Zu Beginn scheint Jiří Paroubek noch nicht zu wissen, wie ihm geschieht. Doch als er die fliegenden Eier bemerkt, wird es ruppig: „Meine lieben Freunde, ich sehe, ihr habt Argumente...“ Oder besser: „Das zeigt doch nur, dass ihr keine Argument habt.“ Doch die „vajíčkáří“ haben schon vor langer Zeit aufgehört ihm zuzuhören. „Das ist doch traurig“, macht er indes mit seinen Provokationen weiter: „Versucht doch mal euch wie menschliche Wesen aufzuführen, auch wenn das schwierig für euch ist.“
Etwa zehn Wahlkampfveranstaltungen der ČSSD sind im Zuge der letzten Woche so abgelaufen. Und sogar eine Facebook-Gruppe wurde gegründet: „Eier auf Paroubek in jeder Stadt der Tschechischen Republik.“ Der Anführer der Sozial-Demokraten hat daraufhin den Schutz der Polizei beantragt. Deswegen waren bei der letzten Kundgebung der ČSSD in Pilsen etwa zehn Ordnungskräfte zugegen, die Paroubek nicht etwa mit Maschinenpistolen oder Schlagstöcken, sondern mit Regenschirmen gegen die bösen Attentäter schützen mussten. Und der Generalsekretär der ČSSD weiß auch schon, wer hinter den Attentaten steckt: „Diese Attacken wurden von jungen Anarchisten ausgeführt, die für die parlamentarische Rechte von Mirek Topolánek arbeiten.“ Der ehemalige Premierminister wehrt sich jedoch gegen diese Anschuldigungen und scheint sogar Angst zu haben, dass Mitglieder seiner eigenen Partei bald zum Ziel solcher Attacken werden könnten.
Bei so viel Absurdität und Paranoia konnten die tschechischen Medien nur ironisch reagieren. Die liberale Tageszeitung Mladá Fronta DNES hat eine „Speziale Eierausgabe“ veröffentlicht und das Blatt Lidové Noviny spricht von einer verständlichen „Rache der Jungen“ gegen eine politische Klasse, die sich bei ihren internen Kämpfen nicht für die zukünftigen Generationen zu interessieren scheint. Paroubek und die Eierwerfer könnten somit zu einem Symbol für diese EU-Wahlkampagne und das Misstrauen der Tschechen in ihre Politiker werden. Denn diese schlimmen Terroristen, die Eier auf Jiří Paroubek werfen, sind wohl kaum eine organisierte Gruppe von Anarchisten, sondern eher Jugendliche, die über eine politische Klasse frustriert sind, die schon vor langem ihre Tugend verloren hat.
Nichtsdestotrotz könnten ihre Attacken schon bald Kultstatus erreichen, sogar (und vor allem) in den Reihen der sozial-demokratischen Partei. So hat der lokale Sektionschef der ČSSD in Pardubice (Zentralböhmen) seine Wählerschaft, die letzten Samstag trotz Kälte und Regen zu ihm gestoßen war, mit einer großen Portion Rühreier begrüßt.
Alexander Knetig








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