zuvor von der Autorin mit gottgleicher Gelassenheit ausgetüftelten und –gebreiteten Verwicklungen um Erbschaft, Kränkung, Missgunst, unerwiderte Liebe und Schnüffelei von Dalgliesh und seinen Leuten aufgedröselt werden, hält allem Anarchischem stand. Nicht unbeirrbar, aber doch voller Gleichmut, der sich aus hohem Alter und großer Erfahrung ergibt. Ein Salut an die Grand Old Lady für ihren 14. Dalgliesh-Roman (Platz 5). Ob sie mit 90 im kommenden Jahr noch einen veröffentlichen wird?
Und zum zweiten:
An P.D. James’ Dorset schließt südlich Michael Robothams Somerset an. Dort wird Joe O’Loughlin, der an Parkinson erkrankte Psychologe und Held des grandiosen Thrillers Adrenalin (2005, original The Suspect 2004) mit dem Selbstmord einer Frau konfrontiert, der kein Zureden mehr hilft. Die Ohnmacht des Psychologen, der sich mit den katastrophalen Folgen seiner professionellen Überheblichkeit konfrontiert sieht, war schon Thema in Adrenalin. Jetzt hat O’Loughlin es mit einem wahren Monster der Manipulation zu tun. Und Monster der Manipulation findet man in den Zeiten der Folter natürlich in der Army versteckt. Ein Zweikampf entbrennt, bei dem der Psychologe keine Chance hätte, gäbe es nicht Hilfe von unerwarteter Seite in Gestalt eines Teenagers und von seinem alten Kumpel Detective Vincent Ruiz. Auch wenn der zweite Teil des Romans etwas schwächelt – Robotham ist ein bemerkenswert kluger und enorm spannender Autor. Dein Wille geschehe (original: Shatter 2008) finden Sie auf (Platz 7).Zweimal Australisch…
wird unser Zahlenspiel durch den Umstand, dass Robotham gebürtiger Australier ist. Lange Jahre hat er in Sydney und London als Journalist gearbeitet, bevor er mit Joe O’Loughlin und Vincent Ruiz ein bemerkeneswertes Ermittlerduo erfand.
Garry Disher ist ebenfalls Australier. Auch als Kinder- und Jugendbuchautor hat er sich einen Namen gemacht und auch noch Sachbücher über Gesetzlose, Literarisches Schreiben und den Zweiten Weltkrieg verfasst. Seine die Tradition von Richard Starks Parker-Romanen unter australischen Bedingungen fortführende Serie um den Berufsverbrecher Wyatt (erschienen bei Pulp Master) hat ihn in Deutschland bekannt gemacht; für Gier (Wyatt) und noch mal für Drachenmann, aus der Reihe seiner gesellschaftskritischen Romane um Inspektor Hal Challis, hat er den Deutschen Krimipreis bekommen.
In Beweiskette (original 2007: Chain of Evidence) operieren seine Protagonisten getrennt. DS Ellen Destry ist im fiktiven Waterloo (auf der realen Halbinsel Mornington bei Melbourne gelegen, wo Disher wohnt) auf sich gestellt. Denn Hal Challis, ihr Chef, ist weit ins trostlose Landesinnere gefahren, um seiner Schwester und dem sterbenden Vater beizustehen. In Waterloo ist ein zehnjähriges Mädchen entführt worden, eine Sippe von Kleinkriminellen terrorisiert ihre Umgebung und im von Machos und Bürokraten dominierten Polizeiapparat muss Ellen sich auch bewähren. Währenddessen geht Challis nebenbei den Umständen nach, unter denen sein Schwager vor Jahren verschwunden ist. Wie in den anderen Titeln der Serie fasziniert Disher durch genaue Beobachtung und Schilderung der sozialen Milieus, durch klischeefreien und sogar unterlaufenden Plot. (Platz 9)
Sind vier…
plus drei Titel = Sieben. Quod erat demonstrandum.







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